Umfrage in Blumenthal: Angst, Armut und wenig Perspektiven

Blumenthal. Viele Blumenthaler fühlen sich als "Abfalleimer der Stadt Bremen". Zu diesem Ergebnis kommt die von der Sozialsenatorin in Auftrag gegebene Analyse zur Situation in der George-Albrecht-Straße und ihrem Umfeld. Für diese Studie hat das beauftragte Unternehmen viele Gespräche geführt – mit Alteingesessenen genauso wie mit Bewohnern des sozialen Brennpunkts. Aber auch mit Menschen und Organisationen, die sich von Berufs wegen auskennen – wie etwa Polizisten, dem Verein Bremer Integrationshilfen (Brigg) und Kindergärten.
12.06.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Christina Denker

Blumenthal. Viele Blumenthaler fühlen sich als "Abfalleimer der Stadt Bremen". Zu diesem Ergebnis kommt die von der Sozialsenatorin in Auftrag gegebene Analyse zur Situation in der George-Albrecht-Straße und ihrem Umfeld. Für diese Studie hat das beauftragte Unternehmen viele Gespräche geführt – mit Alteingesessenen genauso wie mit Bewohnern des sozialen Brennpunkts. Aber auch mit Menschen und Organisationen, die sich von Berufs wegen auskennen – wie etwa Polizisten, dem Verein Bremer Integrationshilfen (Brigg) und Kindergärten.

Während die Befragten den Umzug vieler Blumenthaler Familien in andere Stadtteile, die geringen Immobilienpreise und vielen Leerstände sowie den Sanierungsstau als Hauptprobleme des Quartiers benennen, sind es für die Menschen in der George-Albrecht-Straße ganz andere Dinge, die ihnen zu schaffen machen. Dazu zählen ihr eigener, oftmals unklarer Aufenthaltsstatus sowie der Analphabetismus. Auch von Kriegstraumata wird berichtet. Außerdem beklagten viele den Zustand ihrer Wohnungen. Weitere Probleme sähen die Bewohner darin, dass ihnen andere Menschen nur wenig Verständnis entgegen bringen, sie fühlten sich stigmatisiert. Die Befragten aus Schulen, Kindertagesstätten oder Sozialeinrichtungen berichten dagegen von Armut und Arbeitslosigkeit, Sprachbarrieren und schlechten Bildungschancen sowie fehlenden Schulangeboten für auffällige oder nicht beschulbare Kinder in Bremen-Nord.

Am Montagabend hat der zuständige Projektleiter bei der Senatorin für Soziales, Wilfried Wojke, diese Analyse im Rahmen der geplanten vernetzten Quartiersentwicklung dem Blumenthaler Beirat vorgestellt. Zunächst lieferte er Zahlen, die die Misere im Blumenthaler Ortskern widerspiegeln. Vorweg stehen dabei die derzeit 42 Leerstände. Auch zur Zusammensetzung der Bevölkerungsstruktur hat der Projektleiter Informationen gesammelt.

Insgesamt leben im Umfeld der George-Albrecht-Straße deutlich weniger Menschen als noch 2002. Die Altersstruktur unterscheidet sich dort stark von der deutlich älteren Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Auffällig: Im Vergleich zum Rest des Untersuchungsgebiets wohnen dort die meisten Kinder und Jugendlichen. Hauptherkunftsländer der Bewohner sind vor allem das ehemalige Jugoslawien (George-Albrecht-Straße) und die Türkei (Umfeld).

Lösungsansätze gebe es demnach viele. So halten es die Befragten für sinnvoll, den Bewohnern mehr Hilfe zur Selbsthilfe zukommen zu lassen, damit sie lernen, ihr Leben eigenständig zu gestalten. Außerdem sollten Kinder mehr Chancen bekommen und die Wohnsituation sich verbessern. Die Bewohner selbst wünschten sich mehr Kontakte, bessere Bildungschancen für sich sowie ihre Kinder.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+