Borgfeld 2020 Brückenabriss bereitet Bauchschmerzen

Was wird 2020 in Borgfeld wichtig? Ein Blick auf den Flutbrückenneubau, den Ortskern und das Viohl-Gelände. Wie werden Verkehrsprobleme gelöst, wie will der Ort klimaneutral werden? Das sind die Top-Themen.
05.01.2020, 15:31
Lesedauer: 5 Min
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Von Petra Scheller

Borgfeld. Was wird 2020 in Borgfeld wichtig? Ein Blick auf den Flutbrückenneubau, den Borgfelder Ortskern und das Viohl-Gelände, die Dorfgemeinschaftshaus-Pläne sowie auf die Themen Umwelt und Verkehr zeigt, es bleibt spannend an der Wümme. Das sind die Top-Themen im neuen Jahr:


Der Flutbrückenneubau:
Rund 20 000 Fahrzeuge rollen täglich über die Brücke zwischen Lilienthal und Borgfeld. Gleich nebenan verkehrt die Straßenbahnlinie 4 auf einem eigenen Bauwerk. Die beiden Überführungen sind zentrale Verkehrsadern zwischen Bremen und dem Landkreis Osterholz. Pendler aus Lilienthal, Grasberg, Worpswede und aus der Samtgemeinde Tarmstedt nutzen sie. Seit Jahren ist klar, dass das mittlerweile 90 Jahre alte Bauwerk für den Pkw-Verkehr ersetzt werden muss. 2020 ist es soweit. Rund 6,4 Millionen Euro werden in die Erneuerung investiert. Ab Sommer beginnen die Arbeiten für die neue Flutbrücke – das alte Bauwerk muss vollständig abgerissen werden. Ab Spätsommer soll der Autoverkehr dann nur noch über die Straßenbahnbrücke laufen. Die Linie 4 und der motorisierte Pendlerverkehr teilen sich dann zwei Fahrspuren. Die Abgeordneten der Bremer Bau- und Verkehrsdeputation fürchten, dass die Arbeiten große Auswirkungen auf den Verkehr haben werden. Das Amt für Straßen und Verkehr sieht dem Vorhaben gelassen entgegen.


Verkehrskonzept:
Der Borgfelder Beirat hat die Senatorin für Umwelt und Mobilität, Maike Schaefer, aufgefordert, ein schlüssiges Verkehrskonzept für die Zeit während des Flutbrückenneubaus vorzulegen. Bislang liegt im Borgfelder Ortsamt dazu noch keine Antwort vor. Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe erwartet diese bis spätestens Februar. Der Borgfelder Beirat befürchtet einen Verkehrskollaps im Ortskern und in den Nebenstraßen während des Flutbrückenneubaus und will, dass die Stadt mit einem tragenden Verkehrskonzept einlenkt. Eine tragende Rolle könnte dabei der öffentliche Nahverkehr spielen.


Eine Tarifzone für Bremen und Lilienthal
wünscht sich der Borgfelder Ortsbeirat schon lange. Die wäre insbesondere während des Flutbrückenneubaus nützlich, sagen die Ortspolitiker einhellig. Um Autofahrende von der Qualität der Straßenbahn zu überzeugen, solle die Linie 4 häufiger fahren, sollen die Tickets günstiger werden. So ließen sich viele Fliegen mit einer Klappe schlagen. Würden mehr Autofahrer auf die Bahn umsteigen, gäbe es weniger Stau am langen Jammer, weniger CO2-Ausstoß, weniger Schleichverkehr, weniger Parkplatznot. Das Thema ist alt, wird aber 2020 so aktuell wie nie zuvor. Der neue Borgfelder Umweltausschuss könnte sich mit einem ausgeklügelten Konzept dafür stark machen, dass Autofahrer häufiger als bislang Bahn fahren oder aufs Rad umsteigen.


Klimaneutralität:
Die Fördermitteltöpfe sind voll, die Förderkulisse ideal. Das sagt Michael Kruse, Sprecher des neuen Umweltausschusses des Borgfelder Beirats. Das neue Gremium will Zukunftsthemen stärker in den Mittelpunkt der Ortspolitik rücken: Borgfeld soll annähernd klimaneutral werden, lautet eines von fünf Leuchtturmprojekten, die der Ausschuss in dieser Legislaturperiode angehen will. Zurzeit werden in Borgfeld einzelne Häuser energetisch saniert. Das sei nicht besonders effizient, sagt der promovierte Verfahrenstechniker Kruse, der sich seit 22 Jahren beruflich mit nachhaltiger Ressourcennutzung beschäftigt. Für die Sanierung bestimmter Bautypologien, beispielsweise für Siedlerhäuser aus den 1950er-Jahren, gäbe es Fördermittel der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Sanierungen für ganze Quartiere würden zurzeit gefördert – Borgfeld solle das nutzen. Als förderwürdig nennt Kruse unter anderem gemeinsame Photovoltaikanlagen, zentrale Beheizungssysteme – ohne fossile Brennstoffe – und die Begrünung von Dächern im gesamten Ortsteil.


