Protest gegen Lehrermangel Schonfrist für die Tami-Oelfken-Schule

Weil in der Tami-Oelfken-Schule in Lüssum für eine 1. Klasse seit der Einschulung ein Klassenlehrer fehlt, wollen die Eltern als Ausdruck des Ärgers ihre Kinder zu Hause lassen.
22.02.2019, 18:32
Lesedauer: 3 Min
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Von Sylvia Wörmke

Die Eltern bringen ihre Kinder zur Schule – protestieren, und nehmen sie wieder mit nach Hause: Das war der Plan für die Klasse 1c der Tami-Oelfken-Schule für Montag. So sollte der Forderung Druck verliehen werden, dass die Klasse endlich einen Klassenlehrer oder eine Klassenlehrerin bekommt. Im letzten Moment wurde die längerfristige Unterrichtsverweigerung dann doch abgesagt. Vorerst. Nun soll erst einmal abgewartet werden, ob die Bemühungen der Bildungsbehörde um eine Lehrkraft Erfolg haben.

Bei Waldeta Iljazi, der Elternsprecherin der 1c, klingelt seit Monaten täglich das Telefon. Oder sie wird auf der Straße von Müttern und Vätern angesprochen. Die sind darüber verärgert, dass ihre Kinder seit der Einschulung im Sommer 2018 keine Klassenlehrerin oder Klassenlehrer haben. „Sie beschweren sich bei mir und machen mir Druck“, erzählt die gebürtige Albanerin, ihr Sohn besucht die 1c. Sie schildert die Situation, dass die Kinder „ganz durcheinander“ sind, weil sie ständig von anderen Personen unterrichtet werden und ihnen eine Bezugsperson fehlt. „Das ist Stress für eine 1. Klasse“, gibt sie die Meinung der anderen Eltern und ihre eigene wieder.

Die Mutter muss sich auch die Vorwürfe der anderen Eltern, überwiegend unterschiedlicher Nationalitäten, anhören: „Warum machst du nichts?“ Das macht der zurzeit kranken Frau sehr viel Stress. „Die denken, ich bin hier der Chef von allem“, versucht die 44-Jährige aber humorvoll zu verdeutlichen, warum sie die direkte Ansprechpartnerin ist und für die Situation verantwortlich gemacht wird.

Zur Eskalation kam es nun, nachdem vonseiten der Schule angekündigt worden war, dass die Kinder ab Montag für eine Weile aufgrund des derzeitigen Krankenstandes der Lehrer nur bis 13 Uhr unterrichtet werden können – nicht mehr bis 15 Uhr mit der Option für das Ganztagsangebot bis 16 Uhr. „Sie wissen nicht, wohin mit ihrem Kind“, schildert die Elternsprecherin die schwierige Situation berufstätiger Eltern. Sie selber hat als alleinerziehende und berufstätige Mutter auch das Problem, ist aber zurzeit krankgeschrieben.

Nach Diskussionen einigten sich die Eltern auf die Protestaktion am Montag. Mit Plakaten wollten sie ihren Unmut ausdrücken. Danach wollten sie ihre Kinder so lange zu Hause behalten, bis eine Bezugsperson für die Klasse gefunden sein würde. Das wurde nun vertagt. „Wir machen kein Theater, sondern warten erst mal ab“, sagt die Mutter.

Schuleiter Ireneusz Kalan hatte von dem geplanten Protest erfahren, sich erneut mit der Bildungsbehörde in Verbindung gesetzt, das Erfahrene der Elternsprecherin übermittelt und sie gebeten, abzuwarten. „Uns wurde versprochen“, sagt die Elternsprecherin, „dass jemand kommen soll“.

Auf Nachfrage erläuterte Annette Kemp für die Senatorin für Bildung die angespannte Personalsituation: „Wir haben versucht, eine Lehrkraft über das neue sogenannte Listenverfahren zuzuweisen. Das hat leider nicht geklappt. Wir sind jetzt gemeinsam mit dem Schulleiter dabei, eine Lehrkraft zu gewinnen.“ Auch der Schulleiter begründet die fehlende Bezugsperson in der Klasse 1c mit dem Fachkräftemangel an den Schulen. Er selber habe darum auch in der Klasse unterrichtet. Er habe aber noch andere Aufgaben als Schulleiter wahrzunehmen und könne deshalb die Funktion nicht vollständig übernehmen. Unterricht sei aber nicht ausgefallen. Es habe immer Vertretungen gegeben.

Kalan ist davon überzeugt, „dass gerade für eine 1. Klasse unbedingt eine Klassenleitung gebraucht wird. Wir versuchen aber unser Bestes, um die Kinder zu beschulen, sind aber nun an die Grenzen gekommen.“ Zusätzlich zum Personalmangel gebe es zurzeit viele Krankheitsfälle. Darum habe es die Anordnung gegeben, dass die Kinder vorerst nur bis 13 Uhr die Schule besuchen können. „Wir arbeiten natürlich aber für berufstätige Eltern mit einer Notbetreuung bis 15 Uhr und Angeboten bis 16 Uhr“, sagt Kalan. Die Protestaktion hielt er „für keine gute Lösung“ und bezeichnete sie als „unvernünftig“. Die Kinder bekämen doch bis 13 Uhr Unterricht. „Sie müssen doch zur Schule gehen“, zeigte er sich entgeistert über die Pläne.

Nach dem Gespräch mit dem Schulleiter über die Bemühungen der Bildungsbehörde informierte die Elternsprecherin die weiteren Eltern, die allerdings nicht alle der Meinung waren, dass die Aktion abgesagt werden soll. Waldeta Iljazi hat aber Verständnis für den Schulleiter und weiß, dass er „nichts machen kann“. Sie honoriert auch seinen Einsatz in der Klasse. „Er ist ein freundlicher Mensch und tut mir leid“, sagt sie.

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