Neurönnebecker TV

Tabellenführer zieht zurück

Der Neurönnebecker TV schrieb in der Fußball-Kreisliga A Bremen ein dunkles Kapitel seiner Vereinsgeschichte. Der Tabellenführer zog vor dem Spiel gegen SV Werder Bremen IV die Reißleine.
05.03.2020, 14:53
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Von Reiner Tienken

Der Neurönnebecker TV schrieb in der Fußball-Kreisliga A Bremen ein dunkles Kapitel seiner Vereinsgeschichte. Der Tabellenführer zog vor dem Spiel gegen SV Werder Bremen IV die Reißleine und meldete sein Team überraschend vom Spielbetrieb ab. Ein Rücktritt – auf der Trainer- und viele Abgänge auf der Spielerseite – lösten den Schritt aus.

„Das tut mir in der Seele weh“, bekräftigte der ehemalige Vereinsvorsitzende Sven Rühlke nach dem unrühmlichen Abgang. Zu knabbern hat das einstige Vereinsoberhaupt auch deshalb, weil der Neurönnebecker TV ein echter Traditionsverein in Bremen-Nord ist. 1880 wurde der Verein aus der Taufe gehoben. Kurz vor der Winterpause deutete noch wenig auf den Super-Gau an der Turnerstraße hin. Im Spätherbst hatte der Neurönnebecker TV einen neuen Vorstand gewählt. Sven Rühlke gab sein Amt aus beruflichen Gründen ab. Mit Gerhard Richter (Vorsitzender, Tischtennis-Sparte) und Oktay Özdemir (Stellvertreter, Fußball-Abteilung) an der Spitze.

Nach dem plötzlichen Tod von Gerhard Richter, bei dem die Fäden zusammen liefen, stand der Verein von der Turnerstraße im Winter vor einem Scherbenhaufen. Oktay Özdemir nahm von seinem mündlich gegebenen Versprechen, den zweiten Vorsitzenden beim Neurönnebecker TV zu bekleiden, kurzerhand wieder Abstand. „Ich habe zum Glück nirgendwo unterschrieben“, sagte Oktay Özdemir nach seiner kurzen Verweildauer als stellvertretender Vereinsvorsitzender.

Oktay Özdemir machte trotz der Erfolge bereits kurz vor der Winterpause eine Negativentwicklung beim Titelkandidaten aus. Der Erfolgscoach warf die Brocken beim Spitzenreiter der Kreisliga A hin. „Ich wollte eine Pause machen“, begründete Oktay Özdemir zunächst seinen Trainer-Rücktritt. Noch einmal nachgehakt, gab der Ex-Trainer weitere Gründe für seine Demission an.

„Ich war ein bisschen sauer auf die Mannschaft. Mein Rücktritt hatte auch private Gründe. Psychisch konnte ich es nicht mehr. Ich musste aufhören“, legte Oktay Özdemir nach. Mit dem Abgang von Oktay Özdemir, der viele Spieler an die Turnerstraße lotste, brach das Kartenhaus beim Traditionsverein zusammen. Verteidiger Halil Acar trat beim Neurönnebecker TV kurzfristig die Nachfolge als Trainer an, ehe auch er die Segel strich.

Die Turbulenzen im Verein brachten das Spieler-Karussell dann kräftig ins Rotieren. Inzwischen zeichnet sich eine große Spieler-Wechselbewegung vom Neurönnebecker TV zum TSV Lesum-Burgdamm ab. Fußball wird nach der NTV-Abwanderungswelle in der Frühjahrsserie 2020 nur noch im fortgeschrittenen Alter an der Turnerstraße gespielt. Die Alte Herren Ü 40 und Ü 50 des Neurönnebecker TV betreiben eine Spielgemeinschaft (SG) mit dem Blumenthaler SV.

„Für mich ist die Abmeldung eine ganz traurige Nachricht“, brachte der Ex-Erfolgstrainer Oktay Özdemir die jüngste Entwicklung beim Neurönnebecker TV auf einen Nenner. Eben jener Oktay Özemir hatte den Verein als Trainer noch in der Vorsaison mit einer beeindruckenden Torzahl (177) als Vizemeister der Kreisliga B (Meister: SV Hemelingen II) in die Kreisliga A geführt. Durch die Abmeldung des Neurönnebecker TV, der damit als erster Absteiger aus der Staffel feststeht, hat der SV Eintracht Aumund im Titelrennen der Kreisliga A nun gute Chancen. Die Elf von Trainer Marcel Wätjen führt nun die Tabelle vor dem SVGO Bremen (2.) und dem TV Eiche Horn (3.) an.

Wie geht es nun weiter mit dem Neurönnebecker TV? Es wurde laut Sven Rühlke nach den jüngsten Turbulenzen kein Notvorstand gefunden. Der Verein bangt so aktuell um seinen Fortbestand. „Wir sind derzeit mit dem Landessportbund in Gesprächen“, deutete Stefan Eisenbarth aus der Tischtennis-Sparte diesbezüglich an. Der Neurönnebecker TV nahm Kontakt mit öffentlichen Stellen auf, um den Traditionsverein von 1880 etwas aus der Klemme zu helfen. Stefan Eisenbarth geht davon aus, dass noch in diesem Monat eine Entscheidung über die Zukunft an der Turnerstraße fällt. Es sollen alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um im März 2020 nicht das letzte Kapitel der Vereins-Historie zu schreiben.

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