Meine Woche

„Unsere Niederlage ist natürlich noch im Kopf präsent“

Maik Ahlers (23) spielt beim Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV. Der Neuzugang vom TuS Komet Arsten arbeitet als Elektroniker in einem Zehn-Mann-Betrieb in Riede. Der Mittelstürmer wohnt in Arsten.
25.08.2020, 15:34
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
„Unsere Niederlage ist natürlich noch im Kopf präsent“

Maik Ahlers möchte auch in der neuen Saison wieder möglichst weit im Pokalwettbewerb kommen.

WK

Mittwoch, 19. August: Wie jeden Arbeitstag stehe ich um 6 Uhr auf. Ich fahre dann mit dem Auto von Arsten nach Riede, wo ich bei der Firma Koch Elektro- und Sanitärtechnik arbeite. Ich bin für die Energie- und Gebäudetechnik, also für die Elektronik rund ums Haus zuständig – und heute an der Grundschule in Riede tätig. Die Schule hat einen Anbau für eine Mensa und für ein paar neue Klassenräume erhalten. Um 16 Uhr mache ich Feierabend. Da ich heute kein Training habe, treffe ich mich mit ein paar Freunden am Werdersee. Mit dabei ist auch mein Teamkollege vom Blumenthaler SV, Lars Lührssen. Wir kicken zusammen am See. Wenn ich nicht gerade Training habe, spiele ich auch in meiner Freizeit sehr gerne mit Freunden Fußball – die meisten meiner Freunde sind aber nur Hobby-Kicker.

Donnerstag, 20. August: Nach der Arbeit geht es zum Training auf den Platz am Bockhorner Weg in Lüssum. In den vergangenen beiden Wochen haben wir uns fast ausschließlich auf die Pokalspiele beim FC Huchting und gegen FC Oberneuland vorbereitet. Am Sonnabend steht nach unserem 4:1-Sieg im Halbfinale in Huchting nun das Finale im Lotto-Pokal gegen Oberneuland an. Wir feilen an der defensiven Raumdeckung, weil wir wissen, dass uns die Oberneulander hoch anlaufen werden. Wir wollen hinten kompakt stehen, und mit Kontern zum Erfolg kommen. Unser Coach Steffen Dieckermann trainiert mit uns auch das Passspiel, das Verschieben der einzelnen Mannschaftsteile und Standardsituationen. Für mich war es am Anfang schon sehr komisch, plötzlich ein neues Trikot zu tragen. Schließlich war ich zuvor ausschließlich für TuS Komet Arsten aufgelaufen. Mittlerweile habe ich mich aber daran gewöhnt. Wir vier neue Spieler aus Arsten sind auch gut in die Mannschaft aufgenommen worden. Nach dem Training sitzen wir noch zusammen und besprechen bei einem Bier ein paar Sachen. Als ich um kurz nach 22 Uhr nach Hause komme, bin ich ziemlich platt und gehe schnell ins Bett. Ich wohne schon mein ganzes Leben in Arsten. Aber irgendwann möchte ich natürlich auch bei meinen Eltern ausziehen und mir etwas Eigenes suchen.

Freitag, 21. August: Heute ist bereits um 13.15 Uhr Feierabend. Ich treffe mich wieder mit ein paar Kumpels an den Fischtreppen am Werdersee. Wir spielen dort nicht nur Fußball, sondern auch Volleyball und Fußball-Tennis. Im Anschluss ziehen wir noch zu meinem Kumpel Collin Schweers nach Habenhausen weiter. Im großen Garten seiner Familie frönen wir den Trinkspielen Flunkyball und Bierpong. Ich halte mich dabei aber zurück, und gehe früh ins Bett, weil ja morgen das Pokalfinale auf dem Programm steht. Ein solches Pokalfinale ist für jeden Spieler natürlich das i-Tüpfelchen in der Karriere. Ich habe zwar auch bereits in der C-Jugend in der Regionalliga gespielt. Aber ein solch wichtiges Match ist neu für mich. Deshalb bin ich auch schon aufgeregt. Ich bekomme es aber dennoch hin, ganz normal zu schlafen.

