Grundschule Pürschweg in Lüssum Wo Kinder spielend lernen

Die Grundschule Pürschweg hat ein Spielezimmer eingerichtet. Die Ausstattung dafür hat sie in einem Wettbewerb gewonnen.
27.01.2019, 16:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Sechs Drittklässler haben sich um einen Tisch versammelt und spielen „Story Line“. Karten in verschiedenen Farben zeigen Substantive, Verben oder Adjektive, die durch Bilder anschaulich gemacht werden. Sie geben Impulse für eine Geschichte, die von den Kindern gemeinsam nach und nach entwickelt wird. „Es war einmal auf einem Bauernhof. Dort geisterte ein böser Jäger umher, der zog ins nächste Dorf und machte viele Kinder zornig und ängstlich.“

Das ist erst der Beginn der fantastischen Geschichte, die von den Kindern immer weiter gesponnen wird. Bei der Entwicklung des Roten Fadens für die Geschichte ziehen alle an einem Strang. „Das Spiel ‚Story Line‘ fördert enorm die sprachlichen Fähigkeiten, die Fantasie und auch das kooperative Verhalten“, stellt Jewgenia Obreiter fest.

Im neuen Spielezimmer der Grundschule Pürschweg gibt die Erzieherin den Kindern Hilfestellungen, indem sie zum Beispiel die Regeln eines neuen Spiels erklärt. Die Ausstattung für das Spielezimmer hat die Schule in einem Wettbewerb der bundesweiten Initiative „Spielen macht Schule“ gewonnen. Sie hatte dafür im vergangenen Jahr ein pädagogisches Konzept eingereicht, das Ideen und Vorstellungen rund um ein Spielzimmer an der Schule vorstellt. Damit überzeugte die Grundschule die Jury. Bereits zum zwölften Mal hat die Initiative, die vom Verein „Mehr Zeit für Kinder“ und dem Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm ins Leben gerufen wurde, den Wettbewerb ausgeschrieben. In allen 16 Bundesländern gibt es in diesem Jahr 201 Gewinner. Bundesweit sind es inzwischen mehr als 2200 Schulen, an denen gespielt wird.

„Kinder unterscheiden nicht zwischen Lernen und Spielen, sie lernen beim Spiel“, hat der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer einmal festgestellt. Lernen gehört immer dazu, wenn Kinder das breite Spektrum von Kompetenzen und Fähigkeiten auf ihrem Weg zu reifen Erwachsenen trainieren: soziales Verhalten wie zum Beispiel Kooperation oder gegenseitige Toleranz, Spracherwerb, logisches und räumliches Denken – viele Bereiche des Lernens können durch geeignete Spiele gefördert werden.

„Mit unserer Spieleauswahl bieten wir den Kindern eine echte Alternative zu Playstation oder Handy. Die Spiele sollen Kompetenzen stärken, vor allem auch im sozialen Bereich“, sagt Jewgenia Obreiter. Zusammen mit drei weiteren Mitarbeitern an der Schule hat sie den Antrag der Grundschule Pürschweg für den Wettbewerb konzipiert. Etwa 85 Prozent der rund 300 Kinder an der Schule haben einen Migrationshintergrund. „Durch die Spiele werden Ausgrenzungen verhindert, sie senken bei den Kindern die Hemmschwellen, sich mit anderen Kindern zusammenzutun und sprachlich auszutauschen. Durch das jahrgangsübergreifende Miteinander im Spielezimmer wird das noch verstärkt“, sagt Jewgenia Obreiter.

„Spiele sind auch geeignet, sozial schwache Familien bei der Bildung zu unterstützen“, so die Erzieherin. Unzureichende Deutschkenntnisse und ein schwacher sozialer Status sind für viele Migranten in Blumenthal nach wie vor ein Problem. „Manche Familien brauchen zusätzliche Unterstützung beim sozialen Verhalten, zum Beispiel, wenn es um das Selbstwertgefühl oder Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder geht“, sagt Jewgenia Obreiter.

„Deshalb bieten wir einmal in der Woche die Familienklasse an, bei der sich die Eltern zu ihren Kindern gesellen.“ Die Familienklasse soll die Integration fördern. Mit dem Spielezimmer kommt jetzt ein weiteres Element dazu. Spiele wie Dixit, das zum Spiel des Jahres 2010 gekürt wurde, stehen in den Regalen, aber auch ein großer Karton mit Playmobil-Figuren oder ein Kasten mit einem Schülerlabor, mit ersten Experimenten zur Elektronik oder dem Bau einer kleinen Windkraftanlage. Die von der Schule ausgewählten Spiele sind bewusst vielfältig, um unterschiedliche Stärken der Kinder anzusprechen: „Einige verhalten sich durchweg ruhig, andere dominieren als Strategen, die gern die Richtung vorgeben – bei den Spielen kann sich jeder Charakter einbringen“, sagt Jewgenia Obreiter.

„Das Spielezimmer passt umso besser in unser schulisches Konzept, als wir ab dem ersten August dieses Jahres Ganztagsschule werden“, sagt Schulleiterin Karin Hoormann, „dann werden die Kinder das neue Spielezimmer noch stärker nutzen können“. Denn bei einer Ganztagsschule, in der die Kinder bis in den Nachmittag ihre Zeit verbringen, sind nach den anspannenden Unterrichtsstunden immer wieder längere Entspannungsphasen wichtig. Neben Bewegung auf dem Schulhof gehören dazu auch Spiele, zu denen sich die Kinder von der ersten bis zur vierten Klasse gemeinsam an den Tischen des neuen Spielezimmers versammeln.

Weitere Informationen zur Initiative „Spielen macht Schule“ und Teilnahmebedingungen für den Wettbewerb gibt es im Internet unter www.spielen-macht-schule.de.

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