Zukunft der Borgfelder Warft

Bürger verabschieden Resolution

Was wird aus dem Gelände an der Straßenbahn-Wendeschleife in Borgfeld, wenn erst mal die Wohncontainer weggeschafft sind? Ein Bürgerforum hat sich zur Zukunft des Warftgeländes klar positioniert.
22.01.2019, 20:34
Lesedauer: 3 Min
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Von Klaus Göckeritz
Bürger verabschieden Resolution

Sie setzen sich für ein Bürgerhaus an der Wendeschleife der Linie 4 ein: Hermann Vinke, Helmut Donat, Martin Puschke und Gernot Neumann-Mahlkau (von links).

Klaus Göckeritz

Borgfeld. Die Wohncontainer der Borgfelder Warft an der Wendeschleife der Linie 4 haben ausgedient. Die nicht mehr genutzten Unterkünfte für Geflüchtete werden abgebaut. Über die Zukunft des rund 2100 Quadratmeter großen, städtischen Grundstücks wurde in der Vergangenheit häufiger diskutiert.

Interesse haben unter anderem ein Förderverein zum Bau eines Dorfgemeinschaftshauses, der Borgfelder Seniorenvertreter und ein bürgerschaftlich orientierter Runder Tisch sowie der Turn- und Sportverein Borgfeld angemeldet. Jetzt hat sich ein Forum Borgfelder Bürger zusammengefunden. In großer Runde wurde in der Wümme-Stube des Stiftungsdorfes eine Resolution zum Bau eines Bürgerhauses verabschiedet.

Parkplatz-Plan „keine Option“

Rund 30 Männer und Frauen waren der Einladung des Forums gefolgt, um dem Projekt deutlich Nachdruck zu verschaffen. Im Ortsteil fehle eine solche Einrichtung, sagte Carsten Böning vom Forum und wies auf den Bedarf von Räumen hin, in denen sich Borgfelder treffen und austauschen können. Ein Bürgerhaus könne ein Ort für musikalische Veranstaltungen, Ausstellungen, Gesprächsrunden, Spiele, Vorträge, Filme, Nachhilfe, ein Stützpunkt für Umweltorganisationen und den Bürgerverein sein. Mit der Auflösung der Warft sei die Chance für den Bau eines Bürgerhauses gekommen. Keine Option sei, dass auf dem Warft-Gelände neben dem Sportplatz des TSV ausschließlich Parkplätze entstehen, hieß es. „Es wurde in der Vergangenheit genug diskutiert. Wir fordern jetzt insbesondere ein Votum der Ortspolitik ein“ sagte Hermann Vinke vom Bürgerforum.

„Es wurde viel debattiert, uns fehlen handfeste Entscheidungen“, bekräftigte auch der Borgfelder Pastor Martin Puschke in der Runde. Hermann Vinke wies einmal mehr auf eine „lange und zähe“ Diskussion in den politischen Gremien und viele Einwände von „Bedenkenträgern“ hin.

Dabei hätten die Befürworter eines Bürgerhauses oder Quartierzentrums wie der Runde Tisch in der Vergangenheit viele Mittel und Wege aufgezeigt. „Wir haben das von A bis Z durchdekliniert“, so Vinke. Die Reaktionen darauf seien eine Reihe von Scheinargumenten gewesen, um die Pläne auf die lange Bank zu schieben. Diese Verweigerungshaltung sei absurd, das Thema gehöre auf die aktuelle Tagesordnung des Beirats, betonte Vinke weiter. Deshalb müsse das Bürgerforum jetzt eine Entscheidung einfordern. Pastor Martin Puschke unterstützte den Vorstoß: Im Gegensatz zu SPD und Grünen bremse die CDU-Fraktion im Borgfelder Beirat entsprechende Pläne konsequent aus.

Der Bedarf für ein Bürgerhaus wurde in der Runde wiederholt unterstrichen. Vertreterinnen des Kulturforums und der Kleinen Bühne wiesen darauf ebenso hin wie Vertreterinnen des Chors. Uwe Rosenberg vom Bürgerforum berichtete vom Interesse der Grundschule am Saatland und auch der Borgfelder Jugendbeirat käme als Nutzer infrage. Ronald Thoms untermauerte das Interesse der Borgfelder mit Zahlen. Das SPD-Vorstandsmitglied berichtete von einer aktuellen Umfrage, wonach 93 Prozent von 145 Teilnehmern den Bau eines Bürgerhauses grundsätzlich unterstützten – 73 Prozent hielten den Standort Warft für geeignet. „Jetzt müssen wir Druck machen und mobilisieren“, sagte Hermann Vinke auch mit Hinweis auf die anstehenden Bürgerschafts- und Beiratswahlen in diesem Mai.

Grundstück gehört der Stadt

Die Runde in der Wümme-Stube einigte sich schon jetzt auf ein grundsätzliches Verfahren. Demnach soll der bestehende Förderverein zum Bau eines Dorfgemeinschaftshauses nach einem entsprechenden Votum der Stadt das Grundstück kaufen und das Bürgerforum in die weitere inhaltliche Gestaltung des Projekts einbeziehen.

Das 2100 Quadratmeter große Grundstück an der Wendeschleife gehört der städtischen Gesellschaft Immobilien Bremen und wurde an das Sozialressort verpachtet. Der Pachtvertrag läuft zum Ende des Monats aus, dann soll das Gelände wieder hergerichtet werden. Der TSV Borgfeld setzt sich für Parkplätze ein, der Seniorenvertreter Johannes Huesmann verfolgt schon länger Pläne zum Bau von bezahlbaren Seniorenwohnungen. Diese Variante ist aber offensichtlich vom Tisch. „Das will die Behörde nicht“, berichtete Huesmann am Rande des Treffens.

Ortsamtsleiter Gernot Neumann-Mahlkau ist gleichzeitig Vorsitzender des Fördervereins und begrüßte die Ergebnisse der Zusammenkunft in der Wümme-Stube. Es habe immer wieder Einwände von Bedenkenträgern gegeben, die das Projekt infrage gestellt hätten, jetzt seien grundsätzliche, wichtige Signale gekommen. Das Bauressort würde ein Bürgerhaus mit Parkflächen in einer Größenordnung von 40 Plätzen unterstützen, berichtete Neumann-Mahlkau in der Runde von aktuellen Gesprächen.

Das Bürgerforum will weiter an die Öffentlichkeit gehen, an Ständen und Haustüren um Unterstützung werben und eine Unterschriftenliste erstellen. Ein nächster Termin sei für den 18. Februar geplant, hieß es abschließend.

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