Schulplanung in Blumenthal Platzmangel in Blumenthals Schulen

Schulleiter und Politiker haben über die Forderung diskutiert, in Blumenthal zusätzliche Schulen zu bauen. „Wenn die Bevölkerungsentwicklung so weitergeht, brauchen wir neue Schulen“, sagt der Ortsamtsleiter.
30.01.2019, 15:51
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Von Klaus Grunewald

Weil die Einwohnerzahl in Bremens nördlichstem Stadtteil rapide wächst, herrscht Enge in den Schulen. Die Quartiersmanagerinnen Heike Binne und Carola Schulz fordern deshalb, eine Grundschule sowie eine Oberschule komplett neu zu bauen. Auch die Bildungspolitiker im Blumenthaler Beirat sehen erheblichen Handlungsbedarf, wollen aber erst einmal mit der Bildungssenatorin und ihren Experten über Lösungen sprechen. Grund: Die Realisierung neuer Schulgebäude dauert in der Regel rund fünf Jahre.

Damit es in der Stadtgemeinde Bremen bis zum Jahre 2025 genügend Schulen und Klassenräume gibt, hat das Bildungsressort eine sogenannte Schulstandortplanung erarbeitet. Dieses Papier wird allerdings aus Sicht der Stadtteilgruppe Lüssum-Bockhorn und der Arbeitskreise „Kinder Lüssum und Blumenthal“ der Schulrealität im Ortsamtsbereich nicht mehr gerecht.

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Heike Binne und Carola Schulz verweisen vor allem auf die kinderreichen Quartiere – auch infolge der zugewanderten Familien in den vergangenen drei Jahren. Zwar seien bei der Kinderbetreuung durch in Bau befindliche und geplante Kitas die richtigen Weichen gestellt worden. Die bisherigen Anstrengungen, genügend Schulraum zu schaffen, reichten aber nicht aus, unterstreichen die Quartiersmanagerinnen in einem Positionspapier, das jetzt als Bürgerantrag im Beiratsausschuss für Bildung, Kinder- und Jugendinteressen erörtert worden ist.

Sämtliche Blumenthaler Schulleiter hatten sich zu der Ausschusssitzung in der Aula der Oberschule In den Sandwehen eingefunden. Nach den Worten von Ortsamtsleiter Peter Nowack ein Beleg dafür, dass ihre Sorgen groß sind. Der Behörde seien die überfüllten Klassen, die baulichen Probleme an den Gebäuden sowie der Mangel an Lehr- und Forderkräften zwar seit Langem bekannt, kritisieren die Quartiersmanagerinnen. Aber gebessert habe sich an dieser Situation bis heute nichts.

Das sehen die Verantwortlichen der drei Ober- und fünf Grundschulen in Blumenthal genauso. Schon im Mai vergangenen Jahres hatten die Schulleiter und ihre Kollegien aus den Oberschulen für eine vierte Einrichtung plädiert. Mit einem Neubau würden sich die komplizierten An- und Umbauten an der Eggestedter Straße, an der Lehmhorster Straße sowie In den Sandwehen erübrigen, bekräftigten sie.

Behörde nicht eingeladen

Der zuständige Bildungsreferent Daniel de Olano argumentierte damals im Ausschuss, dass die Errichtung einer weiteren Oberschule zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. Derweil befürchten die Schulleitungen „Überbelegungen“. Mehr als 800 Schülerinnen und Schüler an einem Standort seien dem Schulleben abträglich.

Im Herbst 2018 räumte die Bildungsbehörde bei der Vorlage des Schulentwicklungsplans in der zuständigen Bildungsdeputation freilich ein: Der dramatische Anstieg der Schülerzahlen in Bremen mache eine deutliche Ausweitung der räumlichen Kapazitäten unumgänglich. Deshalb soll sich nun die Zahl der Plätze in den Blumenthaler Grundschulen von gegenwärtig 1128 auf 1492 im Jahr 2025 erhöhen. Und in den Bildungsstätten der Sekundarstufe I sollen statt bislang 1512 insgesamt 2064 Schülerinnen und Schüler unterrichtet werden können.

Vom Bau einer weiteren Oberschule will die Bildungsbehörde indes auch jetzt noch nichts wissen. Sie weist darauf hin, dass die Berufsschule den Standort Eggestedter Straße verlassen und in das geplante Berufsschulzentrum auf dem ehemaligen BWK-Gelände umziehen werde. Das dürfte allerdings noch dauern. Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) hatte im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt, der Campus gehe mit den ersten Schulzweigen 2022 an den Start. Den Auftakt soll die Schule Eggestedter Straße machen.

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In der jüngsten Sitzung des Bildungsausschusses kam kein Behördenvertreter zu Wort. Man habe bewusst niemanden eingeladen, um zunächst zu einer unbeeinflussten Meinungsbildung zu kommen, erläuterte Peter Nowack. Grundsätzlich begrüßt wurde die Planung, die beiden einzügigen Grundschulen in Farge-Rekum aufzugeben und in einem Neubau an der Farger Straße unterzubringen, in dem noch ein dritter Klassenzug Platz finden soll. Das sei in der Tat eine Verbesserung vor Ort, werde aber noch nicht dem Bedarf an zusätzlichen Schulplätzen gerecht, heißt es gleichwohl in dem Bürgerantrag.

Beirat soll beraten

Der Beiratsausschuss für Bildung, Kinder und Jugendinteressen begrüßte grundsätzlich die Stoßrichtung des Papiers der Quartiersmanagerinnen, wollte sich im Detail aber nicht festlegen, was insbesondere die Forderung nach dem Bau einer neuen Oberschule und einer Grundschule betraf. Über den Bürgerantrag soll noch einmal der Beirat am 11. Februar beraten und beschließen. Dann soll auch ein Vertreter der Bildungsbehörde anwesend sein. Ortsamtsleiter Peter Nowack deutet aber schon mal eine Zielrichtung an: "Wenn die Bevölkerungsentwicklung in Blumenthal so weitergeht, brauchen wir neue Schulen.“

In den vergangen vier Jahren ist der nördlichste Bremer Stadtteil nach den Worten des Ortsamtsleiters um rund 3500 Bürger gewachsen. Die Hälfte von ihnen sind unter 18 Jahre alt. Die Stadtteilgruppe Lüssum-Bockhon, der Arbeitskreis „Kinder Lüssum“ und der Arbeitskreis „Blumenthal“ halten deshalb ein zehnjähriges Sonderprogramm für erforderlich, das den besonderen sozialen Bedarfen in Blumenthal gerecht wird.

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