Ein Friedhof für Tiere in Lüssum-Bockhorn Letzte Ruhestätte für Vierbeiner

An der Turnerstraße in Lüssum-Bockhorn entstand im Jahr 2000 der erste Tierfriedhof Bremens. Seither haben dort etwa 2500 Tiere ihre letzte Ruhe gefunden. Vor allem Hunde und Katze werden hier beigesetzt.
01.05.2019, 18:55
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Letzte Ruhestätte für Vierbeiner
Von Julia Ladebeck

Zahlreiche Hunde und Katzen, aber auch Hamster, Kaninchen, ein Chinchilla und ein Papagei: Etwa 2500 Tiere haben seit der Eröffnung des Tierfriedhofs an der Turnerstraße im Jahr 2000 ihre letzte Ruhe auf dem idyllischen Gelände in Lüssum-Bockhorn gefunden. Die Gräber liegen auf einem etwa 6000 Quadratmeter großen Areal unter hohen Bäumen und Rhododendronbüschen. Viele Tierbesitzer bevorzugen es, ihre verstorbenen Vierbeiner oder Vögel anonym beizusetzen. Andere Grabstellen sind mit einem Granitstein samt Name, Kerzen, Fotos und Blumen geschmückt.

Als Adri Mauritz den Tierfriedhof vor nicht ganz 19 Jahren in Bremen-Nord eröffnete, war es weit und breit das einzige Angebot dieser Art für Tierbesitzer. „In ganz Deutschland gab es nur eine Handvoll Tierfriedhöfe und ein einziges Krematorium in München, das Tiere eingeäschert hat“, erzählt der 51-Jährige. Kurze Zeit später richtete dann auch der Bremer Tierschutzverein einen Tierfriedhof an der Hemmstraße ein.

Lesen Sie auch

Die Idee, eine Ruhestätte für Haustiere zu schaffen, hatte der gelernte Tischlermeister bereits in den 1990er-Jahren. „Ich hatte selbst immer Tiere und musste erleben, wie mein verstorbener Hund von einem Abdecker abgeholt wurde“, erzählt Mauritz. Diese Situation war Auslöser für seine Überlegung, einen Ort zu schaffen, an dem Tiere mit Würde bestattet werden können. Er erinnert sich mit Grauen an die Szene: „Der Körper wurde in hohem Bogen auf einen Pritschenwagen geworfen. Ich fand das nicht verhältnismäßig.“ Als er einen Radiobeitrag über das Einäschern von Tieren hörte, fasste er den Entschluss, selbst einen Tierfriedhof zu eröffnen.

Bis er sein Vorhaben in die Tat umsetzen konnte, vergingen allerdings mehrere Jahre. „Zunächst musste das Tierkörperbeseitigungsgesetz geändert werden“, sagt er. In Bremen ist es verboten, Tiere im Garten zu vergraben. „Das gilt sogar für Kanarienvögel“, so Mauritz. Wer gegen das Verbot verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Hintergrund ist der Grundwasserschutz. Für die Tierfriedhöfe gilt eine Ausnahme. Tote Tiere gelten in Bremen als Sondermüll. „In der Regel werden die Tierkörper industriell verwertet. Die Vorstellung eines so würdelosen Endes ohne Gewissheit über den letzten Verbleib ist für viele Menschen schrecklich. Sie möchten, dass ihr Tier, das viele Jahre mit ihnen gelebt hat, auch nach seinem Tod anständig behandelt wird.“

Sich mit Anstand verabschieden

Besonders in den Anfangsjahren sei er mit seiner Idee oft auf Unverständnis gestoßen, erzählt der 51-Jährige. Sogar Tierärzte, die er damals besuchte, um sein Vorhaben bekannt zu machen, reagierten mit Ablehnung. „Einer hat mir gesagt: Schade um die Rohstoffe.“ Auch heute gebe es noch viele Menschen, die einen Tierfriedhof für übertrieben halten, ist seine Erfahrung. Insgesamt habe sich die Einstellung aber geändert. „Wer die zum Teil rührenden Texte auf den Grabsteinen liest, der wird mehr Verständnis für den Wunsch der Tierbesitzer haben, die sich mit Anstand von ihren vierbeinigen Freunden verabschieden wollen“, meint Adri Mauritz.

