Streit vor Gericht: Blumenthaler wehrt sich gegen Forderungen eines Reiseanbieters Kreuzfahrt weder gebucht noch storniert

Blumenthal. Nein, sagt Jürgen S., er habe die Reise weder gebucht und demzufolge auch nicht storniert. Der Reiseanbieter Tour Vital Touristik aus Köln sieht das anders und pocht auf Zahlung von rund 1530 Euro: Stornokosten für eine nicht angetretene Kreuzfahrt. Gestern saßen sich die beiden Parteien im Amtsgericht Blumenthal gegenüber.
15.06.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Christina Denker

Blumenthal. Nein, sagt Jürgen S., er habe die Reise weder gebucht und demzufolge auch nicht storniert. Der Reiseanbieter Tour Vital Touristik aus Köln sieht das anders und pocht auf Zahlung von rund 1530 Euro: Stornokosten für eine nicht angetretene Kreuzfahrt. Gestern saßen sich die beiden Parteien im Amtsgericht Blumenthal gegenüber.

Das Unternehmen behauptet, dass der Beklagte vor rund drei Jahren telefonisch eine Kreuzfahrt bei ihm gebucht und diese später – ebenfalls telefonisch – storniert habe. Deswegen müsse Jürgen S. nun 60 Prozent der Reisekosten tragen. Als Grund soll der Beklagte angegeben haben, die Kreuzfahrt nicht mehr antreten zu können, weil er seine Arbeit verloren habe.

Vorwürfe, die Jürgen S. vehement bestreitet. "Ich habe weder etwas gebucht noch storniert", sagte er vor Richter Jens Florstedt aus. Arbeitslos sei er im fraglichen Zeitraum auch nicht gewesen. Wie Tour Vital Touristik an seine Adresse und an seine Handynummer geraten sei, könne er sich nicht erklären. Er kenne auch niemanden, der ihm übel mitspielen wolle und unter seinem Namen eine Reise buche, sagte Jürgen S. auf Nachfrage. Vielmehr könne es sich hier doch auch um einen Fall von Datenklau handeln, erhob nun der Anwalt des Beschuldigten seinerseits Vorwürfe gegen den Reiseanbieter. Datenklau, also Adressenhandel, um mit der Forderung von fiktiven Stornokosten Gewinne zu machen.

Der Richter vertrat die Meinung, dass Jürgen S. im Fall einer vermeintlichen Stornierung doch sicher seine Reiserücktrittsversicherung geltend gemacht hätte, die auch bei Arbeitslosigkeit greife. "Vor diesem Hintergrund", wandte er sich an den Anwalt des Reiseanbieters, "finde ich Ihre Argumente noch weniger überzeugend".

Nun war Antje H. an der Reihe, die die Stornierung der Kreuzfahrt durch Jürgen S. telefonisch aufgenommen haben will. Zunächst erkundigten sich Richter und Anwalt des Beschuldigten bei Antje H. detailliert nach den Betriebsabläufen in ihrer Firma. Heraus kam dabei, dass die Vertragsnummer bei der telefonischen Stornierung einer Reise nicht zwingend genannt werden müsse – prinzipiell hätte also jeder dort anrufen können.

Doch von einer versehentlichen Buchung wollte Antje H. nichts wissen. Im Gegenteil: Sie selbst habe sich während des Telefonats mit S., in dem es um die Stornierung gegangen sei, noch Notizen gemacht.

Bei der gestrigen Verhandlung wendete sich das Blatt endgültig zugunsten des Beklagten, als Antje H. vom Richter noch einmal zu Betriebsabläufen befragt wurde. Ans Tageslicht kam, dass Stornierungen schriftlich formuliert werden müssen, ein Telefonat also nicht reiche. Ein solches Schreiben kann der Reiseanbieter allerdings nicht vorlegen. In seiner abschließenden Beurteilung erläuterte der Richter, dass zwar einiges dafür spreche, dass der Beklagte die Reise gebucht und storniert habe – andererseits: "Wer dabei auf eine Unterschrift verzichtet, hat das Nachsehen und kann den Vertragsabschluss nicht beweisen". Richter Florstedt stellte in Aussicht, dass die Klage abgewiesen wird. Das Urteil ist in rund drei Wochen zu erwarten.

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