Ehepaar Martin hat Verein "Perspektive" zur Osteuropa-Hilfe gegründet / Sonnabend Benefizkonzert Bremer engagieren sich für Hörgeschädigte

Borgfeld. "Man kann nur das tun, was einem vor die Füße fällt." Sigrid Martin zitiert einen Freund, der das einmal darüber sagte, wo jeder die Welt ein bisschen besser machen kann. Die Pädagogen und Therapeuten für Hörgeschädigte, Sigrid und Uwe Martin, bücken sich seit Jahren für Rumänien, packen an für hochgradig hörgeschädigte Kinder und deren Eltern. Dafür haben sie im Herbst 2011 den gemeinnützigen Förderverein "Perspektive" gegründet, und dieser lädt für Sonnabend, 18. Februar, zu zwei Benefizkonzerten mit Harfe und Flöte in die Borgfelder Kirche ein.
16.02.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bremer engagieren sich für Hörgeschädigte
Von Undine Zeidler

Borgfeld. "Man kann nur das tun, was einem vor die Füße fällt." Sigrid Martin zitiert einen Freund, der das einmal darüber sagte, wo jeder die Welt ein bisschen besser machen kann. Die Pädagogen und Therapeuten für Hörgeschädigte, Sigrid und Uwe Martin, bücken sich seit Jahren für Rumänien, packen an für hochgradig hörgeschädigte Kinder und deren Eltern. Dafür haben sie im Herbst 2011 den gemeinnützigen Förderverein "Perspektive" gegründet, und dieser lädt für Sonnabend, 18. Februar, zu zwei Benefizkonzerten mit Harfe und Flöte in die Borgfelder Kirche ein.

Mehr, als ein Hörender sich vorstellen kan, ist inzwischen möglich - Sigrid Martin schwärmt: "Wir leben im 21. Jahrhundert. Wir können fast perfekt ein ganzes Sinnesorgan ersetzen. Doch das kostet viel Geld und braucht darauf abgestimmte Therapien." In Deutschland versorgt laut Sigrid Martin das Gesundheitssystem hörgeschädigte Kinder "zügig und kostenlos" mit den optimalen Hörgeräten oder Implantaten inklusive rehabilitativer Nachsorge. Das sei in Rumänien und Osteuropa leider so nicht die Regel. Dort bleiben beispielsweise Implantate mit Nachsorge wenigen Kindern vorbehalten, aber: "Wer nicht hören kann, schwerhörig oder gehörlos ist, erlebt sich oft ausgeschlossen von Kommunikation, von seiner Umwelt, entfernt von seinen Mitmenschen", sagt Sigrid Martin.

Wie entfernt von dieser Teilhabe schwerhörige und gehörlose rumänische Kinder teils leben, wurde Sigrid Martin und ihrem Mann bewusst, während sie ihren Sohn in Rumänien besuchten. Seit über 15 Jahren lebt und arbeitet er dort. Fast so lange sammelt das Ehepaar bereits regelmäßig Kleider für Rumänien. Von Berufs wegen interessierten sich die beiden Bremer bei ihren Besuchen im Land auch für die Therapie hörgeschädigter Kinder in Rumänien. Sie besuchten Schulen und Therapeuten. Für die ganzheitlich arbeitende Therapeutin Martin eine ernüchternde Erfahrung. So sehr, dass sie sagt: "Unser Ziel wird sein, dass wir professionelle Therapeuten ausbilden." Zudem will der Verein "Perspektive" mittels Beratungen, Seminaren mit Eltern und Therapeuten sowie individueller Hilfe bei der Versorgung mit Hörhilfen in Rumänien und Osteuropa helfen, damit hörgeschädigte Kinder aus Rumänien "so gut und effektiv hören und sprechen lernen, wie wir es hier bei uns in Westeuropa kennen".

Dafür sammelt "Perspektive" Spenden und organisiert dieses erste Benefizkonzert. In der Borgfelder Kirche tritt zugunsten des jungen Vereins die Bremer Harfinistin Eva Pressl auf - selbst Mutter einer gehörlosen Tochter, die laut Sigrid Martin in diesem Jahr das Abitur ablegen wird. Gemeinsam mit ihrer Freundin, der Flötistin Sigrun Busch, wird Pressl gemäß Ankündigung um 16 Uhr ein Konzert geben für Kinder ab sechs Jahren - um Begleitung durch Erwachsene wird gebeten. Auf dem Programm stehen eindrückliche Stücke von Mozart, Ravel, Ibert und Debussy, beim Abendkonzert um 19.30 Uhr noch um einige Werke erweitert.

"Ein etwas anderes Konzert" kündigt der Verein an und will es nicht bei der Musik belassen. Mara Schenk, Simon Zastrow und Vanessa Marcetic führen durch das Programm, in einer "Hörerführung" - sie sprechen über die Komponisten und die Musikstücke des Programms aus der Zeit des französischen Impressionismus, und eine Tanzsequenz ist geplant. Kurze Motiv- und Themeneinspielungen sollen nicht nur die jungen Zuhörer auf die Stücke vorbereiten, ihnen ein besseres Zu- oder Hinhören erlauben. Und ganz nebenbei, für die Zuhörer nahezu unmerklich, werden die Jugendlichen zeigen, was moderne Implantate zu leisten vermögen. Sigrid Martin sagt: "Die Zuhörer werden nicht bemerken, dass die drei gehörlos sind."

Auf seine Kosten kommt bei dem Konzert obendrein, wer schon immer mehr über die Harfe wissen wollte. Nach dem Konzert wird die Harfenistin Eva Pressl ihr Instrument erklären, und die Ankündigung verspricht: "Es darf auch gezupft werden."

Benefizkonzert für Harfe (Eva Pressl) und Flöte (Sigrun Busch), am Sonnabend, 18. Februar, 16 Uhr, für Kinder ab sechs Jahren mit Begleitung und um 19.30 Uhr für Erwachsene. Eintritt frei, Spenden erbeten. Weitere Informationen über den Verein "Perspektive" gibt es demnächst im Internet unter www.Perspektive-hoeren.info.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+