Meine Woche Von Männern mit Bärten und Bäuchen

Marcell Büntig ist Vorsitzender, Nachwuchstrainer und Ü32-Kicker der TSV Farge-Rekum. Der 43-Jährige berichtet darüber, was er in den vergangenen sieben Tagen erlebt hat und was ihn bewegt hat.
19.11.2019, 15:46
Lesedauer: 4 Min
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Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 13. November: Mein Tag beginnt bereits um 5.15 Uhr. Ich lasse unsere alte Golden-Retriever-Dame Rika in den Garten. Sie freut sich des Lebens und verschwindet in der Dunkelheit. Gleichzeitig möchte unsere Katze Paula ins Haus und weicht mir keinen Schritt von der Seite, bis ich ihr endlich etwas zu futtern gebe. Gegen 5.50 Uhr geht es dann mit dem Auto zur Fähre Blumenthal. Diese nehme ich zu Fuß, um die letzten Meter zur Fassmer-Werft zu laufen. Hier arbeite ich seit 21 Jahren. Angefangen habe ich als Tischler in der Ausrüstung des Rettungsbootsbaus. Anschließend war ich zwei Jahre für Reparatur- und Serviceeinsätze weltweit im Einsatz. Ich durfte unter anderem nach Dakar und San Francisco reisen und arbeiten. Da habe ich nebenbei viel von der Welt kennengelernt. Nach diesen zwei Jahren habe ich sechs Jahre im Meisterbüro der Bootsbauausrüstung alle möglichen Vorarbeiter- und Meistertätigkeiten ausgeübt. Seit knapp acht Jahren bin ich jetzt im Qualitätsmanagement der Ausrüstung Bootsbau tätig. Pünktlich um 14.45 Uhr mache ich Feierabend und bereite mich auf das Ü32-Derby gegen Eintracht Aumund in der 3. Kreisklasse vor. In einer insgesamt fairen Partie verlieren wir leider verdient mit 1:5. Aumund ist an diesem Abend einfach die bessere Mannschaft. Auch der Schiedsrichter macht seine Sache ordentlich. Nachdem in der Presse immer mehr von „Jagdszenen“ auf Schiedsrichter berichtet wird, stehen diese mehr denn je im Mittelpunkt. Gut ist, dass die Verbände und viele Vereine ihnen den Rücken stärken. Nach dem Spiel gebe ich noch eine Kiste hopfenhaltige Getränke auf meinen 43. Geburtstag aus. Im neu eröffneten Vereinsheim in Farge lassen wir den Abend ausklingen.

Donnerstag, 14. November: Die Beine sind zwar etwas schwer vom gestrigen Spiel. Aber das ist leider nach sportlichen Aktivitäten normal geworden. Ich bin halt nicht mehr der Jüngste. Nach Feierabend fahre ich mit meinem Sohn Julian zu Deichmann ins neue Kontor nach Vegesack. Wir sind zum ersten Mal nach der Schließung des ehemaligen Haven-Höövts dort. Es ist ganz nett geworden. Wir finden dort vernünftige Hallenschuhe. Am Abend koche ich zusammen mit meiner Frau Geertruida (Trudi) einen leckeren Nudel-Spinat-Auflauf.

Freitag, 15. November: Um 13 Uhr mache mich auf den Weg nach Hause. Beim Tee mit Trudi tauschen wir uns über unsere TSV Farge Rekum aus, bei der wir seit sechs Jahren im Vorstand arbeiten. Trudi war zunächst die Vorsitzende, ich ihr Stellvertreter. Nach vier Jahren bin ich dann auf die erste Position gegangen, während Trudi die Geschäftsführung übernahm. Mit Katja Beyer, der jetzigen 2. Vorsitzenden, und Jerome Schröder, unserem Kassenwart, sind wir gut besetzt. Mittlerweile stehen wir wieder auf gesunden Füßen und haben auch eine Menge bewegen können. Meine Frau und Jerome haben aus meiner Sicht den größten Anteil an der positiven Entwicklung. Krass, wie viel Herzblut die beiden in den Verein stecken. Am Nachmittag bereite ich das erste Hallentraining für meine U15 am morgigen Tag vor. Den 15-köpfigen Kader trainiere ich zusammen mit meinen Co-Trainern Kai Jachens und Markus Hadan. Wir sind sowohl Meister in der Sommer- als auch in der Winterrunde geworden. Mit neun Siegen aus neun Spielen und einem Torverhältnis von 80:6 haben die Spieler gezeigt, wie toll sie sich entwickelt haben. Ich habe beim Verband angemeldet, dass wir gerne eine Liga überspringen möchten, um in der kommenden Sommerrunde in der Bezirksliga zu spielen. Nun steht aber erst einmal die Futsal-Stadtliga in der Winterpause an. Da wollen wir auch für Furore sorgen. Abends gehe ich mit meiner Frau zur Tanzschule „Casa de la Danza“ in Vegesack. Es ist eine tolle Abwechslung zum Alltag.

