Pflegemutter muss elf Wochen auf ihren Lohn warten

Fähr-Lobbendorf. Das Amt für Soziale Dienste hat eine Pflegemutter aus Fähr-Lobbendorf elf Wochen lang auf ihren Lohn warten lassen. Für das Sozialressort ist das ein bedauerlicher Einzelfall. Nach den Worten der 66-Jährigen hingegen macht das Amt häufiger Ärger, wenn es ans Bezahlen geht.
14.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Pflegemutter muss elf Wochen auf ihren Lohn warten
Von Patricia Brandt

Fähr-Lobbendorf. Das Amt für Soziale Dienste hat eine Pflegemutter aus Fähr-Lobbendorf elf Wochen lang auf ihren Lohn warten lassen. Für das Sozialressort ist das ein bedauerlicher Einzelfall. Nach den Worten der 66-Jährigen hingegen macht das Amt häufiger Ärger, wenn es ans Bezahlen geht.

Inge Finken (66) aus Fähr-Lobbendorf ist seit fast fünf Jahren in der Kurzzeitpflege tätig. Sie ist immer da, wenn das Amt für Soziale Dienste schnell Kinder aus chaotischen Familienverhältnissen unterzubringen hat. Umgekehrt, sagt die langjährige Pflegemutter, ist beim Amt oft niemand erreichbar oder zuständig, wenn sie nach ihrem Lohn fragt.

Inge Finken nimmt als Pflegemutter Kinder auf, die sie vom gemeinnützigen Verein Pflegekinder in Bremen, kurz Pib, vermittelt bekommt. Pib hilft Eltern, die meist aus gesundheitlichen Gründen ihre Kinder für eine befristete Zeit nicht selbst versorgen können und vermittelt auch im Auftrag der Behörde Pflegeplätze. "Es sind manchmal richtig kaputte Kinder dabei", sagt Finken. Deren Mütter seien auf Entzug oder im Gefängnis.

Finken spricht von Gewalt in den Familien und von Missbrauch. "Solche Kinder müssen hier erstmal Fuß fassen. Das ist eine Einfühlungssache", sagt sie. Manchmal bleiben die Jungen und Mädchen nur ein paar Tage, manchmal ziehen sie aber auch für einige Monate bei ihr ein. Finken, die auch zwei Vollzeit-Pflegekinder betreut, hat in ihrem Haus extra ein Baby- und ein Jugendzimmer für die Kurzzeit-Gäste eingerichtet. Oft erlebten die Kinder bei ihr erstmals, wie es ist, gemeinsam zu frühstücken. Die Kinder fingen dann an, zu erzählen. Weißt du noch, soll kürzlich eins zu seinem Geschwisterkind gesagt haben, als wir das Nutella-Glas an den Kopf gekriegt haben? "In solchen Fällen", sagt die fünffache Mutter, "musst du starke Nerven haben. Und als Dank dafür wartest du auf dein Geld."

Bezahlt wird Inge Finken pro Tag und Kind. Das Pflegegeld richtet sich nach Alter, Aufenthaltsdauer und besonderen Anforderungen des Kindes. Die Krankenkassen, Rentenversicherungsträger oder die wirtschaftliche Jugendhilfe des Amtes für Soziale Dienste erstatten einen Tagessatz bis zu 32,80 Euro. Wenn die Kassen zahlen, so Finken, gebe es meist keine Probleme. Es hake nur, wenn das Geld von der Behörde kommt. Diese Mal dauerte es besonders lange. Elf Wochen.

"So lange wie dieses Mal habe ich noch nicht auf mein Geld warten müssen", berichtet Finken. Sie hatte im April zwei Kinder mit Migrationshintergrund für einige Tage bei sich aufgenommen. Und wartete bis diese Woche auf ihre Abrechnung. Anfragen und Briefe ihrerseits seien unbeantwortet geblieben. Inge Finken will der Behörde sogar mit einem Anwalt gedroht haben. Sie habe sich wie eine Bittstellerin gefühlt, sagt sie. "Wer wartet solange auf seinen Lohn, wenn er die Arbeit geleistet hat? Da kann ich ja wohl nur wütend sein."

Insgesamt 47 Kinder aus Bremen sind laut Pib im vergangenen Jahr im Auftrag des Amtes für Soziale Dienste an 20 Pflegefamilien vermittelt worden. "Die Kostenerstattung erfolgt bei kurzen Betreuungszeiten in der Regel im Anschluss", heißt es auf der Internetseite des gemeinnützigen Vereins. Bei längeren Aufenthalten gingen der Erstattung des Pflegegeldes Abschlagszahlungen voraus. Dass die Pflegekräfte monatelang unbezahlt arbeiten, käme normalerweise nicht vor, betont Eva Rhode, Sprecherin von Pib. Was Finken betrifft, sagt sie: "Nach unserer Recherche handelt es sich um einen bedauerlichen Einzelfall, der begründet ist durch ungeklärte Zuständigkeiten." Der Grund: Es habe sich bei den betroffenen Pflegekindern um zwei Flüchtlingskinder gehandelt. Das Amt hat sich nach ihrem Wissen inzwischen bei der Pflegemutter entschuldigt.

Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts, will die Probleme nicht klein reden. Dass jemand elf Wochen auf den Lohn warte, dürfe sind sein. "So soll das nicht sein, da arbeiten wir dran", sagt Schneider. Bei der Tagespflege hatte es ähnliche Probleme gegeben, die mit dem Start des neuen Kindergartenjahres und einem neuen Abrechnungssystem weitgehend gelöst worden seien. Bekanntlich hatten im vergangenen Jahr mehrere Tagesmütter über verzögerte Abrechnungen geklagt.

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