Stellenabbau droht Hilfe für Thyssen-Standort in Farge

SPD und Bürgermeister Andreas Bovenschulte wollen mit der Konzernleitung von Thyssen-Krupp über den angekündigten Stellenabbau im Farger Werk sprechen. Die Geschäftsführung soll am Standort festhalten.
02.10.2020, 06:05
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Hilfe für Thyssen-Standort in Farge
Von Christian Weth

Im Sommer hat sich die SPD das erste Mal in einem Schreiben an Thyssen-Krupp gewandt, jetzt bekam die Konzernspitze erneut Post von ihr: Landesverband, Unterbezirk und Bürgerschaftsfraktion appellieren abermals an die Essener Geschäftsführung, in vollem Umfang am Standort in Farge festzuhalten – und keine weiteren Stellen abzubauen. Die Partei ist nicht die einzige, die sich nach der Ankündigung des Großunternehmens, bundesweit 500 Arbeitsplätze bei der Engineering-Sparte zu streichen, für das Werk im Bremer Norden einsetzt.

Betriebsratschef Guido Heinrich sagt, dass er in dieser Woche mehrere Anrufe bekommen hat, in dem es um Solidarität mit den Beschäftigten und dem Standort ging. Erst meldete sich SPD-Landesvorsitzende Sascha Karolin Aulepp bei ihm, dann Bürgermeister Andreas Bovenschulte (ebenfalls SPD). Laut Heinrich kündigte Aulepp das Schreiben an die Konzernleitung an und Bovenschulte sofortige Hilfe. Wie die aussehen könnte, skizzierte jetzt Senatskanzleisprecher Peter Lohmann. Ihm zufolge will der Bürgermeister das Gespräch mit Konzernbetriebsrat und Konzernleitung suchen.

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Das will auch die SPD. In ihrem Schreiben an die Essener Geschäftsführung kündigen mehrere Parteivertreter an, für ein Treffen jederzeit bereitzustehen. Zu den Unterzeichnern gehören neben Aulepp sowohl Fraktionschef Mustafa Güngör als auch Unterbezirksvorsitzende Ute Reimers-Bruns. Alle drei bekräftigen noch mal, was die SPD in ihrer ersten Post an die Konzernspitze erklärt hat: Dass es sich aus ihrer Sicht für Thyssen-Krupp lohnt, am Farger Standort festzuhalten – und sich ein Personalabbau oft kontraproduktiv auswirkt, wenn es um Restrukturierung und Neuaufstellung eines Geschäftsbereichs geht.

Der Konzern hat am Dienstag den 3500 Beschäftigen der sechs Engineering-Standorte mitgeteilt, was geschehen soll. Er will die Entwicklung von Montageanlagen splitten: Drei Werke sollen nur noch Produktionsstraßen für den Bau von Autokarosserien entwerfen, drei für den Bau von Antrieben. Zudem kündigte Thyssen-Krupp an, 800 Stellen abzubauen, davon 500 in Deutschland. Seine Entscheidung begründet das Unternehmen mit einem Einbruch bei den Auftrags- und Umsatzzahlen – und damit, dass dieser Einbruch durch die Corona-Krise verschärft wurde. Der Firmenumbau soll sofort beginnen.

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IG Metall und Betriebsrat kritisieren, dass der Konzern mit einem neuen Strukturprozess beginnt, obwohl der alte noch nicht abgeschlossen ist – Montageanlagen für Elektroantriebe zu entwickeln statt für Verbrennungsmotoren. Und dass ein Stellenabbau auf den nächsten folgt. Firmenleitung und Arbeitnehmervertreter hatten sich erst im Vorjahr darauf verständigt, bei einer Neuausrichtung die Zahl der Arbeitsplätze in Farge um 230 zu verringern. Laut Heinrich werden im Bremer Werk demnächst 650 Menschen arbeiten statt 880. Wie viele Stellen dort jetzt zusätzlich wegfallen sollen, lässt der Konzern offen.

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