SV Türkspor Gegen Motocross − für Fußball

Im jungen Kindesalter hat sich Milan Meyer fürs Kicken entschieden. Jetzt ist er beim gerade in die Fußball-Landesliga aufgestiegenen SV Türkspor der Torschütze vom Dienst.
25.06.2019, 16:46
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Von Jens Pillnick

Blumenthal. „Motocross oder Fußball?“ Vor diese Frage wurde Milan Meyer im jungen Kindesalter von seinem Vater Bernd gestellt. Der heute 23-jährige entschied sich für Fußball und entwickelte sich zum Torschützen vom Dienst. Und das, obwohl er anfangs viel lieber im Tor gestanden hätte. Doch sein Jugendtrainer schickte ihn, wie sich seit Jahren zeigt zu Recht, in den Angriff: In der abgelaufenen Saison wurde Meyer Torschützen-König in der Bezirksliga und stieg mit dem SV Türkspor in die Landesliga auf.

SV Grün-Weiß Beckedorf, SV Löhnhorst, Blumenthaler SV (A- und B-Junioren sowie zweite Herren) und DJK Blumenthal heißen die Stationen, über die Milan Meyer, der vielen noch unter dem Namen Milan Bruns geläufig ist, zum SV Türkspor gelangte. „Meine Eltern haben sich entschieden, doch noch zu heiraten“, erklärt der 1,85 große und 85 Kilogramm schwere Stürmer die Namensänderung. Hinter der jüngsten Änderung der Vereinszugehörigkeit steckte der Name Bahadir Kilickeser. Nachdem Kilickeser sein Amt bei DJK Blumenthal niedergelegt hatte und im Dezember 2017 beim SV Türkspor einstieg, folgten viele Spieler in der Winterpause ihrem Trainer – auch Milan Meyer.

Nachdem der Aufstieg in der Saison knapp verpasst worden war, griff Türkspor in der ersten kompletten Spielzeit unter Kilickeser mit voller Wucht an. Ein Teil dieser Wucht ging von Milan Meyer aus, der – nach einer Korrektur seitens des Bremer Fußball-Verbandes – auf 35 Treffer kam. „Es hätten noch mehr sein können, aber letztlich ist es mir egal, ob ich Torschützen-König bin oder nicht. Der Mannschaftserfolg ist wichtiger als der des einzelnen. Es zählt nur, dass wir aufgestiegen sind und in der Landesliga spielen“, erklärt Milan Meyer, der die familiäre Atmosphäre beim SV Türkspor schätzt und mit den Mannschaftskameraden, dem Trainer und dem Vorstand sehr gut klarkomme. Und auch seine ihm eigene spaßige Art wird beim SV Türkspor geschätzt: „Als ich wegen eines Fußbruches mal zwei Monate nicht beim Training war, hat der Trainer mir gesagt, dass er mich vermisst hat und alles so ernst gewesen sei. Ich bin ein kleiner Spaßvogel. Man darf nicht alles so ernst nehmen, was ich sage und mache.“

Ernst genommen wird Milan Meyer von den gegnerischen Abwehrreihen, aber den richtigen Zugriff auf den schnellen und körperbetont spielenden Angreifer bekommen die Defensivspieler trotzdem oft nicht. Der enorme Zug zum Tor eröffnet dem Sportbegeisterten („Ich gucke alles, ob Leichtathletik, Motorradrennen oder Turmspringen“), der in der Schule schon als 100- und 400-Meter-Läufer glänzte, immer wieder Möglichkeiten zum Abschluss: „Wenn ich eine Lücke sehe, versuche ich durchzustarten.“ Ganz offen gibt der 23-Jährige zu, dass die Rückwärtsbewegung hingegen nicht gerade zu seinen Stärken gehöre, findet das in gewisser Weise aber auch legitim: „Wenn ich 40 Meter nach hinten sprinte, fehlt mir dann vorne die Luft.“

Mit welchem Fuß Milan Meyer die Buden macht, ist ihm fast egal, sein Abschluss ist mit links wie mit rechts gut. Mit dem Kopf hingegen hapert es, nur zwei seiner 35 Treffer hat er mit ihm erzielt. „Dafür sind andere da. Ich werde auch nicht hoch angespielt, sondern lauere eher auf den zweiten Ball“, sagt der Stürmer. Dass seine Kopfballschwäche mit der Brille zusammenhänge, verneint der junge Mann, der froh darüber ist, dass sich sein Vater Bernd, der vielen vom Vegesacker Wochenmarkt in seinem Fischwagen vor Augen sein dürfte, die Spiele anschaut. Denn Bernd Meyer hätte es damals lieber gesehen, wenn sein Sohn sich für Motocross entschieden hätte. Milan Meyer: „Er hat es mir verziehen.“ Die Sportbrille störe ihn also nicht, erklärt Milan Meyer. Gewissermaßen ist sie zu seinem Markenzeichen geworden. Fußballer mit Brille haben im Erwachsenenbereich schließlich Seltenheitswert. „Ich kenne das aus der Kindheit so und habe auch keinen Bedarf, sie gegen Kontaktlinsen einzutauschen“, beschreibt Milan Meyer, der gerne in der Soccerworld kickt oder im „Focus“ am Vegesacker Bahnhof eine Pfeife raucht und Karten spielt, seine Sicht der Dinge.

Genauso wie an der Brille hält Milan Meyer auch am SV Türkspor fest und wird für ihn in der Spielzeit 2019/20 weiterhin auf Torejagd gehen. Ein offizielles Saisonziel gibt es zum jetzigen Zeitpunkt bei den Blumenthalern zwar noch nicht, doch Milan Meyer hält mit seiner ambitionierten Einschätzung nicht hinterm Berg: „Ich möchte unter die ersten fünf, sechs. Vielleicht geht auch noch mehr.“ Mehr ging hingegen vor ein paar Jahren beim Blumenthaler SV für Milan Meyer und seine Kumpels nicht. „Die wollten uns nicht haben, deshalb sind wir alle weggegangen“, blickt er zurück. Eine Vermutung liefert er aber mit: „Wir waren Chaoten. Man war ja jung.“

Wohin und in welche Liga es für Milan Meyer noch einmal gehen könnte, darüber macht sich der Torjäger keinen großen Kopf: „Da wo ich bin, will ich gut spielen.“ Er glaubt aber schon, dass für ihn noch einiges möglich ist, „höher spielen ist immer schön.“ Ob höherklassig oder nicht. Milan Meyer weiß längst, dass er bei der Frage nach Motocross oder Fußball als Kind ein gutes Gespür hatte: „Es war die richtige Entscheidung.“

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