Urteil übertrifft gefordertes Strafmaß Zweieinhalb Jahre Gefängnis

Blumenthal. Dieses Urteil überraschte sogar den Staatsanwalt: Zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe für Raub und gefährliche gemeinschaftliche Körperverletzung. Dieses Strafmaß für einen 30-jährigen Blumenthaler lag deutlich über dem Antrag der Anklage. Das Gericht sah in den gemeinschaftlichen Attacken des Blumenthalers und eines Verwandten gegen einen 32-Jährigen am 12. August vergangenen Jahres eine "massive Gewaltanwendung über jedes Maß hinaus".
26.07.2013, 05:00
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Von Volker Kölling

Blumenthal. Dieses Urteil überraschte sogar den Staatsanwalt: Zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe für Raub und gefährliche gemeinschaftliche Körperverletzung. Dieses Strafmaß für einen 30-jährigen Blumenthaler lag deutlich über dem Antrag der Anklage. Das Gericht sah in den gemeinschaftlichen Attacken des Blumenthalers und eines Verwandten gegen einen 32-Jährigen am 12. August vergangenen Jahres eine "massive Gewaltanwendung über jedes Maß hinaus".

Strafverteidiger Udo Würtz sprach direkt nach dem Urteil von einem überraschenden Ausgang der Verhandlung. Es hatte im Juli und gestern zwei Prozesstage gegeben. "Wir gehen ganz sicher in Berufung." In seinem Plädoyer hatte Würtz die Brutalität der Tat nicht abgestritten, aber für ein Strafmaß von nur neun Monaten Freiheitsentzug, ausgesetzt zur Bewährung, plädiert. Der Angeklagte selbst hatte für sich ins Feld geführt, dass er sich bei seinem Opfer entschuldigt und es die Entschuldigung auch angenommen habe. Die Anschuldigung, dass der Angeklagte dem Opfer zu Beginn der Auseinandersetzung eine goldene Kette vom Hals gerissen habe, sah der Verteidiger als nicht erwiesen an.

Das Gericht kam zu einer anderen Auffassung zum Raub der Kette, schätzte ihn aber nicht als entscheidend für das Strafmaß ein. Richter Jan-Niklas Vagt: "Hier ist nach Zeugenaussagen von zwei Personen über einen Zeitraum von jeweils fünf bis 20 Minuten auf einen Menschen eingeprügelt und eingetreten worden. Mindestens einmal hat der Angeklagte den Kopf des Opfers gegen einen Baum geschlagen."

Mehrmals hätten der Stiefvater des jüngeren Täters und andere Personen versucht, die Täter von ihrem Opfer zu trennen. Zum Angeklagten gewandt, fügte der Richter hinzu: "Sie haben nur Glück gehabt, dass das Opfer keine bleibenden Schäden davon getragen hat oder sogar tot ist. Denn viel hätte nicht gefehlt, und wir hätten es mit Mord- und Totschlag zu tun gehabt. Dann säßen sie heute nicht hier, sondern im Landgericht."

Für das Gericht stellte sich der Fall nach den letzten beiden Zeugenbefragungen so dar, dass der Angeklagte nach einer Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau und deren Freund viele Aggressionen angestaut hatte. Durch den Raub der Kette habe der Mann aus Blumenthal gezielt die Konfrontation gesucht. Als strafmindernd schätzte das Gericht den offenbar hohen Alkoholgehalt aller Beteiligten ein. Sie hatten sich nachts gegen ein Uhr vor der Gaststätte "Checkout" aufgehalten. Richter Vagt zum Angeklagten: "Dass Sie sich zur Sache selbst hier vor Gericht nicht geäußert haben, haben wir weder als strafverschärfend noch als strafmindernd gewertet."

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