Das Kaisenstift bietet 24 behinderten Kindern und Jugendlichen ein Zuhause Klein, familiär und warm

Borgfeld. Behaglicher könnte der Ort für die 24 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum sein. Auf der ehemaligen Hofstelle von Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen haben sie ein Zuhause gefunden. Wo einst die Kühe weideten, ist eine Einrichtung für Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen entstanden: das Kaisenstift. Am 1. Oktober 1997 zog der erste Bewohner ein. "Er lebt noch hier", erzählt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Angela Wölbern.
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Von Ulrike Schumacher

Borgfeld. Behaglicher könnte der Ort für die 24 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen kaum sein. Auf der ehemaligen Hofstelle von Bremens Bürgermeister Wilhelm Kaisen haben sie ein Zuhause gefunden. Wo einst die Kühe weideten, ist eine Einrichtung für Menschen mit geistigen und mehrfachen Behinderungen entstanden: das Kaisenstift. Am 1. Oktober 1997 zog der erste Bewohner ein. "Er lebt noch hier", erzählt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Angela Wölbern.

Das helle und behagliche Haus am Rande der Wiesen ist für die Einrichtung eigens gebaut worden. Träger ist die Kaisenstift-Betriebsgesellschaft. Gesellschafter sind zu gleichen Teilen der Bremer Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes und der Bremer Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt. 84 Bewohner sind hier in den 13 Jahren des Bestehens betreut worden, berichtet Angela Wölbern. Einziehen dürfen sie ab sieben Jahren. Wenn sie erwachsen geworden sind, verlassen sie die Einrichtung wieder. Derzeit sind alle 24 Plätze belegt. "Aber viele unserer Bewohner sind volljährig geworden", sagt Angela Wölbern. Demnächst kommt also wieder Bewegung in die große Kaisenstift-Familie.

So sehen sie sich, die Bewohner und die Mitarbeiter - als große Familie. "Wir haben eine besondere Atmosphäre hier im Haus", beschreibt die stellvertretende Leiterin den Alltag. Die Einrichtung sei "klein, familiär und warm". Für Eltern, die sich mit dem Gedanken tragen, ihr Kind in eine Einrichtung zu geben, sei das ein beruhigendes Gefühl. "Es ist ja ein schwerer Schritt."

60 Mitarbeiter kümmern sich

Eltern, die für ihre behinderten Kinder eine Einrichtung suchen, müssten sich an das Amt für soziale Dienste wenden. "Von dort werden die Hilfen gesteuert." Wer ins Kaisenstift einzieht, lebt in einer der drei altersgemischten Wohngruppen. Das Gebäude gleicht einem großen E. Jede Gruppe hat ihren eigenen Trakt mit Gruppenraum, Küche, großem Bad und acht individuell gestalteten Einzelzimmern. Viel Licht dringt durch die großen Fenster. Auch das trägt zur Behaglichkeit bei. Wie die knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die rund um die Uhr für die Bewohner da sind.

Sie sind Erzieher und Erzieherinnen, Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen, Kinderkrankenschwestern, Sozialpädagogen, Zivildienstleistende und junge Menschen, die hier ihr freiwilliges soziales Jahr verbringen. Die meisten arbeiten auf Teilzeitbasis. Eine Psychologin begleitet das Team mit fachlicher Beratung, Weiterbildung und Supervision. Wer hier arbeitet, sagt die stellvertretende Leiterin, "muss das Herz am rechten Fleck haben und Freude an der Aufgabe empfinden".

Für die Bewohner ist das Kaisenstift das zweite Zuhause. Die Mitarbeiter begleiten sie darin, einen geregelten Alltag zu leben und Selbstständigkeit zu erlangen. Sie unterstützen die Kinder und Jugendlichen dabei, den Tagesablauf nach ihren Möglichkeiten und Interessen selbst zu gestalten.

"Die Kollegen helfen beim Start in den Tag", sagt Angela Wölbern. Abends sorgen sie für die Rituale, die jeder Bewohner braucht. Und dazwischen - nach der Schule oder der Arbeit, die die Bewohner selbstständig oder per Fahrdienst erreichen -, sieht der Tagesablauf Spaziergänge, Reitangebote, Ausflüge, Krankengymnastik, Logopädie oder Ergotherapie vor. Als Übungen zur Lebenspraxis beschreibt Angela Wölbern Einkäufe für gemeinsames Kochen am Wochenende. Und in kleinen Gruppen begibt sich das Kaisenstift auch auf Urlaubsfahrt. "Wie in einer richtigen Familie."

Leitgedanke der Einrichtung sei das "Normalisierungsprinzip" mit dem Ziel der sozialen Integration. Liebevolle Beziehung, klare Orientierung und ein strukturiertes Umfeld sollen Zufriedenheit, Selbstständigkeit und soziale Kompetenz steigern. Aber auch die enge Bindung zu den Angehörigen spiele eine zentrale Rolle. "Eine tragfähige und konstante Bindung zur Familie ist ein wichtiges Ziel unserer Arbeit und für die Entwicklung der Kinder und Jugendlichen von großer Bedeutung", schreibt das Kaisenstift in seiner Informationsbroschüre. Dieser Wunsch gehe leider nicht immer in Erfüllung, bedauert Angela Wölbern. Es gebe auch Bewohner, die zu ihren Eltern überhaupt keinen Kontakt haben.

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