Sonnabend, 16. November: Von 13 bis 15 Uhr ist in unserer vereinseigenen Sporthalle das erste Hallentraining für meine C-Jugend angesetzt. Zum Aufwärmen absolvieren die Jungs den „Sechs-Minuten-Handball-Gedächtnislauf“, eine Laufeinheit, die ich mir bei unserem Handballtrainer Andre Franke abgeguckt habe. Danach gibt es eine Passübung mit wechselnden An- und Mitnahmeformen sowie Ballführungsarten, um sich an den Futsal-Ball zu gewöhnen. Auch beim Spielen achten wir schon auf die Futsal-Hallenregeln. Gegen 16.30 Uhr fahre ich mit meiner Frau in die Sauna, wo wir bis in die späten Abendstunden die Ruhe und den ein oder anderen Aufguss genießen.

Sonntag, 17. November: Wir bestreiten um 12 Uhr mit der Ü32 unser letztes Heimspiel der Vorrunde gegen den ESV Blau-Weiß. Ich selbst spiele nur die ersten 20 Minuten, da ich um 13 Uhr schon wieder Training mit meiner Jugend habe. Zu diesem Zeitpunkt führen wir bereits mit 2:0 durch Tore von Timo Holstein und Stefan Lietz. Am Ende gewinnen unsere „Männer mit Bärten und Bäuchen“ souverän mit 5:1. Zum Abschluss der Hinrunde stehen wir damit auf einem guten vierten Platz. Das Training mit der Jugend läuft gut. Co-Trainer Markus Hadan hat seinen gefürchteten Parcours mit acht Stationen aufgebaut. Von „Planke“ bis „Medizinball-Werfen“ ist alles dabei. Das Team zieht voll mit und schont sich nicht. In der Zeit, in der die Jungs duschen, quatsche ich mit den Eltern. Für mich ist das total wichtig, denn auch die Eltern gehören zum Team und müssen sich wohlfühlen.

Montag, 18. November: Nach Feierabend fahre ich noch schnell zum Baumarkt, um neue Leuchtmittel für die Bremslichter des Autos meiner Frau zu kaufen. Anschließend bereite ich das Training meiner U15 am Abend vor, das wieder sehr gut besucht ist. Schwerpunkte sind Pass- und Schnelligkeitstraining. Nach dem Training bereite ich mich auf eine morgen Abend stattfindende Ideen-Veranstaltung vor. Auf dem Schlackeplatz unserer Sportanlage soll in einigen Jahren eine Gesamtgrundschule Farge/Rekum gebaut werden. Uns würde demnach ein Fußballplatz mit Flutlichtanlage fehlen. Die Politik hat unserem Verein aber versprochen, dass wir vor dem Bau der Schule auf dieser Fläche einen zweiten Fußballplatz bekommen, im besten Fall als Kunstrasen.

Dienstag, 19. November: Das Treffen „Ideenfindung Sportanlage Farge“ in unserem Vereinsheim ist gut besucht. Einige gute Ideen werden zu Protokoll gebracht. Uns ist es als Vorstand wichtig, dass alle bei solch wichtigen Themen mit eingebunden werden. Wir spielen stets mit offenen Karten und sind für jeden immer ansprechbar. Die Vorstandsarbeit geht aber schon oftmals an die Substanz. KH

Yannick Sachau, der Torwart des Fußball-Bezirksligisten Schwanewede, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Marcell Büntig (43)

fungiert als Vorsitzender der TSV Farge-Rekum. Seit 16 Jahren ist er mit Geertruida Büntig verheiratet, mit der er die Kinder Vanessa (16) und Julian (14) hat. Büntig arbeitet auf der Fassmer-Werft im Qualitätsmanagement Bootsbau.

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