Beirat fordert Verkehrskonzept Flutbrückenbau: Borgfelder machen Druck

Die Borgfelder fühlen sich mit ihrem Frust über die Staus auf den Straßen allein gelassen. Umso heftiger trifft sie, dass sich die Behörde weigert, für die Zeit des Flutbrückenbaus Umleitungen auszuweisen.
19.02.2020, 18:32
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Flutbrückenbau: Borgfelder machen Druck
Von Antje Stürmann

„Dieses Schreiben ist eine Frechheit, weil es nicht ansatzweise auf unsere Forderungen eingeht“ – Bernd Stenner (SPD) platzte am Dienstagabend im Beirat der Kragen. Die Politiker der anderen Fraktionen pflichteten ihm bei. Für Zündstoff sorgte ein Brief, mit dem die Baubehörde auf die Forderung der Borgfelder nach einem fundierten Verkehrskonzept für die Zeit des Flutbrückenbaus reagiert hat.

Per Beschluss hatte der Beirat von der Verkehrssenatorin gefordert, zusätzlichen Staus mit Nachdruck vorzubeugen. Zur Erinnerung: Auch die Lilienthaler Politiker hatten Maßnahmen für einen besseren Verkehrsfluss in der Bauphase gefordert. Die Borgfelder befürchten, dass ihr Ortsteil im Stau erstickt, Polizei und Feuerwehr nicht rechtzeitig an den Einsatzorten ankommen, sich Autos durch die Nebenstraßen quälen und dort die Sicherheit der Anwohner gefährden. Ihre Befürchtungen schilderten sie der Senatorin und forderten unter anderem, dass der Verkehr in der Bauzeit weiträumig um Borgfeld herumgeleitet wird. Die Mitarbeiter der zuständigen Behörde indes sehen nach eigenen Angaben keine Notwendigkeit, sich darüber noch einmal Gedanken zu machen. Ja, der Verkehr könne insbesondere morgens und abends zunehmen, heißt es in einem Schreiben. Die Verkehrsabwicklung über die Flutbrücke werde aber funktionieren, davon geht Abteilungsleiter Gunnar Polzin aus. Die Borgfelder, die jetzt schon mit Staus auf den Straßen zu kämpfen haben, fühlen sich veräppelt.

Zweifel am Kalkül des Experten

Sie reagierten auf der Beiratssitzung in der Klüverhalle erbost auf die Antwort der Senatorin. „Als Quintessenz geht daraus doch hervor: Wir als Behörde haben keinen Bock, ein Verkehrskonzept zu entwickeln und gucken mal, was passiert“, unterstellte Bernd Stenner. Es sei offensichtlich, dass die bevorstehenden Baumaßnahmen zu erheblichen Schwierigkeiten im Verkehrsfluss führen werden. „Und es gibt null Maßnahmen zur Entschärfung der Situation“, schimpfte der Sozialdemokrat.

Lesen Sie auch

Der CDU-Fraktionschef im Beirat und stellvertretende Beiratssprecher, Jörn Broeksmid, schloss sich dieser Kritik an: „Das ist eine Frechheit vom Senat“, findet auch er, „ich fühle mich verschaukelt“. Es werde Staus geben „und alle, die hier wohnen, werden darunter leiden“, prophezeite er. Das Kalkül Polzins, dass genügend Autofahrer den Engpass auf der Flutbrücke von sich aus über die Autobahnzufahrt Bremen-Industriehäfen umfahren werden oder verstärkt auf Busse und Straßenbahnen ausweichen, teilt Broeksmid nicht. „Die Kapazitäten der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) sind auf dieser Strecke ausgereizt.“ Aus früheren Gesprächen weiß Broeksmid, dass die BSAG keine Straßenbahnen besitzt, um sie zusätzlich auf der Strecke Lilienthal-Bremen einzusetzen. Auch seien die Gleise bereits ausgelastet, so Jörn Broeksmid. Diese Rechnung könne also nicht aufgehen.

Laut Broeksmid würden deshalb auch keine zusätzlichen, temporären Park-and-Ride-Stellflächen auf den Parkplätzen der großen Discounter in Lilienthal helfen, wie die Grünen in Lilienthal und Borgfeld sie vorschlagen, um Pendler für den Wechsel in die Bahn zu begeistern. Jürgen Klaes von den Borgfelder Grünen regte darüber hinaus an, als Anreiz den Preis für ein Ticket vom Falkenberger Kreisel in die Stadt von derzeit 2,70 Euro auf einen Euro zu reduzieren, „auch in der Hoffnung, dass die Leute weiterhin Bahn fahren“.

Lesen Sie auch

Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe kann sich vorstellen, dass hinter dem Stillhalten der Behörde finanzielle Gründe stecken. „Das ist Hilflosigkeit, es soll nix kosten.“ Da schnappten in der fast voll besetzten Klüverhalle viele empört hörbar nach Luft. Ein Bürger kritisierte aufgebracht, den Grundstein für die heutigen Probleme habe die Stadt vor Jahrzehnten gelegt – mit dem Bau von Straßen, die sich streckenweise von zwei auf eine Spur verjüngen, sogenannte Flaschenhälse. Broeksmid argumentierte: „In Borgfeld werden hohe Steuereinnahmen generiert, wir haben eine vernünftige Lösung verdient.“

Autofahrer weiträumig umleiten

Beiratssprecher Gernot Erik Burghardt (FDP) regte an, das Schreiben der Behörde zurückzuweisen und unmissverständlich das Ausweisen konkreter, möglichst weiträumiger Ausweichstrecken einzufordern. In die Neuauflage des Borgfelder Beschlusses soll auch die Idee eines günstigeren Tickets aufgenommen werden und die Forderung, den Brückenbau so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen. Abstimmen wollen die Beiratsmitglieder nichtöffentlich per E-Mail, um so schnell wie möglich und rechtzeitig vor Baubeginn im Mai auf das Schreiben der Senatorin reagieren zu können.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+