Regionalwettbwerb „Jugend forscht“

Aerosolen auf der Spur

Zwei Farger Schülerinnen gehören zu den Siegern des Regionalwettbewerbs „Jugend forscht“. Sie haben mithilfe einer selbst gebauten Testbox die Konzentration von Aerosolen bei Aktivitäten ermittelt.
08.03.2021, 06:45
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Von Ulrike Schumacher
Aerosolen auf der Spur

Die 14-jährigen Leonie Zimmermann und Fabienne Celine Schaffrath mit ihrer selbst gebauten Testbox aus dem Projekt: "Die Schöne ist ein Biest".

CARMEN JASPERSEN

Farge. Tüfteln, messen, Dingen auf den Grund gehen – dafür brennen zwei Schülerinnen schon seit Jahren. Jetzt bescherte der Forscherdrang Leonie Zimmermann und Fabienne Celine Schaffrath einen von insgesamt acht ersten Plätzen im Regionalwettbewerb „Jugend forscht“. Mit ihrem Projekt „Das Schöne ist ein Biest“ dürfen die beiden 14-Jährigen aus Farge am Landeswettbewerb „Jugend forscht“ teilnehmen, der am 18. und 19. März ausgetragen wird. Die beiden Schülerinnen der Oberschule an der Egge könnten sich in gut zwei Wochen somit auch für den Bundeswettbewerb qualifizieren.

Das Virus – seit einem guten Jahr beschäftigt es die Menschen weltweit, macht den jungen Frauen Angst und wirft Fragen auf. Um das Thema Corona seien sie nicht herumgekommen, berichten Leonie und Fabienne, die mithilfe einer selbst gebauten Testbox die unterschiedliche Konzentration von Aerosolen bei verschiedenen Aktivitäten ermittelt haben. „Seit der vierten Klasse nehmen wir regelmäßig am Wettbewerb ,Jugend forscht‘ teil“, erzählen sie. Eine Forscher-AG an der Grundschule hatte bei ihnen die Lust geweckt. Unterstützt wurden sie bei ihren Projekten – auch diesmal – von den Betreuern Wolfgang Hachmeister und dessen Sohn Frederik Hachmeister. Die beiden Männer gehören dem Farger Forscherteam an, das tüftelfreudigen Mädchen und Jungen auch außerhalb der Schule ermöglicht, an ihren Projekten zu arbeiten.

Es begann im Baumarkt

Für Leonie Zimmermann und Fabienne Celine Schaffrath begann die Testreihe mit einem Gang in den damals noch geöffneten Baumarkt. Sie brauchten Holzfaserplatten, um eine 0,5 Kubikmeter große Box zu bauen. In die gut verschlossene Kiste haben sie mehrere Öffnungen geschnitten: „Eine zum direkten Hineinatmen mit verschiedenen Masken und in unterschiedlicher Stärke, eine Öffnung für das Mundstück einer Blockflöte und eine Öffnung für eine Trompete“, erklärt Leonie Zimmermann. Hinzu kamen weitere Öffnungen für sogenannte Datenlogger, um die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur zu messen sowie eine Öffnung im Deckel für das CO2-Messgerät. Dann konnten die jeweils zehnminütigen Messvorgänge beginnen. Fabienne ließ Flötentöne in die Box fließen, Frederik Hachmeister griff zu seiner Trompete, Leonie Zimmermann atmete durch eine Öffnung, wobei diese abwechselnd mit einer FFP2-Maske, mit einer OP-Maske und einer Stoffmaske abgedeckt war. Auch einen Atemvorgang ohne Maske sah der Test vor sowie eine sehr kräftige Atmung. Eine Kamera filmte während der Messverläufe die jeweiligen CO2-Werte.

„Die Testergebnisse haben uns überrascht“, blickt Fabienne Schaffrath zurück. „Zum Beispiel, dass die relative Luftfeuchtigkeit mit der OP-Maske am geringsten war und nicht, wie vermutet, mit der FFP2-Maske, die wegen des hohen Selbstschutzes aber trotzdem die bessere Wahl ist.“ Ohne Maske – das war ihnen klar – wurde die maximale relative Luftfeuchte und somit der Anteil an Aerosolen gemessen. Überrascht hatte die Schülerinnen aber auch, dass beim Trompeten ein sehr niedriger Wert an Luftfeuchte entstand. „Weil das Kondenswasser im Instrument bleibt.“ Und das Blockflötespielen habe sich „wie freies Atmen“ ausgewirkt. Dass Stoßlüften in Räumen immens wichtig ist, habe ihr Test ebenfalls gezeigt. „Man muss die Fenster schon aufreißen und nicht nur auf Kipp stellen“, sagt Wolfgang Hachmeister, der im Arbeitsschutz tätig ist. Der Test habe auch gezeigt, fügt Leonie Zimmermann hinzu, dass man nicht allein den CO2-Wert im Blick haben sollte. Entscheidend sei die Luftfeuchte und der damit einhergehende Anteil der Aerosole. „Steigt er, steigt auch die Gefahr, sich zu infizieren.“ Das gelte auch an der frischen Luft.

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22 Projekte in Bremen-Nord

Zum 56. Mal wurde Deutschlands bekanntester Nachwuchswettbewerb „Jugend forscht“ in diesem Jahr ausgetragen. Jungforscher präsentieren dabei ihre Experimente und kreativen Forschungsprojekte. Am Regionalwettbewerb für Bremen-Nord nahmen insgesamt 43 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter zwischen neun und 22 Jahren teil. Sie präsentierten in Gruppen oder als Einzelforscher 22 Projekte in den Kategorien Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik. Die Siegerinnen und Sieger der Regionalebene qualifizieren sich für die Landeswettbewerbe. Das Bundesfinale vom 27. bis 30. Mai bildet schließlich den Abschluss. Wie die vorherigen Wettbewerbe wird auch dieser wahrscheinlich digital ausgerichtet.

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