Tatsächlich zeugen die liebevoll gestalteten Grabstellen von Stupsi, Baghira, Minka, Miezi und Tasso von den innigen Beziehungen der Besitzer zu ihren Tieren. Einige Abschiede, die der 51-Jährige miterlebt und begleitet hat, waren für die Herrchen beziehungsweise Frauchen besonders schmerzvoll. „Die Beziehung zwischen einem Blindenhund und seinem Besitzer ist beispielsweise besonders intensiv“, sagt er. Das gilt auch für einen Polizeihund, der über lange Jahre nicht nur Freund, sondern auch Kollege im Dienstalltag seines Herrchens war.

Lesen Sie auch

Wer seine Tier in Lüssum-Bockhorn beerdigen möchte, hat die Wahl zwischen einer anonymen Grabstelle und einem Grab inklusive Einfassung und Gedenkstein. Die Angebote unterscheiden sich auch preislich. Eine anonyme Grabstelle, auf der nach der Beisetzung des Tieres ein Rhododendron gepflanzt wird, kostet bei einer Mindestpachtzeit von drei Jahren acht Euro im Monat. Eine Grabstelle samt Holzeinfassung und Granitstein, in den der Name des Tieres eingraviert wird, kostet bei einer Mindestpachtzeit von ebenfalls drei Jahren zwölf Euro pro Monat. Auf Wunsch holt Adri Mauritz das verstorbene Tier beim Tierarzt oder beim Besitzer zu Hause ab. Beigesetzt werden die Tiere in der Regel in einem Leinen- oder Baumwolltuch. „Das kann auch die Lieblingsdecke sein. Wichtig ist nur, dass sie aus Naturfaser ist.“

Das gusseiserne Tor des Tierfriedhofs ist stets verschlossen. Jeder Grabpächter bekommt einen Schlüssel. Einige Tierbesitzer kommen regelmäßig her und pflegen das Grab, erzählt Mauritz, andere kommen nur zur Beerdigung und dann nie wieder. „Die ältesten Grabstellen existieren bereits seit 19 Jahren und wir haben sogar Tiere hier beerdigt, deren Besitzer aus Bayern kamen. Das Tier ist plötzlich gestorben, als die Familie im Urlaub in Norddeutschland war.“

Vom verwilderten Areal zur Parkanlage

Beim Rundgang über das Gelände grüßt Adri Mauritz eine Besucherin, die gekommen ist, um eine Kerze auf das Grab ihres Haustiers zu stellen. Im Laufe der Jahre hat er das ursprünglich völlig verwilderte Areal in eine parkähnliche Landschaft verwandelt. Ein Weg führt vom Tor auf einen kleinen Teich zu. An mehreren Stellen stehen Bänke und es gibt Zapfstellen, an denen die Besucher Wasser abfüllen können. Mehrere Skulpturen eines Kettensägenkünstlers, darunter ein riesiges Vogelhaus in Form einer Kirche, stehen zwischen hohen Kiefern, Eichen und Birken, die das Gelände beschatten.

Wer sein Tier lieber einäschern lassen möchte, kann die Asche auch unter einem der Bäume verstreuen. Oder die Besitzer können sie in einer Urne mit nach Hause nehmen. Wichtig ist Adri Mauritz die persönliche Betreuung der Tierbesitzer, die einen Freund verloren haben. Deshalb ist er auch sonntags und an Feiertagen erreichbar. „So eine Situation duldet schließlich keinen Aufschub.“

Weitere Informationen

Der Tierfriedhof Bremen, Turnerstraße 277, ist erreichbar unter der Telefonnummer 04 21 / 5 28 59 16.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+