Neue Konzepte für die Sanierung Tanklager Farge: 200 Tonnen Benzin im Boden

Die bisherige Sanierung des verunreinigten Grundwassers im Tanklager Farge zeigt kaum Erfolge. Deshalb wurden jetzt Ingenieurbüros gebeten, neue Ideen zu entwickeln.
26.08.2020, 05:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Gabriela Keller

Der Verladebahnhof II ist das Zentrum der Bodenverseuchung, die seit Jahren vom Tanklager ausgeht. Jetzt soll eine Antwort auf die Frage gefunden werden, wie das schadstoffbelastete Gelände am Verladebahnhof II schneller saniert werden kann. Mehrere Ingenieurbüros haben sich im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Gedanken gemacht. Die Ergebnisse und ihre Pläne werden am Dienstag, 1. September, öffentlich vorgestellt.

Die Bima ist verantwortlich für die Altlastenproblematik im Bereich der zwei Verladebahnhöfe auf dem Tanklager-Gelände –und für die Suche nach einem Ausweg. Für den Bahnhof II hatte die Bima in diesem Jahr deshalb einen Planungswettbewerb ins Leben gerufen. Aufgabe der Fachbüros: Sanierungsvarianten für das Areal zu entwickeln. Sieben Büros haben sich laut Rainald Brede, bei der Bima in Berlin zuständig für das Altlastenmanagement, beworben. Die Bewertungskommission hat vier Konzepte in die engere Wahl genommen. Ursprünglich sollten sie laut Brede bereits Ende April/Anfang Mai vorgestellt werden. Corona kam dazwischen.

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Am 1. September werden nun die Ingenieurgesellschaften Arcadis mit Hauptsitz in Darmstadt, HPC/Niederlassung Bremen und Umtec aus Bremen sowie die Ingenieurbüros S.I.G aus Bentwisch in Mecklenburg-Vorpommern und Baugrund Stralsund als Projektgemeinschaft ihre Konzepte vorstellen. Die Vorstellung der Ergebnisse beginnt um 13 Uhr. Der Präsentation schließt sich ab 16.45 Uhr eine Diskussion mit der Bewertungskommission und den anwesenden Bürgern an. Den Veranstaltungsort erfahren die Teilnehmer bei Anmeldung.

Wegen der Corona-Regeln ist die Teilnehmerzahl begrenzt. Interessierte müssen sich schriftlich mit Angabe von Name, Anschrift, Telefonnummer und E-Mailadresse bei der Bima anmelden: per E-Mail an Rainald Brede (rainald.brede@bundesimmobilien.de) oder per Post an die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, ZEPM 4205, Fasanenstraße 87, 10623 Berlin. Die Plätze werden nach dem Eingang der Anmeldungen vergeben, eine Benachrichtigung erfolgt.

Gefahr für Trinkwasser

Am Verladebahnhof II sind während der Nutzung des Tanklagers, das 2013 stillgelegt wurde, nach jetzigen Stand knapp 200 Tonnen Benzin in den Boden gelangt. Durch versickerndes Regenwasser gelangen die Schadstoffe nach und nach in das Grundwasser und könnten damit zu einer Gefahr für das Trinkwasser werden. Besonders im Blickpunkt steht dabei der Trinkwasserbrunnen 16.

Im Blumenthaler Beirat hatte Rainald Brede von der Bima im vergangenen Jahr berichtet, dass die Schadstoffe im Bereich des Verladebahnhofs II bis zu einer Tiefe von 14 bis 15 Metern in den Boden eingedrungen seien. Seit Dezember 2017 läuft ein Feldversuch zur Bodensanierung. Dabei werden leicht flüchtige aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) durch Zugabe von Sauerstoff abgebaut.

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Bereits seit 2010 wird über eine hydraulische Sicherungsanlage am Verladebahnhof II schadstoffbelastetes Grundwasser über Brunnen gefördert, gereinigt und abseits des Schadensbereichs wieder versickert. Die sich an der an der Grundwasseroberfläche ansammelnde Kraftstoffphase wird abgeschöpft. Nach Angaben von Rainald Brede sind in den vergangenen zehn Jahren rund 90 Kubikmeter Kraftstoff entfernt worden.

„Bisher kaum Effekt“

„Die Maßnahme hat bisher kaum einen Effekt gezeigt, der Zufluss an Schadstoffen in das Grundwasser lässt nicht nach. Das zeigt, wie viel da noch im Boden steckt.“ Mit diesem Verfahren könne sich die Sanierung noch sehr lange hinziehen. „Das wollen wir abkürzen. Mit dem Wettbewerb haben wir Ideen gesucht, wie wir den Schaden schneller beheben können.“ Nach der öffentlichen Vorstellung am 1. September soll die Bewertungskommission zügig entscheiden, welches Gutachten den Zuschlag erhält. Bis Mitte September wolle er eine Entscheidung haben, sagt Rainald Brede.

Die Bima hat inzwischen weitere Schritte im Zusammenhang mit der Sanierung auf dem Tanklager-Gelände eingeleitet. Laut Brede ist der Geologische Dienst Bremen damit beauftragt, ein Grundwassermodell zu erstellen. Ziel sei, die Entwicklung der Schadstofffahnen in der Vergangenheit nachvollziehbar zu machen und daraus eine Prognose für die Zukunft abzuleiten. Dabei geht es nach seinen Worten vor allem um den Schutz des Trinkwasserbrunnens 16 vor Schadstoffen. Der Brunnen befindet sich in der Straße Am Striekenkamp in Blumenthal. Am Verladebahnhof I werden laut Brede seit zwei Jahren über eine hydraulische Sicherungsanlage Schadstoffe aus dem Grundwasser geholt. Derzeit laufen dort nach seinen Angaben Bodenuntersuchungen. Mit Ergebnissen rechne er in zwei bis drei Monaten.

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