Schulumbau Lehmhorster Straße: Unternehmer rügt Vergabepraxis der Stadt Streit um verlorenen Auftrag

Mit der Großbaustelle am Schulzentrum Lehmhorster Straße hat Immobilien Bremen (IB) wenig Freude. Ende Mai trennte sich das städtische Baumanagement von einem seiner Haupt-Auftragnehmer. Ersatz musste her, und zwar möglichst schnell, denn der millionenschwere Umbau der Schule sollte nicht ins Stocken geraten. Ein Rönnebecker Unternehmer fühlt sich nun bei der Neuvergabe der unerledigten Arbeiten von IB mies behandelt.
13.06.2013, 05:00
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Streit um verlorenen Auftrag
Von Jürgen Theiner

Mit der Großbaustelle am Schulzentrum Lehmhorster Straße hat Immobilien Bremen (IB) wenig Freude. Ende Mai trennte sich das städtische Baumanagement von einem seiner Haupt-Auftragnehmer. Ersatz musste her, und zwar möglichst schnell, denn der millionenschwere Umbau der Schule sollte nicht ins Stocken geraten. Ein Rönnebecker Unternehmer fühlt sich nun bei der Neuvergabe der unerledigten Arbeiten von IB mies behandelt.

Blumenthal. Auf Immobilien Bremen ist Jan-Gerd Kröger schlecht zu sprechen. Als Retter in der Not sah sich Kröger schon, denn ein solcher wurde gebraucht, als IB vor zwei Wochen ein inzwischen insolventes Unternehmen aus Niedersachsen von der Baustelle Lehmhorster Straße abberief. Verteilt auf drei Bauabschnitte, sollen am dortigen Schulzentrum zusätzliche Klassen- und Fachräume, sogenannte Jahrgangshäuser und eine Cafeteria entstehen. Die Firma aus Niedersachsen hatte die Ausschreibung gewonnen, bekam den Rohbau aber nicht so auf Reihe, wie sich IB das vorgestellt hatte.

An diesem Punkt kam Jan-Gerd Kröger ins Spiel. "Ende vorletzter Woche erhielt ich einen Anruf von Immobilien Bremen. Ich sollte schnell ein Angebot zusammenschreiben für die restlichen Rohbauarbeiten", erinnert sich Kröger an den Beginn eines großen Ärgernisses. "Mir wurde signalisiert, dass der entsprechende Auftrag kurzfristig erteilt würde." Eine Vorab-Bitte hatten die IB-Leute allerdings. Ob Kröger schon mal ganz fix einen neuen Bauzaun installieren könne, denn die Niedersachsen seien gerade im Begriff, ihren eigenen abzubauen. Und eine Baustelle muss nun mal gesichert sein.

"Kein Benehmen, kein gar nix"

Kröger trieb auf die Schnelle eine Umzäunung auf, so dass die Baustelle nicht stillgelegt werden musste. Mit dem Auftrag für die eigentlichen Bauarbeiten zögerte IB jedoch. "Ich habe nach ein paar Tagen hinterhertelefoniert, und da hieß es zunächst, man sei noch am Überlegen. Wenig später wurde mir dann ausgerichtet, ich bekäme den Zuschlag leider doch nicht", schildert Kröger den weiteren Gang der Dinge. Nun fühlte sich der Rönnebecker Bauunternehmer mittelschwer veräppelt. Oder präziser: ausgenutzt. "Als IB dringend einen Bauzaun brauchte, war ich gut genug. Aber als es dann um den Auftrag ging, hieß es: April, April!", ärgert sich Kröger. Sein Urteil über IB fällt kurz und eindeutig aus: "Kein Geld, kein Benehmen, kein gar nix."

Nun ist Jan-Gerd Kröger nicht irgendwer, sondern Innungs-Obermeister des Bremer Bauhandwerks. Wenn so jemand IB ein derartiges Zeugnis ausstellt, hat das eine gewisse Brisanz. Wie reagiert man darauf bei Immobilien Bremen? "Das ist unglücklich gelaufen, das räumen wir gerne ein", sagte IB-Sprecher Peter Schulz gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Hintergrund war demnach eine fehlerhafte Kostenschätzung für die noch ausstehenden Bauleistungen. "Es ging um Restarbeiten, die Beseitigung einiger Mängel und ein Treppenpodest. Alles in allem gingen wir zunächst von insgesamt 11000 Euro aus", so Schulz. Einen solchen Auftrag hätte IB nach dem Bremischen Vergabegesetz "gerade noch freihändig vergeben können", also ohne Ausschreibung. Bei näherer Betrachtung habe sich jedoch herausgestellt, dass der Auftragswert rund 30000 Euro erreichte. IB sei deshalb gezwungen gewesen, die Gewerke an eine andere Firma zu vergeben, mit der ein Rahmenvertrag für Ad-hoc-Einsätze besteht. Peter Schulz hofft nun, dass Jan-Gerd Kröger nicht dauerhaft mit IB gebrochen hat. Er sei eingeladen, sich an der Ausschreibung für den nächsten Bauabschnitt zu beteiligen.

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