Fall in Blumenthal: Polizei und Staatsanwaltschaft handeln routinemäßig / Marion P. will Anordnung nach Gewaltschutzgesetz erwirken Kaum Handhabe gegen psychisch kranken Mann

Blumenthal. Schon seit knapp zwei Jahren lebt Marion P. (Name geändert) in ständiger Angst vor ihrem Nachbarn. Er bedroht und terrorisiert sie, die Blumenthalerin ist verzweifelt, weil sie keine Hilfe bekommt (wir berichteten). Nach eigenen Angaben haben Polizei und Staatsanwaltschaft aber ordnungsgemäß gehandelt. Derzeit gebe es keine Handhabe gegen den Mann, weil keine Anzeige vorliege.
10.07.2013, 05:00
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Kaum Handhabe gegen psychisch kranken Mann
Von Julia Ladebeck

Blumenthal. Schon seit knapp zwei Jahren lebt Marion P. (Name geändert) in ständiger Angst vor ihrem Nachbarn. Er bedroht und terrorisiert sie, die Blumenthalerin ist verzweifelt, weil sie keine Hilfe bekommt (wir berichteten). Nach eigenen Angaben haben Polizei und Staatsanwaltschaft aber ordnungsgemäß gehandelt. Derzeit gebe es keine Handhabe gegen den Mann, weil keine Anzeige vorliege.

Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich nicht um einen klassischen Stalking-Fall, die Attacken des Täters richteten sich nicht allein gegen Marion P., zudem sei der Täter psychisch krank. Aus diesem Grund, so Polizeisprecher Gundmar Köster, sei die Stalking-Beauftragte nicht eingeschaltet worden. Claudia Kück, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bremen, rät, in solchen Fällen bei Gericht eine Anordnung nach dem Gewaltschutzgesetz zu erwirken. "Es könnte beispielsweise erlassen werden, dass der Mann keinen Kontakt mehr aufnehmen darf. Ein Verstoß wäre dann automatisch eine Straftat, die Polizei könnte sofort handeln."

Gehandelt hat die Polizei nach Angaben von Köster aber schon. So seien acht Anzeigen gegen den Mann geschrieben worden, der amtsbekannt sei und als psychisch krank eingestuft werde. Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann für Straftaten, die er nicht im Zusammenhang mit Marion P. begangen hat, bestraft worden. Köster betont: "Die Polizei ist definitiv nicht untätig gewesen." Unter anderem sei Marion P. von einer Kriminalbeamtin beraten worden, außerdem seien Polizeiberichte an den Sozialpsychiatrischen Dienst im Behandlungszentrum Nord gegangen. Dieser ist für Maßnahmen nach dem Psychisch-Kranken-Gesetz zuständig – beispielsweise kann dort im Falle einer akuten Selbst- oder Fremdgefährdung eine Zwangsunterbringung veranlasst werden.

Köster hat Verständnis für die Situation von Marion P.: "Das ist ganz bestimmt belastend, aber wir können nicht mehr tun, als in akuten Gefährdungslagen einzugreifen und Anstöße zu geben, indem wir Berichte schreiben." Marion P. solle in jedem Fall auch künftig sofort die Polizei rufen.

Die Staatsanwaltschaft hat die vorliegenden Anzeigen gegen Marion P.s Nachbarn laut Kück verfolgt und somit ebenfalls routinemäßig gearbeitet. "Mit Marion P. wurde abgesprochen, dass die von ihr gestellten Strafanzeigen in Hinblick auf schwerwiegendere Taten des Mannes nicht weiter verfolgt werden. Für diese Taten wurde der Mann bestraft." Laut einer Freundin von Marion P., die ebenfalls anonym bleiben möchte, ist momentan Ruhe in dem Haus eingekehrt. Marion P. hoffe, dass das so bleibt. "Sie will trotzdem eine Anordnung bei Gericht erwirken."

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