Ausstellung des Heimatvereins Bessarabier in Borgfeld

Borgfeld. Viele Fotos, Plakate und Dokumente sind im Heimatarchiv des Bürgervereins Borgfeld zusammengetragen worden. Insgesamt gab es drei Veranstaltungen, die das besondere Schicksal der Bessarabiendeutschen, die 1940 aus ihrer Heimat nach Deutschland umgesiedelt wurden, zum Thema hatten. Die Region Bessarabien liegt am Schwarzen Meer zwischen den Flüssen Dnister und Pruth und gehört zur heutigen Republik Moldawien.
06.04.2011, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Kerstin Armke

Borgfeld. Viele Fotos, Plakate und Dokumente sind im Heimatarchiv des Bürgervereins Borgfeld zusammengetragen worden. Insgesamt gab es drei Veranstaltungen, die das besondere Schicksal der Bessarabiendeutschen, die 1940 aus ihrer Heimat nach Deutschland umgesiedelt wurden, zum Thema hatten. Die Region Bessarabien liegt am Schwarzen Meer zwischen den Flüssen Dnister und Pruth und gehört zur heutigen Republik Moldawien.

Alle Vorträge seien sehr gut besucht gewesen, erklärte Johannes Rheder-Plümpe vom Arbeitskreis Dorfgeschichte(n) des Heimatarchivs Borgfeld. Etwa 30 bessarabiendeutsche Familien schufen Mitte der 50er Jahre in Borgfeld für sich eine Nebenerwerbssiedlung. Siedlungshäuser gibt es unter anderem im Moorkuhlenweg, am Kiebitzbrink und an der Querlandstraße.

Die 71-jährige Margarete Reiter hat viele Familiengeschichten zusammengetragen, über die sie anschaulich berichtete. Robert Weiß aus Verden-Walle, dessen Mutter eine Bessarabiendeutsche ist, zeigte einen Film. Um die Menschen in Moldavien zu unterstützen, wurde moldavischer Wein verkauft. Die Hälfte der Erlöse fließe in Hilfsprojekte für diese Region, so Rheder-Plümpe.

Wenn man das Schicksal dieser Menschen besser verstehen möchte, muss man sich ein wenig mit ihrer wechselvollen Geschichte auseinandersetzen. 1812 warb Zar Alexander Deutsche als Kolonisten nach Bessarabien ab. Jede dieser 123 Familien verpflichtete sich, 66 Hektar Steppe urbar zu machen. Sie mussten Brunnen bohren, Ungeziefer bekämpfen und Getreidespeicher bauen. An ihre Herkunftsgebiete aus Süddeutschland erinnern viele deutsche Ortsnamen. Mittelpunkt eines jeden Straßendorfes war die Kirche, prägnant waren die bis zu 80 Meter breiten unbefestigten Straßen, auf denen das Vieh zusammengetrieben wurde. 1871 fiel der Landstrich an Russland, viele Privilegien der Deutschen, wie Schulunterricht in deutscher Sprache, fielen weg. Russisch war fortan die Landessprache. 1918 gelangte Bessarabien unter rumänische Herrschaft. 1940 wurde das Land erneut von den Russen besetzt, viele Rumänen flüchteten.

Die deutschstämmigen Bessarabier hatten per Vertrag die Möglichkeit, nach Deutschland umzusiedeln, was alle Familien auch taten. Nach zwei Jahren entbehrungsreichen Lagerlebens in Deutschland wurden die Familien als sogenannte Frontbauern im damaligen Westpreußen angesiedelt. Als Ausgleich für ihren großen Hof in Bessarabien erhielt eine Familie oft bis zu sieben kleinere polnische Höfe, deren Besitzer vertrieben worden waren, zur Bewirtschaftung. Dies war alleine nicht zu bewerkstelligen. Einige polnische Bauern kehrten auf ihre Höfe zurück und lebten Seite an Seite mit den Deutschen.

Im Januar 1945 flüchteten viele Bessarabiendeutsche vor der russischen Armee zurück nach Deutschland. Dort gründeten sie nach und nach kleine Wohnsiedlungen.

Für Oktober plant Gerhard Kreuz vom Bürgerverein Borgfeld einen Vortrag zum Thema "Westpreußen". Auch zu dieser Veranstaltung erwarte man viele interessierte Zuhörer.

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