Stadtteil-Check Borgfeld Bremer Ortsteil mitten im Grünen

Der Stadtteil-Check zeigt, was viele Borgfelder wissen: Der Wümmeort ist ein besonders guter Ort zum Leben. Umgeben von Natur, Radwegen und einem kleinen Ortszentrum pflegen die Einheimischen Gemeinschaft.
07.09.2022, 19:29
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Ortsteil mitten im Grünen
Von Antje Stürmann

Borgfeld. Mitten im Grünen und trotzdem schnell in der City, eine lebendige Nachbarschaft und gemütliches Dorfidyll – all das zeichnet das Leben im Bremer Ortsteil Borgfeld aus. Hier ist Geschichte erlebbar, bekannte Familien hatten hier ihren Wohnsitz. Trotzdem gelten die Borgfelder als bodenständig. Zu Beginn dieses Jahrtausends ist der Wümmeort vor allem wegen der Baugebiete Borgfeld-Ost und Borgfeld-West rasant gewachsen. Das brachte auch Probleme mit sich. In dem einst landwirtschaftlich geprägten Ortskern gibt es heute zwar Geschäfte, Supermärkte und Bistros, doch das Zentrum dürfte gern einladender gestaltet werden, finden etliche Borgfelder. Was sie außerdem bewegt, erkundet der WESER-KURIER in seinem Stadtteil-Check.

So viel steht schon fest: Viele Borgfelder bescheinigen ihrem Wohnort eine außergewöhnlich hohe Lebensqualität. Lob gibt es vor allem für den öffentlichen Personennahverkehr, für die Sportangebote im Ort und die engagierte Kirchengemeinde. Zur Sprache kommen aber auch Probleme, die das Wachstum Borgfelds verursacht hat: Die Entwicklung einer angepassten Infrastruktur war und ist eine Herausforderung. Gleichzeitig wollen die Borgfelder den dörflichen Charme ihres Ortes erhalten. In der Kritik stehen die teils kaputten Gehwege und Straßen. Einige Borgfelder fühlen sich, wie sie sagen, durch zu viel und zu schnellen Autoverkehr belastet. Andere wünschen sich vielfältigere kulturelle Angebote.

Ortsbild hat sich verändert

Silke Clostermann etwa lebt sehr gern in Borgfeld. Sie mag vor allem die Natur, wie sie sagt. "Und trotzdem ist man ruckzuck in der Stadt." Als sie vor 30 Jahren nach Borgfeld zog, sei es im Ort noch sehr bäuerlich zugegangen. Sie bedauert, dass die Äcker nicht mehr bis an die Schützenhalle heranreichen und überall Rinder weiden. Stattdessen wohnen dort jetzt Menschen. "Ja, viele Flächen sind renaturiert worden und geschützt, aber ich vermisse das." Es sei unglaublich viel gebaut worden, "damit hat sich auch das Ortsbild verändert", sagt die Rentnerin. Sie spricht von architektonischer Monotonie, die sich an einigen Stellen zeige. Clostermann erlebte auch den Bau der Straßenbahnlinie 4 mit; eine Verbesserung, wie die studierte Landwirtin, vierfache Mutter und elffache Großmutter findet. "Vorher ist der Straßenverkehr wie wahnsinnig durch die Ortsmitte gefahren."

Auch Gerald Hodel sagt, er fühle sich in Borgfeld sehr wohl. Der Ort sei familienfreundlich, "die Kinder wachsen hier fast auf wie auf dem Land", so der Fachpfleger für Anästhesie und Intensivmedizin. "Wir haben hier zwei Schulen, einige Kindertagesstätten und viele Spielplätze." Er vermisse jedoch ein Fitnessstudio. Der Verkehr auf der Borgfelder Heerstraße sei vor allem an Sonnabenden "extrem und gefährlich", findet Hodel. An diesem Tag seien unter anderem wegen des Wochenmarktes viele Fußgänger unterwegs. Motorisierte Verkehrsteilnehmer seien trotz Tempobeschränkung zu schnell unterwegs. Darüber hinaus wünscht sich Hodel öfter Live-Musik im Ort. "Das Kulturforum macht das schon gut, aber es könnte mehr los sein in Borgfeld."

Flickschusterei an Gehwegen

Eine Seniorin lobt die Kirchengemeinde. Gemeinsam mit anderen spiele sie Karten oder treffe sich im Café; "eine tolle Gemeinschaft ist das hier", findet die 84-Jährige. Die Gehwege im Ort dagegen, die könne man vergessen. "Nur Flickschusterei", schimpft die Frau, von Barrierefreiheit keine Spur. Ihre Bekannte aber ist trotzdem rundum zufrieden: "Hier werden noch Traditionen wie das Schützenfest gepflegt und man findet immer jemanden für einen Klönschnack", begründet diese Seniorin.

Lob bekommt auch die gastronomische Vielfalt im Ort: "Das Angebot muss aber auch angenommen werden", sagt ein Borgfelder mit Verweis auf die aktuelle Diskussion über den geplanten Abriss des Borgfelder Landhauses. Bei der Qualität des Angebots sieht der Mann Verbesserungsbedarf.

Derk Voß ist vor drei Jahren aus Emden nach Borgfeld gezogen. Die Natur und die Radwege hier haben es ihm angetan. "Ich habe mich hier jede Minute wohlgefühlt", sagt er. In den Vereinen Borgfelds und umzu hat der passionierte Radfahrer sofort Anschluss gefunden. Die Geschäfte im Ort seien gut erreichbar, "nur schade, dass die Sparkasse nicht mehr im Zentrum ist", bedauert er.

Kritik an Ladenschließzeiten

Marie Stöver aus Lilienthal betont, sie sei eine "Bremer Deern". Nach 22 Jahren in den Alpen ist sie wieder in den Norden gezogen und findet, dass man in Borgfeld gut Anschluss findet – auch im übertragenen Sinne. Der Wümmeort sei mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar. "Ich bin oft in Borgfeld, habe hier meinen Markt, meine Geschäfte und meinen Zahnarzt." Kritik übt sie an den Schließzeiten der Läden um die Mittagszeit.

Mehr Dorfgemeinschaft wünscht sich der gebürtige Borgfelder Thomas Drews. "Es ziehen zu viele neue Leute her, man kommt mit ihnen nicht mehr in Kontakt", sagt der 64-Jährige. Er befürchtet, dass die Gemeinschaft auseinanderbricht. "Das Gemütliche verschwindet." Früher habe in Borgfeld jeder jeden gekannt und man sei "gut in Schnack gekommen". Für die Zukunft wünscht er sich, dass sich die Borgfelder weiter so wohlfühlen.

Zur Sache

Auch online noch mitmachen

Noch bis Sonntag, 18. September, kann Bremen abstimmen, wie es sich in den Stadtteilen lebt: online unter der Adresse www.stadtteil-check.de oder persönlich bei der WESER-KURIER-Tour, die die Redaktion derzeit durch die Stadtteile unternimmt. Beim Check geht es um die Gastronomie, den Immobilienmarkt, das Vereinsleben, die Attraktivität für Kinder, Jugendliche und Senioren, Gesundheitsversorgung, Sauberkeit, Sicherheit, Einzelhandelsangebot, die Verkehrssituation, der Bereich Klimaschutz und Digitalisierung, der Öffentliche Personennahverkehr und die Kultur. Zudem ist Raum für Anregungen oder Kritik zum Thema „Lebensqualität in Bremen“. Die Ergebnisse werden ab Anfang Oktober veröffentlicht. Unter allen Teilnehmern werden zwei iPads und 20 mal 250 Euro verlost.

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