Treffen im Ratsspiekerpark

Widerstand gegen Spielhalle in Borgfeld

Rund 30 Bürgerinnen und Bürger trafen sich im Borgfelder Ratsspiekerpark. Sie wollen sich gegen eine geplante Spielothek am Krögersweg wehren.
02.08.2020, 21:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Sabine von der Decken
Widerstand gegen Spielhalle in Borgfeld

Der Betreiber habe nach der Ablehnung des Bescheids Widerspruch eingelegt und eine Nutzungsänderung beantragt, informierte Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe (rechts).

Sabine von der Decken

Mehr als 30 Anwohner zog es zu einem mehr oder weniger spontanen Treffen im Ratsspiekerpark. Ihr gemeinsames Anliegen war die Sorge um die geplante Eröffnung einer Spielhalle am Krögersweg. Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe und Mitglieder des Beirats informierten die Borgfelder Bürger unter freiem Himmel über die derzeitige Faktenlage zum Thema.

Am Montag hatte Katrin Eils im Internet auf einer Immobilienseite vom geplanten Verkauf und der Umnutzung des ehemaligen Friseursalons an der Einmündung des Moorkuhlenweges in den Krögersweg gelesen. Schnell setzte sie sich mit dem Borgfelder Beirat in Verbindung und gab die Nachricht in der Nachbarschaft weiter. Die Emotionen kochten hoch. Mehrere Anwohner riefen empört im Ortsamt an. Mithilfe eines in den angrenzenden Straßen verteilten kurzfristig erstellten Flyers luden die Borgfelderinnen und Borgfelder zu dem Treffen in den Ratsspiekerpark ein.

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Von ihrem Wohnzimmer guckt Anette Hallerstede direkt auf die in Planung stehende Spielothek. Sie fragt sich, welche Besucher sich mit Einzug der Spielhalle zukünftig in ihrer Nachbarschaft bewegen werden. Diese Ungewissheit bereitet der Borgfelderin große Sorge. Auch Anwohner Tobias Raser hat bei der Nutzungsänderung des ehemaligen Friseursalons große Bedenken. Ein Café, Pub oder Bistro wäre für ihn kein Problem, eine Spielhalle aber, wie sich an diesem Abend zeigte, sei für etliche Anwohner nicht akzeptabel. „Das passt überhaupt nicht“, formulierte Tobias Raser seine Befürchtungen.

Politiker und Anwohner waren sich darüber einig, dass sowohl die Informationspolitik der Bremer Baubehörde als auch die Nutzungsänderung, die der Betreiber nach seinem Widerspruch erwirkt hatte, Fragen aufwerfen. An diesem Abend ging es in großer Runde darum, die Bedenken gegen die Öffnung einer Spielhalle zu formulieren und Strategien zu entwickeln.

Akte liegt zurzeit nicht vollständig vor

Nach Kenntnisstand von Borgfelds Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe sei der Verkauf noch nicht über die Bühne. Klarheit über den Status quo ergebe aber erst die Einsicht in die Akten. „Die Akte liegt zurzeit nicht vollständig vor“, sagte Beiratssprecher Gernot Erik Burghardt. Es könne sein, dass die seitens des Antragstellers erwirkte Aufkündigung der Ablehnung möglicherweise durch eine „Abspeckung“ des Volumens der Antragstellung erfolgt war und so dem Antrag auf Nutzungsänderung stattgegeben worden sei, so die Mutmaßung. „Es ist nicht witzig, dass das am Beirat vorbeiging“, sagte er ärgerlich.

Zu Schulzeiten, so Anette Hallerstede, würden viele Grundschulkinder an diesem Ort abgesetzt, um von dort allein den Schulweg fortzusetzen. Die Verbindung von eventuellen Öffnungszeiten der Spielothek von 8 bis 24 Uhr und dem Schulweg der Borgfelder Grundschulkinder bereitete den Anwohnern große Sorgen.

Es seien vermutlich vier direkte Anwohner nachbarrechtlich direkt betroffen. Alle in größerem Umkreis wohnenden Borgfelder seien rein rechtlich nur indirekt betroffen, klärte Burghardt auf. Eine angenommene Nutzungsfläche der Spielhalle von zirka 100 Quadratmetern gebe Anlass zu Befürchtungen, dass sich der Straßenverkehr in diesem Bereich verstärken werde.

Es besteht Handlungsbedarf

Beiratssprecher Gernot Erik Burghardt geht zudem davon aus, dass eine Rechtsschutzversicherung die Kosten nicht übernehmen würde, wenn es in einem Verfahren etwa um Akteneinsicht und die Erwirkung eines Baustopps gehen werde. Trotzdem bestehe Handlungsbedarf, und er riet dazu, eine gemeinsame „Kriegskasse“ zu bilden. Gabriela Piontkowski, Vorsitzende des CDU-Ortsverbandes und Mitglied in der Bremischen Bürgerschaft, riet zu einer Unterschriftensammlung und dazu, eine Petition einzureichen.

Das sei die letzte Möglichkeit, das Bauamt zu veranlassen, noch einmal auf den Bauantrag zu schauen, erklärte sie. „Es ist erstaunlich, dass sich die Einschätzung der Behörde so geändert hat. Das kann nicht zulasten der Bürger gehen.“ Nachdem die Baubehörde im vergangenen Jahr signalisiert hatte, dass sie dem Vorhaben nicht zustimmen werde, lehnte auch der Borgfelder Beirat die Spielhalle an dieser Stelle ab.

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