Bremer Standort in Schwierigkeiten Thyssen-Krupp leitet Stellenabbau in Farge ein

Im Vorjahr hat Thyssen-Krupp 230 Stellen im Farger Werk gestrichen, jetzt sollen weitere 74 Arbeitsplätze wegfallen. Der Betriebsrat geht davon aus, dass der Personalabbau bis März abgeschlossen sein soll.
06.01.2021, 06:00
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Thyssen-Krupp leitet Stellenabbau in Farge ein
Von Christian Weth

Thyssen-Krupp hat damit begonnen, den zweiten Stellenabbau bei seiner Engineering-Sparte einzuleiten: Wurden im vergangenen Jahr allein am Standort Farge 230 Stellen gestrichen, sollen jetzt noch einmal 74 Jobs im Werk an der Richard-Taylor-Straße wegfallen. Nach Angaben des Betriebsrats macht die Konzernspitze mittlerweile Tempo. Die Arbeitnehmervertretung geht davon aus, dass bis März der Personalabbau abgeschlossen sein soll.

Kurz vor Weihnachten haben sich Gewerkschaft und Geschäftsführung auf einen neuen Interessenausgleich verständigt. Seitdem ist die erneute Stellenreduzierung beim Thyssen-Werk in Farge quasi beschlossene Sache. Guido Heinrich sagt, dass es nicht nur eine bestimmte Gruppe an Beschäftigten treffen kann, sondern Arbeitnehmer aller Unternehmensbereiche. Der Betriebsratschef des Farger Werks spricht vom Elektriker, Schlosser, Einkäufer, von Verwaltungskräften, Anlagenplanern, Haustechnikern.

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Ihm zufolge hat der Konzern inzwischen angefangen, Mitarbeiter zu fragen, ob sie bereit sind, gegen Zahlung einer Abfindung das Unternehmen zu verlassen. Solche Gespräche, sagt Heinrich, werden seit Anfang Dezember geführt. Nach Angaben des Betriebsratschefs will die Geschäftsführung fast doppelt so viele Beschäftigte ansprechen wie am Ende tatsächlich gehen sollen. Er rechnet damit, dass die Verhandlungen mit einzelnen Arbeitnehmern noch bis Mitte des Monats andauern werden.

Nach seinen Worten gibt es zwei Szenarien: Entweder wechseln die betroffenen Beschäftigten sofort in eine Transfergesellschaft oder Anfang März. Sollten sich weniger als 74 Mitarbeiter dazu bereit erklären, schließt Heinrich nicht aus, dass der Konzern zu anderen Mittel greift, um die Zahl der Arbeitsplätze am Standort Farge zu verringern. Laut Heinrich ist der vorangegangene Abbau von 230 Stellen gerade erst beendet worden. Ende Dezember, sagt er, sind die letzten Betroffenen gegangen.

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Für ihn macht der Konzern quasi in diesem Jahr genau dort weiter, wo er im vergangenen aufgehört hat. Was laut Heinrich ein weiterer Schlag für den Standort an der Richard-Taylor-Straße ist, nennt Unternehmenssprecher Konrad Böcker anders: eine Einigung zur Restrukturierung des automobilen Anlagenbaus von Thyssen-Krupp. Im Mai hatte der Konzern erstmals angekündigt, dass es weitere Veränderungen geben wird, um auf ausbleibende Aufträge zu reagieren.

Nach Böckers Zahlen fallen in allen sechs Engineering-Werken in Deutschland 385 Arbeitsplätze weg. Außerdem wird die Sparte in zwei Unternehmen aufgeteilt – in eine Firma für Karosseriebau und eine für Antriebstechnik. Das Werk in Farge wird dem zweiten Bereich zugeschlagen. Die Neuausrichtung begründet der Konzern damit, die Effizienz steigern zu wollen. Anders als Betriebsratschef Heinrich. Er geht davon aus, dass die Standorte kleiner gemacht werden, um sie besser verkaufen zu können.

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Davon war zuletzt zwar keine Rede mehr, aber im Frühjahr, als die Essener Zentrale einen weiteren Umbau der Engineering-Sparte ankündigte. Damals hieß es, dass Thyssen-Krupp entweder einen Partner für die Werke sucht oder jemanden, der sie ganz übernimmt. Heinrich sagt, dass der Konzern noch immer sucht. Und dass genau deshalb die Beschäftigten schwer enttäuscht sind: Ihre Bemühungen, den Standort zu sichern, haben nicht gereicht – auf den einen Stellenabbau folgt gleich der nächste.

Um das Schlimmste abzuwenden, haben sich mittlerweile auch Politiker und Senatoren eingeschaltet. Sie wollen verhindern, dass am Ende passiert, was passieren kann, wenn der Konzern keinen Partner oder Käufer findet: das Aus des Standortes.

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