Lotto-Pokal

Jascha Tiemann pariert drei Elfer

Vier Tage nach dem 1:0-Sieg im Ligaspiel hat der Blumenthaler SV sich auch im Pokalwettbewerb gegen den Bremer SV behauptet. Beim 3:1 (1:1) ging das Team vom Panzenberg im Elfmeterschießen gänzlich leer aus.
21.08.2019, 15:29
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Von Jens Pillnick
Jascha Tiemann pariert drei Elfer

Jascha „Unbezwingbar“ Tiemann. Der Schlussmann des Blumenthaler SV wehrte im Elfmeterschießen der Lotto-Pokal-Partie gegen den Bremen-Liga-Klassengefährten Bremer SV drei Strafstöße ab und ebnete den Nordbremern damit den Weg in die dritte Runde. Nach den beiden Erfolgen gegen den Bremer SV im Ligabetrieb und Pokal-Wettbewerb geht es am Sonnabend bereits mit dem Topspiel gegen den FC Oberneuland weiter.

Fotos: Kosak

Blumenthal. Jascha Tiemann wurde fast erdrückt. Dann wurde er mit vereinten Kräften ihn die Höhe geworfen. Wieder am Boden nahm er ein minutenlanges Bad in einer Traube aus Mitspielern und Verantwortlichen des Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV. „Er hat den Ruhm und das Feiern verdient“, erklärte Trainer Denis Spitzer, nachdem er sich, sichtlich erschöpft von der nervenaufreibenden Tätigkeit an der Seitenlinie, aus der Spielertraube entfernt hatte. Der jubelnde und umjubelte Jascha Tiemann war der Held des Lotto-Pokal-Abends im Burgwallstadion gewesen: Im Elfmeterschießen gegen den mit 3:1 (1:1) besiegten Klassengefährten Bremer SV hatte der 20-Jährige Strafstöße gehalten und für das Happy End der Nordbremer gesorgt.

Für ein Happy End, auf das in der 79. Minute so rein gar nichts mehr hingedeutet hatte. Denn dem Blumenthaler SV war es bis dahin nicht gelungen, aus seinen Feldvorteilen Kapital zu schlagen. Vielmehr wurde er in dieser Minute für einen Fehler von Innenverteidiger Lars Janssen bestraft, der Gäste-Joker Jagmur Horata den Ball im Strafraum vor dem 0:1 auf dem Tablett servierte. Ein Schock. Denn bis dahin hatte der später im Blickpunkt stehende Jascha Tiemann nur einmal eingreifen und in der 35. Minute gegen Ali Ibrahimi den Rückstand verhindern müssen.

Elf Minuten plus Nachspielzeit blieben dem Blumenthaler SV also, um die Revanche des Bremer SV für die am Freitag erlittene 0:1-Niederlage im Ligaspiel an selbiger Stätte abzuwenden. Und der Blumenthaler SV bewies Nehmerqualitäten. Sebastian Kurkiewicz, der vier Minuten vor dem 0:1 eingewechselt worden war und sofort Bindung zum Spiel gefunden hatte, bediente Sturmführer Vinzenz van Koll mit einem Zuckerpass im Strafraum. Atsushi Waki brachte den Mannschaftskapitän zu Fall – Elfmeter für Blumenthal. Der erfahrene Kurkiewciz schnappte sich den Ball und versenkte ihn cool zum 1:1. Dass er im Gegensatz zum Punktspiel nicht in der Startelf gestanden hatte, ärgerte ihn offensichtlich nicht: „Ich bin ja nicht mehr der Jüngste und muss ständig spielen. Vielleicht war es ja besser so.“ Dass er für Aufwind gesorgt hatte, erfreute ihn natürlich. Und auch Denis Spitzer. Denn genau so hatte sein Plan ausgesehen. Er wollte mit einem nicht so aufwendig besetzten Mittelfeld Räume öffnen und später Qualität von der Bank bringen. „Ich hatte darauf gehofft, dass er dann das entscheidende Ding macht“, gewährte Spitzer Einblick in seine Gedankenspiele.

