Übernahme von Wohungen in Lüssum

Gewoba tritt ein schweres Erbe an

Die Bremer Gewoba hat nach dem Kauf von 224 Lüssumer Wohnungen mit ersten Verbesserungen im Umfeld der Blocks begonnen. In den nächsten Jahren soll viel Geld in den Gebäudebestand gesteckt werden.
24.02.2020, 06:00
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Gewoba tritt ein schweres Erbe an
Von Jürgen Theiner
Gewoba tritt ein schweres Erbe an

Bis zu zehn Millionen Euro möchte die Gewoba in die 224 erworbenen Wohnungen investieren.

Christian Kosak

Esri Günays Entschluss stand eigentlich fest. „Wir wollten wegziehen“, sagt die Blumenthalerin. Weg von der Lüssumer Heide, raus aus einem Mehrfamilienhaus, das in den vergangenen Jahren unter dem Vermieter Vonovia sichtlich heruntergekommen war. Nun haben die Günays ihre Meinung geändert. Ein Eigentümerwechsel hat diesen Sinneswandel bewirkt.

Zum 1. Januar übernahm die überwiegend stadteigene Immobiliengesellschaft Gewoba den Wohnblock der Günays und mehrere andere Gebäude in der Nachbarschaft, insgesamt 224 Einheiten. Zu diesem Zeitpunkt standen nicht weniger als 60 davon leer. Erstaunlich angesichts des Wohnungsmangels in Bremen, selbst wenn man berücksichtigt, dass die Lüssumer Heide nicht gerade zu den begehrtesten Lagen gehört. Der Grund für die schwache Auslastung dürfte in erster Linie im beklagenswerten Zustand der Immobilien zu suchen sein.

Schimmel und übler Geruch

Gewoba-Kundendienstleiter Michael Borau schließt eine der verwaisten Wohnungen auf. Kein schöner Anblick, wahrlich nicht. Alles wirkt sehr abgerockt, den schlimmsten Eindruck hinterlässt das Badezimmer – Keramik und Armaturen sind völlig verdreckt, Schimmel allenthalben, der üble Geruch verschlägt einem schier den Atem. Natürlich hat der Zustand einer Wohnung stets auch etwas mit dem Mieter zu tun. Doch in dieser erkennt man auf den ersten Blick, dass es viele Jahre her sein muss, dass sie mal von einem Maler oder Installateur betreten wurde. Die Elektrik stammt aus den Siebzigerjahren, die Heizkörper verfügen noch nicht einmal über Thermostatventile. Beim Rundgang durch das Treppenhaus weist Borau zudem auf Sicherheitsmängel hin: Die Rauchabzugsanlagen waren zum Teil nicht angeschlossen oder aus anderen Gründen nicht funktionstüchtig.

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Viel zu tun also für den neuen Eigentümer. Vor allem im Umfeld der Wohnblocks hat die Gewoba bereits losgelegt. Die Vorgartenbereiche waren ziemlich zugewuchert, wodurch nur noch wenig Licht in einige untere Etagen drang. Gärtner schnitten das Grün vernünftig zurück. Auch mit der Vermüllung der Siedlung ist jetzt Schluss. Täglich macht eine private Entsorgungsfirma klar Schiff rund um die Blocks. „Das ist leider auch deshalb nötig, weil wir hier mit Mülltourismus zu kämpfen haben“, wie von Gewoba-Prokurist Manfred Corbach zu erfahren ist. Des Nachts kommt es immer wieder vor, dass Autofahrer in der Lüssumer Heide Säcke mit Unrat aus dem Fahrzeugfenster werfen. Corbach hofft, in Zusammenarbeit mit der Polizei mal so jemanden am Kanthaken zu kriegen. In anderen Gewoba-Quartieren sei das schon gelungen.

Viele positive Kleinigkeiten

Zu den ersten grundlegenden Verbesserungen gehörte auch die Installation von Dauerlicht in den fensterlosen Treppenhäusern. Mehr Licht, Grünschnitt, Aufräumen im Umfeld – das mögen, für sich genommen, Kleinigkeiten sein, doch in der Summe machen sie sich positiv bemerkbar. Viele Bewohner der Lüssumer Heide haben den Eindruck: Hier tut sich was, endlich. „Wir merken das an dem Echo“, sagt Manfred Corbach. „Die Leute sprechen unsere Mitarbeiter an und sagen: Sie rufen ja tatsächlich zurück! Sie sind ja tatsächlich da, wenn eine Mietersprechstunde angesetzt ist!“

Die größeren Investitionen werden derzeit von der Planungsabteilung der Gewoba vorbereitet. Zwischen acht und zehn Millionen Euro, so schätzt Corbach überschlägig, werden in den nächsten fünf bis acht Jahren in den Gebäudebestand zu stecken sein, damit er für potenzielle Neumieter attraktiv wird. Handlungsbedarf besteht zum Beispiel im Bereich der Fassaden. Sie stammen aus den Sechzigerjahren, als Wärmedämmung noch ein Fremdwort war. Dächer und Fenster sind ebenfalls ein Sanierungsfall. Mittelfristig soll auch der Spielplatz so gestaltet werden, dass er von den vielen Kindern in der Lüssumer Heide gern angenommen wird.

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Der neue Eigentümer will es nicht bei baulichen Maßnahmen belassen. Ein neuer Hauswart wurde bereits eingestellt, auch ein Sozialarbeiter bezieht in Kürze ein kleines Büro in einem der Blocks, er fungiert als Außenstelle des „Haus der Zukunft“, dem Zentrum der Quartiersarbeit in Lüssum. „So etwas zahlt sich aus. Man erfährt dadurch von Problemen im Mieterbereich und kann entsprechend reagieren“, weiß der Gewoba-Prokurist.

Hohe Nachfrage von kinderreichen Zuwandererfamilien

Unterdessen hat der neue Eigentümer auch mit der Renovierung erster Wohneinheiten begonnen. Als Beispiel führt Michael Borau eine größere Vier-Zimmer-Wohnung vor. Solche Einheiten werden derzeit insbesondere von kinderreichen Zuwandererfamilien stark nachgefragt. Erster Eindruck: Die Gewoba hat in das Objekt kein Vermögen investiert, aber das Badezimmer sieht wieder anständig aus, und durch die Malerarbeiten wirkt die Wohnung hell und freundlich.

Wieso hat die Vonovia nicht einmal solche Standardmodernisierungen auf die Reihe gekriegt, wieso hat sie die Zügel schleifen lassen? Hat sie nicht, entgegnet Sprecherin Panagiota-Johanna Alexiou. Grundsätzlich gelte: „Wir gehen als Vermieter unserer Instandhaltungspflicht nach und führen entsprechende Maßnahmen regelmäßig durch.“ In den vergangenen drei Jahren seien 584.000 Euro in den Bestand investiert worden.

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