Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung

Neue Idee für den Wohnstandort Borgfeld

Die Kaisen-Stiftung hat in Borgfeld ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert und dabei Vorschläge für den Wohnstandort Borgfeld angekündigt. Die Ideen sollen demnächst auch den Beirat beschäftigen.
13.09.2020, 18:32
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Von Sabine von der Decken
Neue Idee für den Wohnstandort Borgfeld

Eine von Schülern der Wilhelm-Kaisen-Oberschule angefertigte Gedenktafel zeigt die Ergebnisse der Kooperation der Schule mit der Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung.

Sabine von der Decken

Borgfeld. Viele Veranstaltungen hätten sie für den 25. Geburtstag geplant, so Horst Brüning. „Aber das Jubiläumsjahr„, so das Mitglied des Vorstands der Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung, “ist sehr still geworden.“ Einmal pro Monat gibt es einen Tag der offenen Tür in der Wilhelm-und-Helene-Kaisen-Stiftung. Der fiel aufgrund des Jubiläums nun etwas größer als normal aus, allerdings coronabedingt auch etwas kleiner, als es einer Jubiläumsveranstaltung angemessen gewesen wäre. Denn bei schönstem „Kaisenwetter“ mussten die Feierlichkeiten ein wenig anders ablaufen als ursprünglich geplant. Wohnhaus, Scheune und Gewächshaus waren unter AHA-Bedingungen geöffnet – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. In seiner Begrüßung hob Horst Brüning hervor, dass das Jubiläumsjahr der Stiftung einhergeht mit Wilhelm Kaisens Wahl in die Bremische Bürgerschaft vor 100 Jahren und dessen Berufung zum Bürgermeister und Präsidenten des Senats der Freien Hansestadt Bremen vor 75 Jahren.

Aufgrund ihrer Funktion als Kuratoriumsmitglied der Stiftung besuchen amtierende Bremer Bürgermeister mindestens einmal in ihrer Amtszeit die Stiftung. Andreas Bovenschulte nahm das Jubiläum als Anlass für seinen Antrittsbesuch. Horst Brüning nutzte dessen Besuch, um dem Bürgermeister die ersten Pläne für die Bebauung der Pferdeweide hinter dem Kaisen-Stift zu übergeben. „Wir wollen in Borgfeld Mikrowohnen entstehen lassen“, kündigte Brüning an. Das seien kleine Wohneinheiten mit gemeinschaftlich nutzbaren Flächen. Kaisens Geist folgend sei das Projekt gedacht für das Wohnen in sozial schwierigen Zeiten, so das Vorstandsmitglied.

Es sei atypisch, sagte Brüning, dass eine Stiftung nur mit einem Grundstück und den darauf stehenden Gebäuden ausgestattet sei. Konkrete Pläne gab es bei Stiftungsgründung 1995 nicht. „Wir arbeiteten Stück für Stück ab“, berichtete Brüning. Daher sei die erste Tat nach Gründung der Kaisenstiftung der Bau des Kaisen-Stifts, einer Einrichtung für mehrfach beeinträchtigte Kinder und Jugendliche, gewesen. Durch die Finanzierung des Baus aber hatte die Stiftung von Anfang an Schulden, die es abzubauen galt. „Wir kämpfen seit 25 Jahren gegen Geldknappheit“, gestand das Vorstandsmitglied. Nach einem Vierteljahrhundert stehe nun die Sanierung des Kaisen-Stifts an.

Auf den Bau des Kaisen-Stifts folgte in den nächsten Jahren der Umbau der Scheune zur Dokumentationsstätte und die Erneuerung des Kaisengrabmals auf dem Riensberger Friedhof. „Wir haben uns jedes Jahr etwas vorgenommen.“ Als nächstes steht das Bauprojekt „Mikrowohnen“ auf dem Programm der Kaisenstiftung. Baubeginn könnte, wenn alles nach Plan läuft, im Herbst 2021 sein. Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe und der Borgfelder Beirat wurden die Pläne zum Bauprojekt bislang jedoch noch nicht vorgelegt. Nähere Informationen gebe es erst in einer nicht öffentlichen Beiratssitzung am 6. Oktober. Wilhelm Kaisen verkörpere eine sehr erfolgreiche Zeit. Daher ist Karl-Heinz Bramsiepe nach eigener Aussage sehr stolz, dass Borgfeld solch eine Gedenkstätte hat.

Horst Brüning (rechts) nutzte den Besuch von Bürgermeister Andreas Bovenschulte, um ihm die ersten Pläne zur Bebauung der Pferdeweide zu übergeben.

Horst Brüning (rechts) nutzte den Besuch von Bürgermeister Andreas Bovenschulte, um ihm die ersten Pläne zur Bebauung der Pferdeweide zu übergeben.

Foto: von der Decken

Auch Andreas Bovenschulte verwies auf die prägende Funktion von Wilhelm und Helene Kaisen für Bremens Geschichte. „Es ist richtig und wichtig, ihre Haltung weiterzugeben, die die Grundlage bremischen Gemeinsinns bildete“, betonte der Bremer Bürgermeister den Wert der Kaisen-Dokumentationsstätte. Die Kaisenstiftung sei ein Musterbeispiel dafür, wie in Bremen Bürgersinn gelebt werde. Es ging Inge und Franz Kaisen bei der Idee zur Stiftung nicht nur um die die Erhaltung des Anwesens, der Bewahrung der Gedanken und der Idee, sondern auch darum, konkret Gutes zu tun im Sinne von Wilhelm Kaisen. Daraus resultierte zwei Jahre nach Stiftungsgründung der Bau des Kaisen-Stifts als konkrete Tat für das Gemeinwesen. Bovenschulte hob in seinen Grußworten besonders das politische und soziale Engagement Helene Kaisens hervor. Auch Wilhelm Kaisen sei nicht unfehlbar gewesen, gab Bovenschulte zu bedenken. „Aber er hat einen ganz klaren Kompass für die Zeit nach 1945 gehabt.“ Der Kern seines Denkens war Zusammenhalt und Gemeinsinn. Als Bremer Bürgermeister stehe er, so Bovenschulte, zwar in der Tradition von Kaisen, vor allem aber in dessen Schatten.

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