Geschäftsbericht

Ein Fotograf alter Schule

Die Zeiten sind hart, und das nicht erst seit der Corona-Krise. Das gilt vor allem für Fotografen. Vieles in der Branche hat sich geändert, Volker Busch aus Borgfeld kann ein Lied davon singen.
21.04.2020, 13:00
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Von Sabine von der Decken
Ein Fotograf alter Schule

Die Zeiten haben sich geändert: Volker Busch in seinem Fotografiestudio.

Sabine von der Decken

Borgfeld. Er ist schon im 30. Jahr seiner Selbstständigkeit, stellt Volker Busch mit ein wenig Überraschung in der Stimme fest. Zehn Jahre davon arbeitete der Fotograf in seinem Atelier in der Weberstraße im Bremer Ostertorviertel, dann zog es ihn nach Oberneuland. Seit 2015 hat er sein Studio am Großen Moordamm in Borgfeld aufgebaut, um hier als Kunst- und Werbefotograf Kataloge und Imagebroschüren für Künstler und Gewerbetreibende zu entwickeln. Gerade hat er Verpackungen für einen Kunden in Szene gesetzt.

Durch die Krise sei der Berufsstand der Fotografen nicht erst in die Krise geraten, so Volker Busch. Denn die Auftragslage für selbstständige Fotografen ist nicht erst seit der Corona-Krise schwierig geworden, sondern es begann bereits mit der Digitalisierung der Fotografie. Früher waren Kataloge mit aussagekräftigen, qualitätsvollen Fotografien für viele Firmen Teil der Außendarstellung. Das ist heute anders. Da steht unter Abbildungen der Hersteller der Begriff „ähnlich“, der nur auf die Annäherung des Produkts an die Realität hinweist. Oft genug seien Produkte auch mit dem Handy fotografiert.

Jetzt, in der Corona-Krise und infolge der angespannten Wirtschaftslage, fehlen Fotografen Anschlussaufträge, das sei ein Problem, so Busch. So finden die Veranstaltungsreihe „Art meets Bar“ und der dazugehörige Katalog zurzeit aufgrund des Kontaktverbots und geschlossener Bars und Kunsttempel keine Fortsetzung. „Wer weiß, wie lange das so noch läuft“, so der Fotograf nachdenklich.

Nach einem Schulpraktikum bei einem Bremer Fotostudio und einer Werbeagentur fiel Volker Buschs Entscheidung zugunsten der Ausbildung zum Fotografen. Es stellte sich als der einzig richtige Beruf für ihn heraus. „Nach wie vor macht mir Sehen und Bildgestaltung Spaß“, sagt der Kunst- und Werbefotograf mit Überzeugung. Neben Kunst und Werbung hat er aber auch ein Faible für die Natur entwickelt. „Ich wohne ja mittendrin“, stellt er, der sich als großer Gartenfreund bezeichnet, fest. Das schlägt sich auch in seinen Ausstellungen nieder. Arbeitete er früher mit analogen Kameras und Rollfilmen und zog voll beladen von Termin zu Termin, sind es heute digitale Leichtgewichte mit Vollformatsensor.

Und er legt Wert auf die Details: Als Fotograf, der sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat, sind sowas wie „stürzende“ Linien für ihn nach wie vor ein Unding. „So sieht ein Haus nicht aus“, ist seine unverrückbare Meinung. Bestimmte Sachen verlerne man einfach nicht. Weltklasse und Fluch zugleich sei die mit der digitalen Fotografie einhergehende Nachbereitung der Fotografien. „Es ist grandios, aber auch gemein“, sagt Busch, der genau weiß, welche Farbtemperaturen zu welcher Bildkomposition passen und welche eben nicht. Früher sei es der „Tod“ eines jeden Fotografen gewesen, wenn er einen Besen im Bildaufbau übersehen habe. „Das gibt es heute nicht mehr, dafür ist ja Photoshop da.“ Bearbeitete der Fotograf vor dem digitalen Zeitalter mit Kreide Lichtkanten auf den Objekten, erledigt das heute ein Bildbearbeitungsprogramm. Das sei Fluch und Segen zugleich, fasst er die verschiedenen in ihm brodelnden Gefühle zusammen.

Für Busch waren die Anleitungen des US-Fotografen Ansel Adams seine „Bibel“. Das sei heute nicht mehr angesagt, denn heutzutage zücke jeder einfach sein Handy. Buschs Plan aber ist es, als Handwerker in seinem Studio im Grünen so weiter zu machen, wie er es gelernt hat. Für die richtige Ausleuchtung seiner Objekte braucht Busch neben Zeit seine großen Scheinwerfer, benutzt für das Feintuning aber auch kleine Spiegel.

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