Radlerin findet Aschegefäß Verwaiste Urne am Weserufer gefunden

Am Weserufer in Farge ist eine Urne angeschwemmt worden. Eine Frau brachte sie zu Pastor Dittmar Schütt, der das Gefäß anonym beisetzte. Der Theologe kritisiert das Bestattungsrecht in Bremen.
20.04.2020, 09:18
Lesedauer: 2 Min
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Von Imke Molkewehrum

Eine verwaiste Urne – angeschwemmt am Ufer der Weser. Dieser ziemlich verstörende Anblick bot sich einer jungen Frau vor einigen Wochen während einer Radtour auf dem Weserradweg. Da sie sich in der Nähe der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Rönnebeck-Farge befand, lud die Frau das ungewöhnliche Strandgut auf ihr Fahrrad, fuhr direkt zum Gemeindehaus und klingelte.

„Als ich die Tür öffnete stand, dort eine etwas irritierte, junge Frau. Die Urne hatte sie auf der Treppe abgestellt“, erzählt Pastor Dittmar Schütt. Bei näherem Hinsehen erkannte der Theologe, dass es sich bei dem Fundstück um eine verrottbare, versiegelte Urne handelte, auf der normalerweise auch der Name des Verstorbenen mit Geburts- und Sterbedatum zu finden ist. „Diese Daten waren aber abgerissen oder abgewaschen. Aus einem Riss rieselte außerdem schon die Asche“, schildert Schütt.

Der Pastor hält es für möglich, dass der oder die Verstorbene den Wunsch hatte, in der Weser beigesetzt zu werden. Offiziell sei dies nicht überall erlaubt. Denkbar sei allerdings, dass ein nahestehender Mensch offiziell beauftragt war, die Asche auf eigenem Grund im Garten beizusetzen. Stattdessen habe derjenige – vermutlich im Sinne des Toten – die Weser gewählt.

Das Bestattungsrecht der Bundesländer schreibt vorrangig den Weg zum Friedhof vor. In Bremen dürfen Hinterbliebene seit dem Jahr 2015 die Asche Verstorbener auch auf einem privaten Grundstück verstreuen oder die Urne dort beisetzen.

Das bremische Bestattungsrecht weise aber Lücken auf und ermögliche es, die offiziellen Auflagen zu umgehen, kritisiert Dittmar Schütt. „Mich ärgert das. Man sollte alles bis zur eigentlichen Beisetzung nahtlos dokumentieren“, fordert der Theologe. „Wenn es keine Kontrollen gibt, gibt es natürlich auch Möglichkeiten, die Vorgaben zu umgehen.“

Dittmar Schütt ist generell kein Freund des bremischen Bestattungsrechts. „Ich persönlich bevorzuge natürlich die würdige Beisetzung auf einem Friedhof“, betont der Theologe. „Wir bieten übrigens auch an, die Asche direkt ins Grab zu streuen.“

Die angeschwemmte Urne hat der 57-Jährige zeitnah und alleine auf dem kirchlichen Friedhof beigesetzt. Auf einem anonymen Gräberfeld mit zentralem Gedenkstein. „Das habe ich für mich so entschieden und mit dem Kirchenvorstand besprochen.“ Er habe das 80 Zentimeter tiefe Grab selbst ausgehoben. „Das mache ich öfter.“

Theoretisch wäre es auch möglich gewesen, die Identität des eingeäscherten Toten herauszufinden, räumt Pastor Dittmar Schütt ein. „In dem versiegelten Aschebehälter befindet sich immer ein Identifikationsstein mit einer Nummer.“ Er habe aber nicht versuchen wollen, „den Verursacher“ ausfindig zu machen. „Ich habe die Urne nicht geöffnet, das hätte das Ganze nur noch mehr entwürdigt.“ Sollten sich mögliche Nachfahren melden, sei es aber möglich, den Verstorbenen zu exhumieren.

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