Verein „Glückliche Gartenfreunde“ Viel Gartenfreude bei Gartenfreunden

„Glückliche Gartenfreunde“ ist der einzige unter den zehn Kleingartenvereinen in Bremen-Nord, der von Türken gegründet wurde. Heute kommt der Verein allerdings weitaus vielfältiger daher.
29.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Lüssum-Bockhorn. „Glücklich“ heißt auf Türkisch „mutlu“, und Ahmed Mutlu ist der Name des ehemaligen ersten Vorsitzenden des Kleingartenvereins „Glückliche Gartenfreunde“. Im Jahre 1991 fragte er den Ortsamtsleiter von Blumenthal, ob in den Sandwehen nicht ein Parzellengebiet entstehen könne – und erhielt es.

„Glückliche Gartenfreunde“ ist der einzige unter den zehn Kleingartenvereinen in Bremen-Nord, der von Türken gegründet wurde. „Als die Parzellen von ehemaligen Mitarbeitern der Vulkan-Werft eingerichtet wurden, war ich schon mit meinem Vater dabei“, sagt Ismail Aydinöz, zweiter Vorsitzender des Kleingartenvereins „Glückliche Gartenfreunde“.

Er zeigt seine Parzelle mit Gartenlaube, selbst gebautem Gewächshaus und viel Beetfläche, vor allem für Gemüse. „Doch allzu viel kann man im April im Garten noch nicht tun“, sagt Ismail Aydinöz. „Ich habe aber schon Knoblauch und Zwiebeln ausgesät, die bereits in die Höhe gewachsen sind.“ Im Kleingartenverein „Glückliche Gartenfreunde“ betreiben vor allem Türken, aber auch Deutsche, Polen und Arabischstämmige insgesamt 60 Parzellen, jede etwa 300 Quadratmeter groß. Pensionäre seien in der Mehrzahl, doch auch viele junge Familien mit Kindern haben eine Parzelle gepachtet, so Aydinöz – was man an den vielen Schaukeln, Rutschen und kleinen Trampolins sieht, die über das Kleingartengebiet verstreut sind. „Und bei den meisten ist auch eine Grillecke dabei“, sagt Ismail Aydinöz, „denn die Geselligkeit spielt bei vielen Parzellenbetreibern eine große Rolle.“ Gemeinsames Grillen mit den Nachbarn sei ebenso angesagt wie mit seinen Kindern den Geburtstag im Grünen zu feiern.

Ismail Aydinöz betreibt seinen Garten auch zur Selbstversorgung: „Das Gemüse, das ich anbaue, reicht aus, um meine Familie mit Frau und Kindern zu versorgen“, sagt er. Kälteempfindliche Sorten wie Tomaten, Peperoni oder Gurken baut er im Gewächshaus an. „Und meine Frau kümmert sich vor allem um die Blumen“, sagt er. Und wenn die Eisheiligen Mitte Mai vorbei sind, wird Ismail Aydinöz noch mehr aussäen: Petersilie, Kürbis, Bohnen – das bringt so viele Lebensmittel, dass er kaum in den Supermarkt zu gehen braucht. Außer dem Nutzen bringt ihm der Kleingarten jedoch auch Erholung und den nötigen Ausgleich zu seinem Job bei Arcelor Mittal.

Auf der Parzelle von Osman Dagdelen nimmt frisch gesäter Rasen die größte Fläche ein: Die schlanken Grassamen liegen dicht an dicht auf dem Boden, doch Grün zeigen sie noch nicht. Und es bleibt genügend Platz für Zwiebeln, Bohnen und viele Blumen. Sein gelb gestrichenes Häuschen hat Osman Dagdelen selbst gebaut. „Ich bin ein bis zwei Mal in der Woche hier und nutze das Gemüse für die eigene Küche, und vor allem die Kinder freuen sich über die frische Kost aus eigenem Garten“, sagt er.

Weil der Kleingartenverein „Glückliche Gartenfreunde“ Mitglied im Landesverband der Gartenfreunde Bremen ist, bleiben bestimmte Nutzungen vorgeschrieben – eine reine Rasenfläche oder Blumenwiese zum Beispiel geht nicht. „Jeder hat in seiner Laube Wasseranschluss“, sagt Aydinöz, „und seit einigen Jahren gibt es auch auf jeder Parzelle einen Fäkalientank.“ Vorher sei es oft vorgekommen, dass bei gemeinsamen Feiern die Toilette schmerzlich vermisst wurde - die Gäste mussten in den nahe gelegenen Wald gehen.

Nach 30 Jahren Kleingärtnerei sind viele Parzellenbetreiber, die von Anfang an dabei waren, in die Jahre gekommen: „Manche älteren Leute geben ihre Flächen ab, weil sie diese aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewirtschaften können“, sagt Ismail Aydinöz. "Doch die Nachfrage ist groß und mit der Corona-Pandemie noch erheblich gestiegen.“

Info

Zur Sache

Kleingarten-Ordnung muss sein

Die Gartenordnung des Landesverbandes der Gartenfreunde Bremen wurde im November 2019 novelliert. Jeder Kleingarten-Pächter muss danach den Garten eigenverantwortlich bewirtschaften. Und auf mindestens einem Drittel der Fläche ist der Anbau von Obst, Gemüse und anderen Gartenbauerzeugnissen erforderlich. Auch die Größe der Gartenlaube ist begrenzt und darf 24 Quadratmeter nicht überschreiten. Weiterhin ist die Anwendung von chemischen Schädlings- und Unkrautvernichtungsmitteln in Kleingärten und in der gesamten Kleingartenanlage verboten.

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