Wirt fürchtet um Existenz

Gaststätte kontra Wohnungsbau

Ein Wirt wehrt sich gegen ein Neubauprojekt in Farge. Er befürchtet Klagen, wenn neben seinem Lokal ein Komplex mit Wohnungen gebaut wird – und dass er sein Lokal irgendwann schließen muss.
17.03.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Gaststätte kontra Wohnungsbau
Von Christian Weth
Gaststätte kontra Wohnungsbau

Die Gaststätte Zum grünen Jäger: Wirt Carsten Köpke befürchtet Klagen, wenn neben seinem Lokal ein Komplex mit Wohnungen gebaut wird.

Christian Kosak

Carsten Köpke sagt es gleich: Wird bei ihm nebenan gebaut, kommt es zum Konflikt. Eigentlich ist der schon da. Köpke, Gastronom in dritter Generation, hat seit jeher einen Saalbetrieb – und demnächst ein Gebäude als Nachbarn, in dem auch gewohnt wird. Was für den Wirt der Gaststube Zum grünen Jäger nicht zusammenpasst. Er befürchtet Klagen, weil Partygäste nicht immer leise feiern. Und dass er irgendwann erst den Saal, dann sein Lokal schließen muss.

Seinen Fall kennen inzwischen viele. Der Wirt hat ihn den Parteien vor Ort geschildert – und in dieser Woche der Bausenatorin. Maike Schaefer (Grüne) soll verhindern, was die Beiratsfraktionen nicht verhindert haben. Im Grunde soll sie mehr als das: rückgängig machen, was ihre Behörde und die Stadtteilpolitiker erst möglich gemacht haben. Dass auf dem Grundstück nebenan auch Wohnungen gebaut werden dürfen, haben ihm zufolge alle gewollt. Ohne dabei an die Folgen für ihn zu denken.

Saalbetrieb macht zwei Drittel des Umsatzes aus

Köpke hat der Behördenchefin geschrieben, was er zuvor den Blumenthaler Mandatsträgern gesagt hat: Dass die Lage nicht bloß ernst, sondern existenzbedrohend ist. Dass ein Aus sowohl ihn als auch seine Söhne treffen würde, die inzwischen ins Unternehmen eingestiegen sind. Und dass vor Corona das Restaurant gut lief, aber der Saalbetrieb noch besser. Zwei Drittel des Umsatzes, sagt Köpke, machen Hochzeiten, Geburtstagsfeiern, Vereinsbälle und Grünkohl-Touren aus.

Der Wirt kritisiert einerseits die Parteien, die nach seinen Worten nicht aufgepasst haben, als sie die Hand für das Bauvorhaben hoben. Und andererseits den Investor, der ihm zufolge auch kleiner bauen könnte – und nicht unbedingt Wohnungen. Das Projekt der Rhein Group Deutschland GmbH ist ein Mischprojekt. Sie plant einen Komplex, in dem unten Kitaräume und oben Appartements sind. Der Bauträger macht sozusagen genau das, was Bremen will: Betreuungsplätze und Wohnraum schaffen.

Ursprünglich sah das Konzept der Gesellschaft anders aus: Auf dem 3500 Quadratmeter großen Grundstück an der Farger Straße sollten vorne neue Gruppenräume für Kindergarten- sowie Hortkinder gebaut werden und dahinter mehrere Reihenhäuser. Doch das Bauamt hat sich dann doch umentschieden. Darum hat die Rhein Group alles in einem mehrgeschossigen Komplex vereint. Das Investitionsvolumen beziffert Projektentwickler Philip Nitzsche auf rund drei Millionen Euro.

Diskussionen beim Ortstermin

Der Planer der Rhein Group hat sich für das Vorhaben nicht nur mit Vertretern der Behörde getroffen, sondern auch mit Wirt Köpke. Sie schauten sich an, wie nah sich Saal und Wohnungen kommen und diskutierten, was unternommen werden kann, damit sich die neuen Nachbarn nicht von Gästen gestört fühlen. Oliver Fröhlich spricht von einem Ortstermin, der am Ende nicht alle Seiten zufriedengestellt hat. Der Blumenthaler Ortsamtsleiter weiß das, weil er dabei war.

Ihm zufolge hat die Rhein Group bei dem Treffen erklärt, extra schalldichte Fenster in die Wohnungsetage einzubauen, nämlich dreifachverglaste – und Köpke, nichts baulich verändern zu können, um auf die Situation zu reagieren. Weder den Ausgang zum Saal noch den Raucherbereich vor der Tür. Über beide war bei dem Treffen in erster Linie gesprochen worden. Der Gastwirt sagt, dass sein Grundstück nicht so geschnitten ist, um nachträglich noch die Wahl zu haben, wo was hinkommen könnte.

Auch wenn beide Seite bereits miteinander gesprochen haben, setzt die CDU darauf, dass sie sich auf eine Lösung verständigen. Beiratsvertreter und Stadtbezirkschef Holger Jahn findet, dass es beides geben muss – neue Kitagruppen sowie Wohnungen einerseits und eine Gaststätte wie die von Köpke anderseits. Der Unionspolitiker sagt, dass der Beirat den Beschluss für eine Wohnbebauung auf dem benachbarten Grundstück nachträglich nicht zurücknehmen wird.

Köpke kündigt dagegen an, alles unternehmen zu wollen, damit genau das geschieht. Für ihn kann es nur eines geben: entweder ein Neubau oder das Traditionslokal. Im nächsten Jahr wird es 100 Jahre alt.

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