Schifferverein Rekum wird 100

Schifferverein Rekum wird 100

Der Schifferverein Rekum ist vor 100 Jahren als Sterbe- und Krankenkasse gegründet worden. Heute kümmern sich die Mitglieder um die die Tradition der Kahnschiffer und betreiben das „Löschboot 1“.
19.08.2019, 10:18
Lesedauer: 3 Min
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Von Kristina Bumb
Schifferverein Rekum wird 100

Hanne Otten, Jens Lohmeyer und Katharina Specht (von links) schmücken das Kahnschifferhaus für das Familienfest.

Kristina Bumb

Der Schifferverein Rekum und Umgegend feiert im August sein 100-jähriges Bestehen. Die Ehrenamtlichen wollen die Tradition der historischen Schifffahrt vor dem Vergessen bewahren, betreiben das Museumschiff Löschboot und kümmern sich zusammen mit dem Heimatverein Farge-Rekum um das Kahnschifferhaus, das eine heimatkundliche und maritime Sammlung beherbergt. Am Sonnabend, 24. August, lädt der Schifferverein zu einer bunten Jubiläumsfeier für die ganze Familie ein.

Rund um das Kahnschifferhaus Unterm Berg 31 in Rekum herrscht sonst himmlische Ruhe. Nur ein paar Spaziergänger bevölkern normalerweise den Weserdeich und freuen sich am schönen Blick auf Wellen und Landschaft. Am Sonnabend, 24. August, ab 13 Uhr dürfte sich das ändern. Denn dann feiert der Schifferverein Rekum und Umgegegend im und rund um das Kahnschifferhaus sein 100-jähriges Jubiläum. „Es soll ein Fest für die ganze Familie sein, für Anwohner, Farger und alle Interessierten“, sagen die Vereinsmitglieder Hanne Otten und Katharina Specht, die die Feier gemeinsam mit ihren ehrenamtlichen Mitstreitern auf die Beine stellen.

Das Programm hält für junge und erwachsene Besucher Vergnügliches bereit. Der Schifferchor Rekum sorgt den ganzen Nachmittag über für musikalische Unterhaltung. Das Kahnschifferhaus mit seinem historischen Mobiliar und Stücken aus der Seefahrtstradition kann besichtigt werden. „Außerdem haben unserer Vereinsmitglieder eine Ausstellung vorbereitet und laden zu Rundgängen ein“, sagt der Vereinsvorsitzende und Kapitän a.D. Heino Bauer. Kinder können Seemannsknoten lernen, das Löschboot aus Papier basteln, sich schminken lassen und mehr. Ein Highlight werden außerdem die Vorführungen und Besichtigungen des Löschboots sein, das an diesem Tag am Kai im Rekumer Hafen liegt. „Wir haben die Erlaubnis, für die Feier am Kai des Wasser- und Schifffahrtsamtes anzulegen“, sagt Vorstandsmitglied Arno Wuttig.

2007 hat der Verein das "Löschboot 1" gekauft und danach wieder restauriert.

2007 hat der Verein das "Löschboot 1" gekauft und danach wieder restauriert.

Foto: Jens Lohmeyer/FR

Der Schifferverein ist 1919 als eine Art Urform der Kranken- und Sterbekasse von Kahnschiffern aus der Region gegründet worden. „Bootsleute transportierten damals in flachen Segelschiffen Waren über die Weser – von Bremerhaven nach Bremen. Das war ein Knochenjob. Wenn es zu einem Unfall an Bord kam, bedrohte das die ganze Familie des Kahnschiffers in ihrer Existenz. Um so etwas aufzufangen, gründeten Bootsleute aus Rekum und Umgegend den Verein. Sie zahlten geringe Beiträge ein und im Ernstfall erhielt die Familie einen Zuschuss zum Leben“, schildert Kassenwart Jens Lohmeyer. Wie bei anderen Vereinsmitgliedern auch ist seine Familie schon seit vier Generationen im Schifferverein dabei. Sein Urgroßvater Heinrich Lohmeyer ist eines der Gründungsmitglieder. Der Name ist neben 15 weiteren auf einem historischen Gemälde zu sehen, das zur Feier der Vereinsgründung angefertigt wurde und heute im Rekumer Kahnschifferhaus hängt.

Die Kahnschiffer fuhren mit ihren Lastenseglern bis in die 50er-Jahre über die Weser. Nach der Weserbegradigung und mit dem Aufkommen größerer motorisierter Frachter verschwand der Beruf allmählich. Der Schifferverein blieb den Familien jedoch erhalten und zahlte nach wie vor den Familien und Hinterbliebenen bei Bedarf eine finanzielle Unterstützung. „Allmählich erfüllte der Zusammenschluss aber eher eine soziale Funktion. Er diente der Geselligkeit und der Pflege der Schifffahrtstradition“, erzählt Jens Lohmeyer. Viele Mitglieder erinnern sich noch an die rauschenden Schifferbälle der 70er- und 80er-Jahre, die im Abendkleid und – soweit vorhanden – mit Kapitänsjacke im Rekumer Hof gefeiert wurden. Im Jahr 2000 beschlossen die Mitglieder, dass die Einrichtung der Kranken- und Sterbegeldkasse nicht mehr weitergeführt werden und der Verein sich stattdessen auf die Traditionspflege konzentrieren sollte.

Ein Glücksfall war der Erwerb eines historischen Kahnschifferhauses direkt am Weserdeich in Rekum. Das Zweiständerhaus, das aus frühen 19. Jahrhundert stammt, war einst die typische Unterkunft eines Seemannes samt Familie. Bis der Schiffer- und der Heimatverein das Gebäude gemeinsam übernahmen, wurde es normal bewohnt. „Die Nachbarsfamilie Schwarze hatten den letzten Bewohner lange gepflegt und zum Dank das Haus geerbt. Später haben sie es uns halb geschenkt mit dem Wunsch, dass wir es erhalten. Wir haben lediglich 40 000 D-Mark dafür gezahlt“, freut sich der zweite Vorsitzende Jürgen Wodtke. Beide Vereine zusammen schafften es, die Summe aufzubringen, und packten die Instandsetzung an. Das reetgedeckte Kahnschifferhaus wurde in mühevoller Arbeit mit viel Eigenleistung in einen Zustand wie in alten Zeiten zurückversetzt. Besucher können dort mittlerweile altes Mobiliar in der guten Stube, eine alte Kücheneinrichtung und anderes mehr bestaunen.

2007 konnte der Verein ein historisches Löschboot für den symbolischen Preis von einem Euro erwerben. Das Schiff diente einst dazu, mit den an Bord befindlichen Wasserkanonen Brände in den Häfen von Seeseite her zu löschen. Die Rekumer Ehrenamtlichen retteten es vor der Verschrottung. Erneut gingen sie mit viel Eigenleistung zu Werke und auch dank einiger Spenden konnten sie es wieder wassertauglich machen und nach Bremen überführen. Seitdem liegt es im Vegesacker Museumshafen und zeigt zum Beispiel bei Hafenfesten seine Wasserfontänen.

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