Jugendliche "Vorglüher" Thema im Sozialausschuss / Freizi-Vorplatz soll umgebaut werden Klagen über Scherbenhaufen

Borgfeld. Gefeiert wurde beim Borgfelder Schützenfest ziemlich viel - leider nicht nur im Festzelt, sondern auch auf dem Schulhof der Grundschule Borgfeld-Mitte. Über die unerfreulichen Folgen sprach der Sozialausschuss des Borgfelder Beirats in seiner jüngsten Sitzung.
27.09.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von johannes kessels

Borgfeld. Gefeiert wurde beim Borgfelder Schützenfest ziemlich viel - leider nicht nur im Festzelt, sondern auch auf dem Schulhof der Grundschule Borgfeld-Mitte. Über die unerfreulichen Folgen sprach der Sozialausschuss des Borgfelder Beirats in seiner jüngsten Sitzung.

Gerd Ilgner (SPD) hat am Sonnabend des Schützenfestes sich morgens den Schulhof angesehen, wie er berichtete, und war ziemlich überrascht: "Da lagen alle Überreste einer Party herum." Etwa ein Dutzend Bier- und Schnapsflaschen hat Ilgner gezählt, Müll gefunden, ein Messer, die Sandkiste war voller Scherben. "Wenn es nicht gelungen wäre, den Hausmeister zu benachrichtigen, wären die Kinder am Montagmorgen in einen Scherbenhaufen getreten", meinte Ilgner. Außerdem seien Dachpfannen beschädigt worden.

Bei den Tätern handle es sich wohl um "jugendliche Vorglüher", die sich auf die Schützenfestparty am Freitagabend eingestimmt hätten, vermutet Ilgner, und dieses "Vorglühen" mit Hilfe größerer Mengen Alkohol sei ein allgemeines gesellschaftliches Problem geworden. Die Polizei weiß bereits Bescheid, erklärte Axel Schröder, der Leiter des Reviers Horn. Der Schulhof werde regelmäßig überwacht. Es werde toleriert, wenn Jugendliche dort säßen, solange sie keinen Lärm oder Schmutz machten. Wer aber randaliere, werde der Schulleitung gemeldet und bekomme ein Hausverbot ausgesprochen. Die Polizei fahre nach und nach sämtliche bekannten Treffpunkte Jugendlicher ab. Beim Schützenfest sei aber nicht der Jugendeinsatzdienst unterwegs gewesen, weil es diesen nicht mehr gebe, sondern der mobile Einsatzdienst, und diese Kollegen hätten wohl nicht an den Schulhof gedacht. "Das ist denen einfach so durchgeschlüpft." Gerd Ilgner erkundigte sich, ob auch Maßnahmen zur Prävention ergriffen würden. Wenn

es sich um junge Erwachsene im Alter von 18 Jahren oder älter handle, könne seine Behörde nichts tun, erwiderte Dirk Siebelts vom Jugendamt. Wenn aber Minderjährige alkoholisiert von der Polizei aufgegriffen würden, werde das Jugendamt sofort informiert und spreche mit den Eltern.

Mutlu Erslan, der Leiter des Jugendfreizeitheims ("Freizi"), sieht die Lage nicht so dramatisch. In anderen Stadtteilen komme so etwas viel häufiger vor als in Borgfeld. Jugendliche bräuchten Treffpunkte. "Die wollen auch mal abhängen und nicht unbedingt noch um 22 Uhr von uns pädagogisiert werden." Und die Jugendlichen in Borgfeld seien "einfach toll". Er selbst könne inzwischen bereits ungefähr zehn Wörter Latein, weil die Besucher des Freizis dort ihre Hausaufgaben machten. Von seiner Arbeit als Streetworker in Gröpelingen und Osterholz-Tenever kenne er ganz andere Zustände. Auch Axel Schröder meinte, die meisten Besucher des Schützenfestes seien nette, zuvorkommende junge Menschen gewesen. Deshalb solle man die Vorfälle auf dem Schulhof nicht zu hoch hängen.

Sorgen macht dem Freizi-Leiter allerdings der Vorplatz der Einrichtung, der umgestaltet werden soll. 70000 Euro wurden dafür beantragt, bisher wurden 45000 Euro bewilligt. "Aber jetzt brauchen wir plötzlich noch ein Schallgutachten, obwohl der Unterstand 100 Meter vom nächsten Wohnhaus entfernt gebaut werden soll", wundert sich Mutlu Erslan. Das Geld stehe seit dem Frühjahr zur Verfügung, erinnerte Gerd Ilgner. "Das geht zu langsam." Dirk Siebelts erklärte, der Nutzungsvertrag müsse noch nachverhandelt werden, weil er derzeit eine für die Träger des Freizis, den Verein für akzeptierende Jugendarbeit (Vaja) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), ungünstig sei: Bei einer Nutzungsänderung des Gebäudes seien sie zu einem Rückbau verpflichtet.

Dann, so ein Antrag von Rainer Filser (Grüne), solle der Ortsamtsleiter sich bei der Genehmigungsbehörde erkundigen. Außerdem solle er die Träger des Freizis, den Architekten und die Immobilien Bremen an einen Tisch bringen, so Gerd Ilgner. Das will der Ortsamtsleiter Jürgen Linke nun tun, wie er versicherte.

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