Borgfelder Tischlerei Kahrs und Schulz

Handwerk trifft Digitalisierung

Seit 45 Jahren befindet sich die Tischlerei Kahrs und Schulz in Borgfeld. Das klassische Handwerk wird dort geboten, doch auch die Digatilisierung ist im Betrieb auf dem Vormarsch.
10.11.2020, 13:00
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Von Sabine von der Decken
Handwerk trifft Digitalisierung

1988 trat Andreas Kahrs in den Familienbetrieb Kahrs und Schulz mit ein.

Sabine von der Decken

Borgfeld. Herrn Schulz gibt es schon seit mehr als 20 Jahren nicht mehr, die Tischlerei Kahrs und Schulz am Upper Borg aber trägt immer noch seinen Namen. 1974 gründeten Johann Kahrs und Paul Schulz am Stavendamm einen Tischlereibetrieb, der seinen Ursprung im Schlossereibetrieb Schnoor 18 hatte. 1988 trat Andreas Kahrs in den inhabergeführten Betrieb mit ein. Noch heute erinnert im Schnoor ein großer Schlüssel als Schlossereizeichen an die die ersten Schritte der Borgfelder Tischlerei unter dem Dach der Schlosserei.

Als sich die Tischlerei vergrößerte, zog der Betrieb vom Schnoor nach Borgfeld. Anfangs mussten die Tischler hier, wenn sie eine andere Maschine für ihre Arbeit benutzen wollten, über den Hof in ein anderes Gebäude gehen, erinnert sich Tischlermeister Andreas Kahrs. Das ist jetzt anders, heute gibt es eine große Werkstatt.

Mit dem Bau von Fenstern, Türen, Treppen und Innenausbau, also dem kompletten Bereich des Tischlerhandwerks, traten Kahrs und Schulz 1974 an. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Wenn es schräg und schief wird, dann kommt der Tischler ins Spiel“, sagt Tischlermeister Kahrs, für den die großen Möbeldiscounter keine Konkurrenz darstellen. Sein Handwerk habe eben andere Varianten und Spielräume in Materialien und Abmessungen zu bieten als die Möbel von der Stange. Im Borgfelder Betrieb arbeiten sieben Mitarbeiter. Die waren auch für das Gelingen des letzten Projekts der Borgfelder Tischlerei zuständig. Mit ihren Fachkenntnissen sorgten sie dafür, die Kabineneinrichtung des SC Borgfeld auf Bundesliganiveau zu bringen. Als langjähriger Fußballspieler holte Andreas Kahrs dazu noch vier weitere Handwerksbetriebe als Sponsoren mit ins Boot.

Eigentlich wollte Andreas Kahrs Architektur studieren. Als Vorbereitung auf sein Studium entschied er sich für eine Tischlerlehre. Die Leidenschaft für Holz und Handwerk ließen ihn bleiben und den Meister machen. Heute kommt er nicht mehr dazu, selber an der Werkbank zu stehen. Aber die praktische Arbeit fehlt ihm auch nicht, gibt er zu. Gedanken an einen Nachfolger hat er bis dato noch nicht gehabt. „Ich will ja noch ein paar Jahre arbeiten“, sagt er entschieden. Der Radius der Borgfelder Tischlerei ist nicht auf den Stadtteil begrenzt, sondern reicht über Bremens Grenzen bis nach Hamburg. Durch die neuen Baugebiete gewann die Firma Kahrs und Schulz neben den alten Borgfeldern auch die Borgfelder Neubürger als Kunden dazu.

In den vergangenen Jahren setzte auch die alteingesessene Tischlerei vermehrt auf Digitalisierung und nahm einen Möbel-Online-Planer in ihren Online-Auftritt auf. Als Kombination von klassischem Handwerk und Digitalisierung bezeichnet der Borgfelder Tischlermeister dieses Konzept, bei dem der Kunde seine Wunschmöbel selber planen könne. Am liebsten aber ist Andreas Kahrs der sich anschließende persönliche Kontakt.

Die Borgfelder Tischlerei ist einer von fast 100 Meisterbetrieben im Land Bremen. Nahezu alle sind Familienbetriebe, weiß Innungs-Obermeister Matthias Winter. Aber nur 20 Betriebe davon bilden aus. Tischlereien gehören zum Ausbauhandwerk und Ausbaugewerken, sagt Winter, und denen gehe es momentan ziemlich gut. Eine Auftragsknappheit gebe es hier nicht, eher eine Material- und Personalknappheit. „Corona hat keine Bremsspuren hinterlassen“, so die positive Nachricht des Landesinnungsmeisters von Niedersachsen und Bremen. Da die Tischler in den vergangenen Jahren ziemlich viel in ihr Image investierten, kennen sie keine Nachwuchsprobleme. Es gebe eher das Problem von nur wenigen Ausbildungsplätzen, da Ausbildung für einen Betrieb sehr teuer sei und sich daher nicht unbedingt rechne.

Die Nachfolge sei da ein anderes Thema, sagt Matthias Winter. Obwohl das Interesse vor allem bei Studienabbrechern und Studenten, die die Ausbildung zum Tischler als Vorbereitung für ihr Studium nutzen, vorhanden sei, gibt auch in dieser Branche ein Sterben. Mehr als jemals zuvor aber hat die Aussage „Handwerk hat goldenen Boden“ Gültigkeit. „Handwerk ist ein sicherer Wirtschaftszweig“, sagt Innungsobermeister Matthias Winter. Im Handwerk werden Leute gebraucht. Hier haben sie deutlich bessere Verdienstmöglichkeiten als so mancher Studienabgänger.

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