Borgfelds Ortsmitte
soll zukünftig stärker zum Flanieren und Verweilen einladen. Der Bereich der Borgfelder Heerstraße zwischen dem Krögersweg und der Kreuzung Hamfhofsweg und Borgfelder Landstraße soll zu einer verkehrsberuhigten Flaniermeile umgestaltet werden. Die Ortsmitte könnte zukünftig ein sogenannter shared space werden, den sich Fußgänger, Rad- und Autofahrer teilen. Geprüft wird zurzeit, ob diese Variante der Ortsumgestaltung mit dem neuen Entwurf des „Kommunalen Zentren- und Nahversorgungskonzept“ der Hansestadt Bremen in Einklang gebracht werden kann. So ein Konzept hat die Bremer Baudeputation gerade zur Abstimmung an den Borgfelder Beirat weitergeleitet. Fest steht: Die Ortsumgestaltung bleibt auch im Zusammenhang mit dem geplanten Umbau des Viohl-Geländes ein Borgfelder Top-Thema. Dort wo jetzt der Baumarkt Viohl steht, könnten in Zukunft eine Einkaufsmeile und Wohnungen entstehen. 28 Wohneinheiten sind derzeit geplant. Die Bremer Baubehörde prüft gerade die Planungsentwürfe der Borgfelder Familie Viohl. 2020 wird feststehen, was daraus wird.


„Die Kirche im Dorf lassen“
– so sehen es die Pläne für ein Dorfgemeinschaftshaus an der Katrepeler Landstraße vor. Statt eines Neubaus schlägt der neue Vorsitzende des Fördervereins für ein Dorfgemeinschaftshaus in Borgfeld, Wendelin Seebacher, vor, das Alte Pfarrhaus an der Katrepeler Landstraße, das Pastorenhaus und den Gemeindesaal als Ensemble für einen Bürgertreffpunkt mit zu nutzen. Zusätzlich soll das Alte Pfarrhaus um einen Neubau erweitert werden, um ausreichend Platz für Veranstaltungen bieten zu können. So der Plan. Bislang ist die Borgfelder Kirchengemeinde Eigentümerin der Gebäude. Für deren Erhalt ist bislang die Bremische Evangelische Kirche (BEK) verantwortlich. Ob sich daran zukünftig etwas ändern soll, wird zurzeit hinter verschlossenen Türen verhandelt. Im neuen Jahr will man gemeinsam an die Öffentlichkeit treten und die Ergebnisse einer laufenden Machbarkeitsstudie vorstellen. Der Borgfelder Bürgerverein, die Bürgerinitiative Borgfelder Forum und der Ortsbeirat äußern sich zu der Kooperation zwischen Kirche und Bürgern wohlwollend. Strittig ist die Frage, ob politische Gruppen die Räumlichkeiten zukünftig nutzen dürfen und wenn ja, welche.


Wümme als Sanierungsfall:
Der Bremer Senatorin Maike Schaefer sind die Risse, die der Klimawandel in ein funktionierendes Ökosystem an der Wümme gerissen hat, bewusst. Sie will deshalb die EU-Wasserrichtlinien konsequent umsetzen und dafür die nötigen Finanzmittel bereitstellen. Das versprach die Bremer Umweltsenatorin im Herbst auf einer Fachtagung beim Deichverband. Dazu gehöre insbesondere die Wiederherstellung vielfältiger Strukturen entlang der Weser und die Renaturierung der Unterweser samt Seitenräumen und Nebenflüssen mit dem Ziel einer geringen Fließgeschwindigkeit. Ein besonderes Augenmerk werde auf der Unteren Wümme liegen, denn die drohe wegen der wegbrechenden Ufer zu einem hydrologischen und biologischen Sanierungsfall zu werden. Bleibt abzuwarten, ob Schaefer von ihren Plänen die Senatorin für Wissenschaft und Häfen, Claudia Schilling (SPD), überzeugen kann. Diese hat angekündigt, dass sie sich für eine Weservertiefung einsetzen will.

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