Entscheidend war das Tor zum 1:1-Ausgleich dann zwar nicht, doch es eröffnete dem Blumenthaler SV die Möglichkeit, über die Lotterie Elfmeterschießen in die 3. Runde einzuziehen. Ein Elfmeterschießen, das kurios verlaufen sollte. Insgesamt acht Schützen aus beiden Vereinen brachten den Ball im 7,32 Meter breiten und 2,44 Meter hohen Tor nur zweimal unter. Nachdem Kristian Franklin Lee-Him den ersten Elfer deutlich über den Balken gesetzt hatte, nagelte Blumenthals Keeper Jascha Tiemann seinen Arbeitsbereich förmlich zu. Nacheinander wehrte er Elfmeter von Sämi van den Berg, Jagmur Horata und Mathias Comes ab. Da aber auch Jan-Luca Warm und Malte Tietze mit den ersten beiden Blumenthaler Versuchen an Jasin Jashari scheiterten, blieb es zunächst spannend. Erlösend für die Nordbremer dann der erste Treffer durch Dominik Willkomm, dem Sebastian Kurkiewicz – neben Jascha Tiemann Matchwinner Nummer zwei – den Treffer zum 3:1-Endstand für den Blumenthaler SV nach Elfmeterschießen folgen ließ.

„So ein Sieg schweißt das Team zusammen“, wusste Jascha Tiemann, den sein Trainer Denis Spitzer bislang noch nicht so als Elfmetertöter wahrgenommen hatte. Doch Tiemann erinnerte sich an eine Großtat auf diesem Terrain: „Im Halbfinale vor zwei Jahren bei SFL Bremerhaven habe ich auch zwei Elfmeter gehalten.“ Damals bedeutete das den Einzug ins Finale, diesmal den in Runde drei. Aber ein nicht unbedeutender Schritt in diesem Pokaljahr könnte damit gemacht sein. Und dass der Pokal beim Blumenthaler SV traditionell eine große Rolle spielt, ließ auch Neuzugang Sebastian Kurkiewicz durchblicken: „Wenn wir ausgeschieden wären, hätten wir natürlich noch um eine gute Ligaplatzierung gespielt. Aber der Pokal ist für mich das Wichtigste.“

Das Weiterkommen sorgte natürlich dafür, dass beim Blumenthaler SV Friede, Freude, Eierkuchen herrschte. Aber Trainer Denis Spitzer ließ sich nicht blenden und fand auch kritische Worte: „Im Positionsspiel haben wir nicht das umgesetzt, was ich mir vorgestellt hatte.“ Das Aufbauspiel in der ersten Spielhälfte bezeichnet er überdies als Hin-und-her-Geschiebe. Die zweiten 45 Minuten hätten ihm dann besser gefallen, die letzte Zielstrebigkeit habe er aber vermisst.

Doch Schmerzen hatte Denis Spitzer im Gegensatz zu seinem Trainerkollegen Ralf Voigt nicht zu beklagen. „Eine Niederlage im Elfmeterschießen tut weh“, gestand der Trainer des Bremer SV ein und wunderte sich über die halbhoch getretenen Elfmeter seiner Spieler, vor denen er doch extra noch gewarnt hatte. Und er ärgerte sich darüber, dass es seiner Mannschaft nicht gelungen war, das spät gefallene 1:0 über die Zeit zu bringen. „Wir hätten einen Sieg gut gebrauchen können, aber man bekommt nichts geschenkt“, erklärte Voigt, der sich jetzt als Psychologe gefordert sieht: „Der Kopf muss wieder gerade sein.“

Während beim Bremer SV also psychologische Aufbauarbeit ansteht, geht der Blumenthaler SV gestärkt mit Erfolgen im Punktspiel und im Pokal gegen den amtierenden Bremer Meister in das nächste Topspiel. Das steigt am Sonnabend um 15 Uhr gegen den FC Oberneuland – und der ist schließlich Bremen-Liga-Topfavorit und amtierender Lotto-Pokal-Sieger.

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