Lotto-Pokal

Pokal-K.o. der ganz bitteren Art

Für den Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV war im Lotto-Pokal-Achtelfinale Endstation. Die Nordbremer unterlagen dem Klassengefährten FC Union 60 mit 2:3.
22.06.2021, 13:23
Lesedauer: 3 Min
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Von Jens Pillnick

Fassungslosigkeit im Lager des Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV. Zwei Tore in der Nachspielzeit sorgten dafür, dass der Vorjahresfinalist im Lotto-Pokal-Achtelfinale gegen den Klassengefährten FC Union 60 nach einer 2:1-Führung noch mit 2:3 verlor und ausschied. Direkt nach dem fünften Treffer im Burgwallstadion wurde abgepfiffen und die Party die Gäste startete im eingangsfernen Strafraum. Dort hatte Falk Marquard mit seinem sehenswerten Treffer für den Viertelfinaleinzug des FC Union 60 gesorgt, der nun am Donnerstag um 19.30 Uhr auf den FC Oberneuland trifft.

Während sich die Stadtbremer um ihren strahlenden Trainer Frank Dahlenberg in den Armen lagen und ihr spätes Glück kaum fassen konnten, verspürten die Spieler des geschlagenen Blumenthaler SV nur wenig Lust, sich im Mittelkreis zum Abschlussgespräch zu versammeln. Zu groß war die Enttäuschung, den nach dem 2:1-Führungstreffer von Kilian Lammers (79.) sicher geglaubten Erfolg noch aus den Händen gegeben zu haben. Wie die Spieler sich fühlten, das drückten auch die Worte von BSV-Trainer Steffen Dieckermann aus: "Es macht mich sprachlos, dass wir das Spiel innerhalb von drei Minuten aus der Hand gegeben haben. Die letzten Minuten müssen wir einfach cleverer herunterspielen." Dem Sieger zollte Dieckermann Respekt: "Wenn man bis zum Ende dran glaubt, dann hat man es auch verdient."

Nicht sprachlos, sondern überrascht zeigte sich Union-Trainer Frank Dahlenberg: "Nach dem 1:2 hatte ich gedacht, dass der BSV gefestigt genug ist, um als Sieger vom Platz zu gehen. Zum Schluss war es natürlich glücklich, aber das nehmen wir so mit." Dahlenberg verhehlte nicht seine Freude darüber, dass er mit der Einwechslung von Panagiotis Papadopoulos in der 87. Minute ein glückliches Händchen bewiesen hatte. Denn der Joker war nach einem von BSV-Keeper Mahmoud Hachem (Dieckermann: "Er hatte nicht gerade einen Sahnetag erwischt") abgewehrten Biermann-Schuss zur Stelle und staubte zum 2:2 (90. +1) ab. Als die meisten auf und neben dem Platz schon mit einem Elfmeterschießen rechneten, gelang ausgerechnet Falk Marquard der Lucky Punch (90. +3). Halb im Fallen beförderte er den Ball ins linke obere Eck. Ausgerechnet Abwehrchef Marquard, weil dem nach einer starken Leistung eine Minute vor der Halbzeit ein von Jan-Luca Warm und Kilian Lammers erzwungenes Eigentor unterlaufen war.

Ein Tor, das der BSV zwar nicht selbst erzielt hatte, das aber voll und ganz dem Verlauf der ersten 45 Minuten entsprach. Der dominant aufspielende BSV war läuferisch bestens aufgelegt und tat alles, um die massive Abwehr der nur mit 14 Spielern angereisten Gäste mit Spielverlagerungen auseinanderzureißen und mit Pressing in Umschaltaktionen zu kommen. Auch wenn der BSV um seinen unermüdlichen Anführer Malte Tietze so Druck aufbaute, fehlte unter dem Strich die absolute Gefahr in der Union-Box. Dass der FC Union 60 im ersten Abschnitt so wenig Entlastung zustande brachte, sei laut Dahlenberg keineswegs geplant gewesen.

Was der FC Union 60 aber auch spielerisch drauf hat, deutete er nach der Pause an. Da wurde immer wieder fein kombiniert und die eine oder andere Lücke im BSV-Mittelfeld hervorragend bespielt. Und nun hatten plötzlich auch die beiden BSV-Innenverteidiger Kevin Thiele und Ben Starke mehr als nur Routinearbeit zu verrichten. Ab der 55. Minute verlor der BSV sein sicheres Passspiel und ein Stück weit auch seine Ordnung und ließ sich auf einen geradezu wilden Schlagabtausch ein. Und bekam die Quittung. Eine Foul in zentraler Position bescherte Union eine hervorragende Freistoßposition, aus der Jakob Raub sehenswert zum 1:1 ausglich (69.). Der Treffer beruhigte das Spiel. Zumindest vorübergehend. Zehn Minuten später erreichte eine weite Hereingabe Kilian Lammers im 16er und er bewies, dass er nicht nur ein hervorragender Kopfballspieler ist. Von vier Spielern umzingelt, aber nicht bedrängt brachte er den Ball unter Kontrolle und erzielte per Flachschuss ins lange Eck das 2:1.

Der BSV hatte das Viertelfinale gegen den FC Oberneuland vor Augen. Dann wurden den Spielern, denen die Cleverness und Routine fehlte, um in den verbleibenden Minuten nichts mehr anbrennen zu lassen, die Augen geöffnet. Immer wieder brannte es lichterloh im BSV-Strafraum und weder Keeper Mahmoud Hachem, noch die anderen Defensivspieler waren in der Lage, den Brand zu löschen. Erst ging die Führung verloren (90. +1), dann der gebliebene Strohhalm Elfmeterschießen (90. +3). Der Abpfiff, der das Pokal-Aus bedeutete, bedeutete für die BSV-Spieler nach dem Pokal-Intermezzo aber nicht den direkten Gang in die Trainingspause bis zum Trainingsauftakt für die Spielzeit 2021/22. "Wir müssen das jetzt abschütteln, in drei Tagen ist das vergessen", will Steffen Dieckermann die Enttäuschung in der Gemeinschaft verarbeiten.

Zur Sache

Geschrumpftes Quintett

Von den fünf Mannschaften, die den Kreis Bremen-Nord bei der Fortsetzung des Lotto-Pokals in der zweiten Runde vertreten haben, ist nur noch Bremen-Ligist SG Aumund-Vegesack dabei. Die SAV trifft nun im Viertelfinale am Donnerstag um 19.30 Uhr auf den Landesligisten SC Vahr-Blockdiek. Der SV Grohn war bereits am Freitag gegen den SC Borgfeld ausgeschieden (0:5), im Viertelfinale am Montag blieben nun die TSV Farge-Rekum (1:14 gegen den Bremer SV), der Blumenthaler und der 1. FC Burg (0:7 gegen die SAV) auf der Strecke.

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