Vorsorgungskonzept für den Ortsteil Beirat bastelt an Borgfelds Zukunft

Borgfelds Ortspolitiker arbeiten gerade ein Konvolut zur Stadtentwicklung durch, das Bremer Zentren- und Nahversorgungskonzept. So gestalten sie die Zukunft des Einzelhandel mit. Am 23. Januar wird diskutiert.
17.01.2020, 10:53
Lesedauer: 3 Min
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Von Petra Scheller

Borgfeld. Wie soll sich der Borgfelder Ortskern zukünftig entwickeln? Reicht das Angebot an Geschäften und Restaurants aus – oder soll es baldmöglichst auch einen Drogeriemarkt und ein Ärztehaus an der Wümme geben? Über diese und ähnliche Fragen grübeln die Mitglieder des Borgfelder Beirates. Sie beschäftigen sich zurzeit mit dem sogenannten Zentren- und Nahversorgungskonzept der Stadt Bremen. Das 380-seitige Konvolut, das die Bremer Baudeputation an die Beiräte verschickt hat, wird auch Thema der kommenden Beiratssitzung sein. Die Sitzung soll außerplanmäßig am Donnerstag, 23. Januar, ab 19.30 Uhr in der Fleetstube, Daniel-Jacobs-Allee 1, stattfinden. Angekündigt hat sich dazu mit Jan Dierk Stolle ein Mitarbeiter aus dem Bremer Referat für Raumordnung und Stadtentwicklung. Das teilt Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe mit. Stadtplaner Stolle will das laufende Nahversorgungskonzept aus dem Jahr 2009 erläutern und Anregungen für einen neuen Entwurf geben. Die Sitzung ist öffentlich.

Bis Ende März hat der Borgfelder Beirat Zeit, das städtebauliche Entwicklungskonzept der Stadt Bremen auf Ortsebene mitzugestalten. Ein Dortmunder Büro hat den Entwurf des Nahversorgungskonzeptes erstellt. Nun müssen die Ortspolitiker ran. Sie sollen das Konzept kommentieren. Zentrale Versorgungsbereiche werden damit räumlich für die kommenden Jahre definiert und baurechtlich verankert. Gestärkt werden soll die „Stadt der kurzen Wege“, heißt es in einer Information der Baubehörde.

Geltendes Konzept von 2009

Das neue Konzept ist die Fortschreibung des jetzt noch geltenden aus dem Jahre 2009. Es bietet große Chancen zur Weiterentwicklung des Ortsteils, sagen Stadtentwickler. Es geht unter anderem um die Zuordnung von Verkaufsflächen pro Einwohner, die Strukturierung von Wohn- und Gewerbeflächen, die Einteilung von Baurecht. Das „von der Bürgerschaft beschlossene kommunale Zentren- und Nahversorgungskonzept bildet den Rahmen zur Stärkung und Stabilisierung der Zentren sowie zur Sicherung einer wohnortnahen Versorgung in der Stadt Bremen“, heißt es in einer Information der Baubehörde. Das Konzept wurde gemeinsam mit dem Wirtschaftsressort unter Federführung des Bauressorts der Freien Hansestadt Bremen sowie unter Einbeziehung der Handelskammer Bremen erarbeitet. Das Zentren- und Nahversorgungskonzept fügt sich zudem ein in das sogenannte Regionale Zentren- und Einzelhandelskonzept des Kommunalverbundes Niedersachsen/Bremen, das 2013 beschlossen wurde.

Klingt kompliziert. Ist es auch, sagen Borgfelder Beiräte und Bauausschussmitglieder auf Nachfrage. Ihre Arbeit an dem Konzept ist ziemlich kleinteilig – und visionär: Was wünscht sich Borgfeld für die kommenden zehn Jahre? Wie viel Einzelhandelsfläche braucht der Ortsteil? Wonach sollen die Bebauungspläne ausgerichtet werden? Und was soll zukünftig überhaupt als Ortskern definiert sein?

All diese Fragen müssen Stadtentwickler 2020 für die kommenden Jahre beantworten und in dem Konzept festschreiben – so steht es im Baugesetzbuch. Die Interessengemeinschaft der Geschäftsleute In-Borgfeld wünscht sich mehr Flächen für Gewerbe und medizinische Grundversorgung. Gerade in den vergangenen Monaten wurde viel über die Neugestaltung der Borgfelder Ortsmitte zur Flaniermeile und die Umgestaltung des Baumarktes Viohl zu einem kleinen Einkaufszentrum mit integriertem Wohnkonzept diskutiert. Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte staunte bei seinem Quartiersbesuch im Sommer darüber, dass Borgfeld Einkaufsmöglichkeiten fehlen. Woanders klage man eher über Leerstand, bemerkte er. In Borgfeld ist das nicht so. Keine einzige Fläche an der Borgfelder Heerstraße steht leer. Immer mehr Gewerbeflächen siedeln sich in den Seitenstraßen an, darunter Yogastudios, Nähwerkstätten und Praxisräume.

Wo kauft man ein?

Auch hinsichtlich der Klimadebatte spielt die Gestaltung des Nahversorgungskonzeptes eine wesentliche Rolle. Wollen Borgfelder und Pendler ihre Einkäufe lieber vor Ort an der Wümme erledigen? Oder werden sie das sowieso auf dem Nachhauseweg aus der Stadt, beispielsweise in Horn, Oberneuland, Schwachhausen oder auch online erledigen? All das spielt bei der Ausweisung von Gewerbeflächen eine wichtige Rolle.

Die Stadt Bremen will das geltende Konzept zeitgemäß anpassen. Die Fortschreibung sei notwendig, „um es in seinen Ansätzen, Zielsetzungen und Umsetzungsinstrumenten zeitgemäß und dadurch rechtssicher zu halten“, heißt es seitens der Baubehörde. Um aktuelle Daten zur Einzelhandelslandschaft in der Stadt Bremen vorliegen zu haben, wurde 2016/2017 eine Vollerhebung der Einzelhandelsbetriebe in Bremen durchgeführt. Dabei wurden detailliert alle Einzelhandelsbetriebe - inklusive nach Sortimenten differenzierten Verkaufsflächen - erhoben. Da es sich um ein Konzept mit konkreten Auswirkungen auf die einzelnen Stadtteile handelt, werden die Ortsämter und die Ortspolitik in den Prozess eingebunden.

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