Sonnabend, 22. August: Ich frühstücke um 9 Uhr und setze mich noch ein wenig in die Sonne. Um 11 Uhr treffen wir uns mit der Mannschaft bei unserem Kapitän Kilian Lammers, der nur fünf Minuten vom Platz am Vinnenweg in Oberneuland entfernt wohnt. Wir essen und trinken etwas und schauen uns die ersten Länder-Pokalspiele in der ARD an. Es ist schon etwas ganz Besonderes, dass auch wir später im Fernsehen zu sehen sein werden. Das ist für uns alle noch eine zusätzliche Motivation. In der Kabine zeigt uns Steffen Dieckermann auf einer Tafel, welche Laufwege wir gehen und wo wir bei Ecken und Freistößen stehen sollen. Dann macht er uns noch einmal richtig heiß auf das Spiel. Dieses Pushen unseres Trainers sorgt auch dafür, dass wir selbst nach einem 0:2-Rückstand durch zwei Tore von Affamefuna-Michael Ifeadigo nicht die Köpfe hängen lassen, sondern auf den Anschlusstreffer drängen. Nach dem 1:2 von Bo Weishaupt denke ich auch, dass noch etwas für uns geht. Auch das Wetter spielt uns in die Karten. Mit Anpfiff hat es begonnen, in Strömen zu regnen. Meine Mannschaft kämpft um jeden Ball und gleicht auch noch vor der Pause durch Hakan Yavuz aus. Hakan hat die freie Stelle im Team für mich bekommen. Wir haben zwei verschiedene Formationen. Steffen Dieckermann hat aber die gewählt, bei der ich erst einmal draußen bin. Das ist okay so, weil ich ohnehin noch nicht zu 110 Prozent fit bin. In der 73. Minute werde ich aber eingewechselt. Wir freuen uns darüber, dass 2:2 bis zum Schlusspfiff zu halten. Vor dem Elfmeterschießen ziehe ich mich erst einmal zurück und warte ab, was passiert. Da sich fünf Mitspieler schon angeboten haben, einen Elfmeter zu schießen, muss ich selbst nicht ran. Mit Jan-Luca Warm, Malte Tietze und Dominik Willkomm bringen gleich drei meiner Kameraden den Ball nicht im Tor unter. Ich mache diesen aber keinen Vorwurf, weil es vom Elfmeterpunkt etwas ganz anderes ist zu treffen. Die Zuschauerkulisse kommt noch erschwerend hinzu. Nach unserem ersten Fehlschuss denke ich noch, dass es nicht so schlimm ist. Auch nach der zweiten Fahrkarte habe ich noch Hoffnung. Dass es aber nicht zum Sieg reicht, ist schon bitter. Das hatte uns vorher keiner zugetraut. Daher ist die Enttäuschung umso größer. Wir hätten den Sieg auch verdient gehabt. Ich fahre noch zu Collin Schweers. Wegen eines Stromausfalls haben meine Freunde von der zehnten bis zur 60. Minute nichts in der ARD gesehen – zusammen geht es dann noch an die Schlachte.

Sonntag, 23. August: Ich schlafe erst einmal aus. Unsere gestrige Niederlage ist natürlich noch im Kopf präsent. Ich schaue mir das Freundschaftsspiel des TuS Komet Arsten gegen TV Stuhr an. Meine alten Kameraden gewinnen mit 4:1. Das Champions-League-Finale des FC Bayern München gegen Paris Saint Germain gucken wir wieder bei Collin Schweers in Habenhausen. Ich bin zwar Fan von Werder Bremen und AC Mailand, dennoch drücke ich bei internationalen Spielen immer den deutschen Mannschaften die Daumen. Das Finale wird sehr von der Taktik geprägt. So entwickelt sich leider kein hochklassiges Match. Ich wundere mich darüber, dass von den Pariser Stürmern Kylian Mbappe, Angel Di Maria und Neymar nicht mehr kommt. So reicht das Kopfballtor von Kingsley Coman zum 1:0-Erfolg der Bayern. Fan des AC Mailand bin ich, weil mir mal ein Freund eine riesige Fahne des Vereins aus Italien mitgebracht hatte. Ich verfolge jedes Spiel der Mailänder, war aber leider noch nie im Giuseppe-Meazza-Stadion. Bei Werder bin ich hingegen ab und zu auch im Weserstadion. Mein Lieblingsspieler ist Lucas Ocampos vom frisch gebackenen Europa-League-Sieger FC Sevilla. Ich finde es einfach super, wie der die linke Außenbahn bearbeitet.

Montag, 24. August: Normalerweise wäre Training gewesen. Wegen des Pokalfinales bekommen wir aber frei. Die Niederlage habe ich noch im Hinterkopf. Das wird sich so schnell auch nicht ändern. Für Blumenthal war es die vierte Niederlage im Pokalendspiel in Folge. Ich hoffe aber, dass ich noch so manches Finale erleben werde. Mein Teamkollege Lars Lührssen kommt zu mir, wir gucken fern.

Dienstag, 25. August: Nach einem intensiven Training geht bei mir nicht mehr viel. Ich habe große Erwartungen an die kommende Saison in der Bremen-Liga. Wir haben schließlich schon eine richtig starke Mannschaft mit vielen jungen und hungrigen Spielern beisammen. Wir sind auch bereits gut als Team zusammengeschweißt. Mein Ziel ist das Erreichen einer der ersten vier Plätze. Ich bin mir auch sicher, dass wir dies schaffen werden. Das gute Spiel im Pokalfinale gegen den FC Oberneuland sollte Ansporn sein. Ich möchte auch in der neuen Saison wieder möglichst weit im Pokalwettbewerb kommen. → KH

Ramona Timmermann, die Tennisspielerin des TV Schwanewede, wird als Nächste von ihrer Woche berichten.

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Zur Person

Maik Ahlers (23)

spielt beim Fußball-Bremen-Ligisten Blumenthaler SV. Der Neuzugang vom TuS Komet Arsten arbeitet als Elektroniker in einem Zehn-Mann-Betrieb in Riede. Der Linksaußen und Mittelstürmer wohnt in Arsten und lebt dort noch bei seinen Eltern.

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