Nordbremer Standort in Schwierigkeiten Thyssen-Krupp: Wie der Stellenabbau in Farge voranschreitet

Erst wurden 230 Stellen bei Thyssen-Krupp in Farge gestrichen, jetzt sollen weitere 74 Jobs abgebaut werden. Laut Betriebsrat haben sich inzwischen 60 Beschäftigte bereit erklärt, das Unternehmen zu verlassen.
16.02.2021, 05:00
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Thyssen-Krupp: Wie der Stellenabbau in Farge voranschreitet
Von Christian Weth

Thyssen-Krupp ist dabei, den zweiten Stellenabbau bei seiner Engineering-Sparte abzuschließen: Wurden im vergangenen Jahr allein am Standort Farge 230 Stellen gestrichen, sollen jetzt noch einmal 74 Jobs im Werk an der Richard-Taylor-Straße wegfallen. Die Konzernspitze setzt darauf, dass Beschäftigte freiwillig gehen. Nach Angaben des Betriebsrats haben inzwischen rund 60 Beschäftigte unterschrieben, ab nächsten Monat in eine Transfergesellschaft zu wechseln beziehungsweise so das Unternehmen zu verlassen.

Ob in den nächsten Wochen noch weitere 14 Mitarbeiter gefunden werden, die gegen Zahlung einer Abfindung ausscheiden, ist unklar. Und damit auch, ob der Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen vonstattengeht. Guido Heinrich sagt, dass es diesmal Beschäftigte aus allen Bereichen des Unternehmens treffen kann. Der Betriebsratschef des Farger Werks spricht auch von Arbeitsplätzen der zentralen Verwaltung, die wegfallen könnten. Ihm zufolge sucht die Werksspitze seit Dezember nach Arbeitnehmern, die freiwillig gehen.

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Nach seinen Worten setzt der Konzern einfach um, was er vor Längerem angekündigt hat – ohne dabei von seinem Kurs abzurücken. Dabei haben mehrere Politiker versucht, für den Standort zu werben und die Unternehmensspitze davon abzubringen, weitere Stellen zu streichen. Heinrich sagt, dass CDU-Abgeordnete im Werk waren, um mit der Geschäftsführung zu sprechen. Und sich die SPD genauso wie Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke) für den Erhalt von Arbeitsplätzen eingesetzt haben. Nur eben nicht mit dem erhofften Erfolg.

Ute Reimers-Bruns sagt, dass ihre Partei trotzdem nicht klein beigeben wird. Die Chefin der Nordbremer SPD gehörte zu den Unterzeichnern eines Briefes an den Konzern und war dabei, als sich mehrere Mitglieder der Fraktion mit Vertretern der Essener Geschäftsführung in Farge trafen. Genauso wie Volker Stahmann. Der wirtschaftspolitische Sprecher meint, dass Thyssen-Krupp nach dem Treffen zumindest davon abgerückt ist, die Ausbildung einzustellen. Er spricht nicht von einem Erfolg der SPD, sondern davon, sich mehr gewünscht zu haben.

Stahmann und Reimers-Bruns kündigen an, was auch die CDU ankündigt: dass sie sich weiterhin für die Beschäftigten einsetzen werden – eben so gut, wie sie können. Die Parteien wissen, dass sie keine Macht haben, Thyssen-Krupp irgendein Zugeständnis abzuringen. Beide wollen trotzdem Forderungen stellen, wenn der Konzern das Werk in Farge verkaufen oder es mit einem neuen Partner weiterbetreiben sollte, wie er es vor Längerem angekündigt hat. Und sie erwarten, dass sich alle mit dem Nordbremer Standort befassen, wenn es so weit kommt. Auch der Senat.

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