Podiumsdiskussion in Borgfeld

Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Die Kandidaten für den Borgfelder Beirat Karl-Heinz Bramsiepe (CDU), Alexander Keil (SPD), Jürgen Klaes (Grüne) und Gernot Burghardt (FDP) stellten sich bei der Heimstiftung den Fragen des Publikums.
07.05.2019, 19:01
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Von Klaus Göckeritz
Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Auf dem Podium diskutierten Borgfelder Spitzenkandidaten für die Beiratswahl im Restaurant Fleet (von links): Gernot Burghardt (FDP), Karl-Heinz-Bramsiepe (CDU), Alexander Keil (SPD) und Jürgen Klaes (Grüne).

Maximilian von Lachner

Das bürgerschaftlich orientierte Borgfelder Forum hat im Vorfeld der Beiratswahlen am 26. Mai in die Fleetstube der Heimstiftung eingeladen. Der Talk mit vier Spitzenkandidaten der Parteien verdeutlichte den im Ortsteil vorhandenen erheblichen Redebedarf. Gut 80 Zuhörer verfolgten die von der Journalistin Katharina Mild moderierte Gesprächsrunde. Hoch emotional entwickelten sich einmal mehr die Auseinandersetzungen um das Thema Bürgerhaus. Auf dem Podium stellten sich die Kandidaten Karl-Heinz Bramsiepe (CDU), Alexander Keil (SPD), Jürgen Klaes (Grüne) und Gernot Burghardt (FDP) den Fragen des Publikums.

Beim Thema Verkehr in Borgfeld passten die Einschätzungen von Ortspolitikern und Bürgern noch halbwegs übereinander. Dass die Fußgänger und Radfahrer auf der Heerstraße insbesondere an Markttagen zu kurz kommen, darüber war man sich in der Runde einig. Von katastrophal bis stark verbesserungswürdig reichten die Zustandsbeschreibungen von Jürgen Klaes, Alexander Keil und Karl-Heinz Bramsiepe. Besserung sei mit einem vorliegenden Entwurf eines Bremer Hochschulabsolventen grundsätzlich möglich und wünschenswert. Abhilfe könnten auch zeitweilige Sperrungen, Tempolimits oder die Einrichtung von Zebrastreifen bringen, so die Politiker fraktionsübergreifend. Zwischenrufe aus dem Publikum erntete Freidemokrat Gernot Burghardt, der beim Thema Verkehr die politisch mehrfach beerdigte Hollerlandtrasse ins Spiel brachte.

Grundsätzliche Kritik handelte sich die auf dem Podium versammelte Ortspolitik von Bürger Dirk Kothe ein. Er nannte die ungelösten Probleme selbst gemacht und machte dafür eine tiefe Uneinigkeit im Beirat verantwortlich. Diese Schwäche sei von der Stadt und dem Land Niedersachsen ausgenutzt worden. „Wollen Sie so weiterwurschteln?“, fragte Kothe – und die Politiker signalisierten an diesem Abend Einsicht. „Wir streben Einigkeit grundsätzlich an“, sagte Karl-Heinz Bramsiepe, und auch Alexander Keil sprach von einer verbesserungswürdigen Diskussionskultur. „Dies haben wir nicht immer hinbekommen“, räumte auch Gernot Burghardt ein, während „Politneuling“ Jürgen Klaes auf seine Fähigkeiten als Friedensstifter hinwies.

Die bis dahin moderate Diskussion gewann beim Thema soziales Wohnen und dem von Vereinen und Initiativen geforderten und geplanten Bau eines Dorfgemeinschaftshauses auf dem Gelände der Warft an der Wendeschleife der Linie 4 zusehends an Schärfe. In der Kritik stand insbesondere die CDU-Beiratsfraktion mit Beiratssprecher Karl-Heinz Bramsiepe. „Erkennen Sie den Bedarf an und werden Sie sich für den Bau eines Bürgerhauses grundsätzlich einsetzen?“, fragte Hermann Vinke vom Borgfelder Forum und wurde von Martin Schumacher unterstützt. Das ehemalige Beiratsmitglied der Grünen bezweifelte die selbst formulierte Rolle des Beiratssprechers als Vermittler, und Bürger Helmut Donat forderte die CDU zum ernsthaften Dialog mit der Bevölkerung auf. „Oder haben Sie davor Angst?“, fragte Donat.

Alexander Keil und Jürgen Klaes nannten den Bau eines Bürgerhauses alternativlos. Der Standort Warft sei aus verschiedenen Gründen nicht zum Bau eines Dorfgemeinschaftshauses geeignet, entgegnete Bramsiepe. Die Interessen des Sportvereins TSV Borgfeld seien berührt, zudem stehe die Finanzierung des Bürgerhauses und der laufende Unterhalt auf schwachen Füßen, so der Beiratssprecher weiter. Dies wiederum rief Gernot Neumann-Mahlkau und Heiko Wagener vom Förderverein zum Bau eines Bürgerhauses auf den Plan. Die Überlegungen seien weit gediehen, die Finanzierung sei Sache des Vereins, das gehe den Beirat nichts an, so Neumann-Mahlkau. Heiko Wagener nannte das Verhalten der Beiratsmehrheit unfair.

Schützenhilfe erhielt die CDU von Gernot Burghardt. Es gebe einen in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommenen mehrheitlichen Beiratsbeschluss, wonach die Stadt in die Pflicht genommen werden solle. Demnach könnte es eine Lösung mit Ortsamt, Polizeistation und Bürgerhaus für Vereine und Einrichtungen unter einem Dach geben. Nun sei die Stadt am Zuge, sagte er, man warte auf entsprechende Signale.

Die Diskussionen im Borgfelder Beirat nannte der ehemalige Deputierte Hans-Hinrich Blumenberg als insgesamt fruchtlos. Im Gegensatz zu anderen Stadtteilen wie Schwachhausen sei Borgfeld in der Bremischen Bürgerschaft nicht mit Abgeordneten vertreten. Wenn sich daran nichts ändere, würde den Borgfelder Themen weiterhin die Durchsetzungsfähigkeit auf der Bremer Bühne fehlen. Auch eine Zuhörerin vermisste Grundsätzliches. Bei den Auseinandersetzungen fehle ihr das nötige Wir-Gefühl aller Beteiligten. Die Antwort vom Podium kam in Gestalt von guten Vorsätzen umgehend. „Ich möchte Verständnis wecken“, sagte FDP-Mann Gernot Burghardt. Karl-Heinz Bramsiepe will den besonderen Eindruck des Ortsteils bewahren, und Alexander Keil bedankte sich nach zwei Stunden beim Borgfelder Forum für eine lebhafte Diskussion. Der Grünen-Kandidat Jürgen Klaes regte an, verstärkt über die Zukunft nachzudenken und neue Ideen zu entwickeln.

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