Ferienspaß: Kinder lernen Selbstverteidigung nach Regeln / Nichts für Aggressionsprobleme Respektvoller Umgang im Kampf

Blumenthal. Kickboxen für Kinder als Ferienspaß? Eltern kommen dabei Bilder vom blutenden Nachwuchs in den Sinn, der wild tretend und schlagend auf gleichaltrige Gegner eindrischt. Für Christin Senf ist das alles nur Klischee und das Gegenteil richtig: Die Leiterin der Anti-Terror-Kampfschule Blumenthal (ATKS) bringt in der Uhthoffstraße Kindern in der spielerischen Auseinandersetzung den fairen und respektvollen Umgang miteinander bei – wer die Regeln nicht befolgt, geht wieder.
06.07.2013, 05:00
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Von Volker Kölling

Blumenthal. Kickboxen für Kinder als Ferienspaß? Eltern kommen dabei Bilder vom blutenden Nachwuchs in den Sinn, der wild tretend und schlagend auf gleichaltrige Gegner eindrischt. Für Christin Senf ist das alles nur Klischee und das Gegenteil richtig: Die Leiterin der Anti-Terror-Kampfschule Blumenthal (ATKS) bringt in der Uhthoffstraße Kindern in der spielerischen Auseinandersetzung den fairen und respektvollen Umgang miteinander bei – wer die Regeln nicht befolgt, geht wieder.

Melissa Ruppik ist mit ihrer Mutter am Donnerstag schon eine halbe Stunde vor dem Ferienspaß-Training im Vegesacker Dojo, wie die Schule bei den Schülern der asiatischen Kampf- und Ritterkünste genannt wird. Die junge Dame mit dem blonden Pferdeschwanz möchte nach ihrem ersten bestandenen Kinderkampfwettbewerb von der Mama auch noch einen Kapuzenpulli mit dem Schulabzeichen: "Ihr gefällt aber das Schwarz nicht. Gibt es den Pulli nicht vielleicht auch in Pink," fragt die Mama.

Es handelt sich bei Melissa damit eindeutig um eine ganz normale Siebenjährige. Christin Senf: "Melissa war wirklich toll bei ihrem ersten Kidskampf. Die sollen aus dem Kampf mit der Erfahrung herausgehen, dass Kämpfen Spaß macht. Gut ist, wenn sie fragen: Christin, wann darf ich denn wieder einen umhauen", meint die Trainerin scherzhaft. Wenn man sich körperlich auseinandersetzen wolle, dann nur nach Regeln. So erziehe sie die Kinder.

Der kleine Raphael ist anders als Melissa um 16 Uhr zum ersten Mal auf der Matte dabei und beschwert sich nach fünf Minuten Training, dass er unter seinen Wuschellocken schwitzt. Als er mit seinem gleichgroßen Partner Dennis im Sitzen ringen soll, flüchtet er in Mutters Arme. "Das Raufen ist wohl nichts für ihn, er hat ein so sanftes Gemüt und kann buchstäblich nicht einmal einer Fliege etwas zuleide tun", meint die Mama später zur Trainerin. Die muss den Neuen in der Gruppe anfangs erst einmal zeigen, wie man überhaupt eine Faust macht, mit der man zuschlagen kann – ohne sich den Daumen zu brechen.

14 Kinder stehen beim Schnuppertraining am Mattenrand, ein Bild wie von Orgelpfeifen – von den 15-Jährigen abwärts bis zum vierjährigen Troy. Alle gehen in die Hocke und grüßen nach dem Kommando "Re" auf den Knien gemeinsam ihre Lehrerin. Troy benutzt beim Kreislaufen ein Schimpfwort und wird von Christin Senf ausführlich ermahnt. Die meisten Mädchen und Jungen blicken schüchtern drein. Haudraufs sehen anders aus. Spätestens nach dem Falltraining mit Rollen vorwärts und zurück und den ersten Übungen mit einem Partner sind alle aufgetaut. Es wird viel gelacht beim Hüpfen über kauernde menschliche Hindernisse und beim dauernden Mattengeklatsche.

Kinder mit einem Aggressionsproblem nimmt Christin Senf nicht in die Gruppen: "Jeder kann fünfmal und öfter kommen und in ganz normalem Sportzeug mitmachen. Diese Zeit nutze ich natürlich, um zu gucken, ob das Kind zu uns passt." In den Ferienschnupperangeboten dienstags und donnerstags ab 16 Uhr lehrt die Trainerin erst einmal einfache Grundlagen der Selbstverteidigung, wie sie in allen Kampfsportarten ihrer Schule angewandt werden. Tatsächlich wird sie momentan aber viel nach dem Kickboxen für Kinder gefragt, das als Angebot in der ATKS nach den Sommerferien neu startet.

"In dieser amerikanischen Kampfsportart kämpft man im Wettkampf mit Schutzausrüstung. Man unterscheidet zwischen Leichtkontakt, bei dem drei Minuten hindurch gekämpft wird, über Semikontakt, bei dem nach jedem Treffer im Kampf gestoppt wird bis zum Vollkontakt. Das machen wir hier aber nicht", referiert Senf und sagt weiter, dass Treffer am Oberkörper, den Seiten, am Kopf und frontal zugelassen sind, aber nie etwas unter der Gürtellinie. Als sie die Schlagpolster herausholt wird klar, wie weit die Ferienspaßkinder noch von Kickboxpunkten entfernt sind: Kaum eines trifft einmal die Bratzen, Spaß macht es trotzdem allen, und sogar der kleine Raphael tobt lachend herum und probiert seine Kräfte aus.

Weitere Infos zur ATKS gibt es bei

Trainerin Christin Senf unter der

Rufnummer 0175/ 6705753.

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