Nach dem Pokalaus des BSV

„Es hallt schon ordentlich nach“

Bo Weishaupt (25) kehrte im Sommer zurück zum Blumenthaler SV, den er 2017 Dort war er zwei Jahre für den Oberligisten Eintracht Rheine aufgelaufen.
24.08.2020, 16:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Stefan Freye
„Es hallt schon ordentlich nach“

Auch der sehr auffällige Akteur des Blumenthaler SV, Bo Weishaupt (links, neben Kilian Lammers), konnte die hauchdünne Pokal-Niederlage im Endspiel gegen den Favoriten FC Oberneuland nicht verhindern.

Frank Thomas Koch
Bo Weishaupt, das Lotto-Pokal-Finale gegen den FC Oberneuland ist nun drei Tage alt. Hat sich die Enttäuschung über die knappe 4:5-Niederlage nach Elfmeterschießen bereits gelegt?

Bo Weishaupt: Es braucht etwas länger, um das zu verdauen, es hallt schon ordentlich nach. Es ist bei mir ja auch das dritte Mal, das ich dieses Finale verliere. Das braucht ein paar Tage. Dann gibt‘s ja auch noch das ganze Videomaterial vom Spiel, und in den Medien ist der Sieg des FC Oberneuland auch noch sehr präsent. Da ist es schon schwierig, zumal wir im Elfmeterschießen verloren haben. Eine haushohe Niederlage wäre sicher leichter zu verdauen. Aber so habe ich keinen Klassenunterschied erkannt.

Tatsächlich verlief das Spiel sehr eng, deshalb musste ja das Elfmeterschießen entscheiden. Haben Sie - vielleicht nach dem Studium des Videomaterials – eine Erklärung, warum es am Ende vom Punkt dann doch nicht gereicht hat?

Nein. Das Elfmeterschießen ist schon eine ganz eigene Sache. Es ist letztlich abhängig von der Tagesform, und natürlich gehört auch etwas Glück dazu.

Nun gibt es aber schon einige Beobachter, die die Blumenthaler Elfmeter bestenfalls als mäßig bezeichnen würden. Ist das am Ende vielleicht eine Qualitätsfrage?

Das ist auf gar keinen Fall eine Qualitätsfrage. Ich spiele seit Jahren mit Dominik Willkomm und Malte Tietze zusammen und habe noch nie gesehen, dass sie einen Elfmeter verschossen haben. Deshalb ist es ja doppelt bitter, dass es gerade am Sonnabend nicht geklappt hat.

Zuvor, nämlich in der zweiten Halbzeit, war ihr Team nicht mehr so mutig wie zum Ende des ersten Durchgangs aufgetreten. War das im Nachhinein womöglich ein Fehler?

Nein. Es war dem Ergebnis geschuldet. Wenn man hinten liegt, tritt man anders auf. Es war sicher nicht auch verkehrt, gegen einen klassenhöheren Gegner ins Elfmeterschießen zu gehen.

Das heißt, der Blumenthaler SV hat nach der Pause auf das Elfmeterschießen gespielt?

So direkt würde ich das nicht sagen. Wir hätten auch gern ein Tor gemacht. Aber man ist defensiver eingestellt, weil man weiß: Bekommen wir noch ein Gegentor, kommen wir vielleicht nicht mehr so leicht zurück. Mit dem Elfmeterschießen haben wir uns dann ja auch eine gute Chance auf den Titel verschafft.

Und trotz der Niederlage insgesamt mit einer starken Leistung für eine positive Überraschung gesorgt. Sind Sie nicht auch ein bisschen stolz, oder wird Ihre Gefühlswelt von der Frustration beherrscht?

Nee, wir Blumenthaler können natürlich auch stolz sein auf die Leistung. Wir sind ja eine komplett neue Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Da haben einige ihr Herz auf dem Platz gelassen.

Der Treffer zum 0:2-Rückstand nach einer halben Stunde hatte offenbar auch keinen großen Eindruck auf Sie hinterlassen, denn Sie haben ja fast im Gegenzug zum 1:2-Anschluss getroffen.

Bei uns hing schon der ein oder andere Kopf. Aber ich hatte das Ding ja schon dreimal verloren und absolut keinen Bock auf eine weitere Niederlage. Und uns war aber auch klar: Wenn wir uns nicht wehren, kann das ausgehen wie in Borgfeld (dort hatte der FC Oberneuland im Halbfinale mit 7:0 gewonnen, Anm. der Red.).

Sie haben nicht nur einen Treffer erzielt, sondern auch das 2:2 durch Hakan Yavuz mit einer sehenswerten Flanke ums Standbein herum vorbereitet. Zudem sorgten Sie in der zweiten Halbzeit mit einem spektakulären Trick für einigen Beifall. Damit dürften Sie als Blumenthaler Mann des Tages gelten. Waren Sie angesichts der vielen Kameras besonders motiviert?

Natürlich war ich besonders motiviert. So eine Liveübertragung ist etwas Anderes, als die üblichen Bilder von Sporttotal. Eine ganz andere Ebene. Für mich persönlich ist das Spiel gut verlaufen. Aber ich hätte lieber ein Eigentor erzielt und dann gewonnen.

Was bedeutet dieses Pokalfinale gegen den FCO nun für die bald startende Saison in der Bremen-Liga?

Es ist auf jeden Fall eine gute Motivation. So ein Finale ist das Highlight im Bremer Amateur-Fußball. Gerade die jungen Spieler haben das jetzt mal erlebt. Nun haben wir eine Truppe zusammen, mit der man etwas aufbauen kann.

Zählt der Blumenthaler SV angesichts seiner Leistung im Pokal jetzt nicht auch zu den Titelkandidaten?

Da möchte ich den Ball flach halten. Wir sind eine talentierte Mannschaft, aber die Bremen-Liga ist breit aufgestellt. Das wird sich im Verlauf der Saison zeigen – Meister wird, wer konstant seine Leistung abruft. Für eine junge Mannschaft, wie uns ist das manchmal einfach sehr schwierig.

Das Gespräch führte Stefan Freye

Info

Zur Person

Bo Weishaupt (25)

kehrte im Sommer zurück zum Blumenthaler SV, den er 2017 studienbedingt in Richtung Nordrhein-Westfalen verlassen hatte. Dort war er zwei Jahre für den Oberligisten Eintracht Rheine aufgelaufen und zuletzt für Burgsteinfurt in der Bezirksliga angetreten.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+