Gas-Infoabend in Borgfeld Mühsamer Widerstand

Der Plan zur Gasförderung im Bremer Umland beschäftigt die Leute. Eine Veranstaltung der Bürgerinitiative No Moor Gas besuchten knapp 200 Bürgerinnen und Bürger. Die Veranstalter hatten aber auf mehr gehofft.
28.02.2019, 17:50
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Mühsamer Widerstand
Von André Fesser

Borgfeld/Lilienthal. Der Widerstand soll weitergehen. Das haben sich die Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) No Moor Gas fest vorgenommen. Seit Monaten wehren sie sich gegen eine mögliche Ausweitung der Erdgasförderung in den Landkreisen Osterholz, Rotenburg, Verden und Diepholz. Und obwohl die Deutsche Erdoel AG (Dea) ihre Pläne für seismische Messungen vorerst zurückgestellt hat, sehen die BI-Vertreter keinen Anlass, ihre Aktivitäten zurückzufahren. Das haben sie am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung in Borgfeld bekräftigt.

Im Zuge der Veranstaltung im Borgfelder Landhaus zeigte sich aber auch, wie schwierig es sein kann, den Protest zu organisieren und Mitstreiter zu gewinnen. Wie eine BI-Vertreterin erklärte, habe man im Vorfeld viele Tausend Infozettel in der Gegend verteilt, um auf die Veranstaltung hinzuweisen. Man sei in Lilienthal, Borgfeld, sogar in Oberneuland unterwegs gewesen und bis an die Haustüren gegangen, um die Anwohner für die Veranstaltung zu gewinnen. Am Ende kamen zwischen 150 und 200 Menschen ins Landhaus – ein Ergebnis, das einige der Organisatoren enttäuschte. Vorangegangene Veranstaltungen in der Region hatten immerhin zwischen 500 und 1000 Besucher mobilisiert.

Dabei war es den Organisatoren so wichtig, mit dieser Veranstaltung deutlich zu machen, dass die Gasförderung eben nicht allein Sache der Menschen im Bremer Umland ist, sondern auch die Bremerinnen und Bremer angehen sollte. No-Moor-Gas-Vertreterin Anja Büssenschütt wies darauf hin, dass die Erdgasförderung am Trinkwasserschutzgebiet Panzenberg bei Verden gerade deswegen so heikel sei, weil dort ein Großteil des Wassers für Bremen gewonnen werde. Sollte die Gasförderung nicht sauber verlaufen und Schadstoffe ins Wasser gelangen, wären Hunderttausende Haushalte betroffen.

Renate Maaß von der Bürgerinitiative „Kein Fracking in der Nordheide“ mutmaßte, dass die Dea ihre Pläne zur Gassuche nicht vollends verworfen habe. Die Dea verfügt über die Förderrechte in der Region. Möglich, dass das Unternehmen das Messvorhaben mit den sogenannten Vibrotrucks angesichts des Widerstands von Bürgern und Gemeinden nicht durchsetzen kann. Dann sei aber vorstellbar, dass es bereits vorhandene Bohrlöcher für die Messungen nutzt oder den Untergrund auf andere Weise untersucht. Maaß zufolge ist vor allem der Umgang mit dem belasteten Lagerstättenwasser, das neben dem Gas aus der Tiefe mitgefördert wird, ein Problem – aus ihrer Sicht handelt es sich um „Sondermüll“. Zu den Folgen der Gasförderung gehöre aber auch eine Zunahme des Verkehrs rund um die Förderstätten sowie die Belastung durch Lärm und Dauerlicht auf den Anlagen.

Man müsse sich fragen, so Anja Büssenschütt, ob Aufwand, Risiko und Ertrag in einem richtigen Verhältnis stehen. Zwar stammten 95 Prozent des in Deutschland geförderten Gases aus Niedersachsen. Allerdings mache dies nur sechs Prozent des bundesweiten Verbrauchs aus. „Es kann doch nicht sein“, so Büssenschütt, „dass wir für sechs Prozent unsere Umwelt riskieren. Ist es das wert?“ Zu diesem Aspekt schaltete sich später ein Besucher ein. Nach seiner Darstellung reichten diese sechs Prozent immerhin aus, die Wohnungen in ganz Bremen ein Jahr lang zu beheizen. Er kritisierte zudem die aus seiner Sicht einseitige Darstellung der Bürgerinitiativen.

Wie sich herausstellte, handelte es sich um einen Mitarbeiter der Dea, der nach eigenen Angaben aus eigenem Antrieb zu der Veranstaltung gekommen war. Er traf dort auch ein paar Kollegen, die von dem Unternehmen als Beobachter nach Borgfeld entsandt worden waren, wie es hieß. Zudem war mit Olaf Mager der Kommunikationschef des Unternehmens nach Borgfeld gekommen, um sich einen Eindruck von der Stimmung zu verschaffen, wie er verriet.

Vorn auf der Straße verteilten BI-Mitglieder Flyer, Anstecker und die roten Kreuze, die seit Monaten das Landschaftsbild mitprägen. Und sie sammelten Unterschriften. Ein paar kamen zusammen, den Mienen der Aktivisten war zu entnehmen, dass sie auf ein paar mehr gehofft hatten. BI-Sprecher Jörn Schumm räumte ein, dass es aufwändig ist, den Widerstand zu gestalten. Es bräuchte weitere Unterstützer, damit die Aktivitäten der BI nicht nur auf den Schultern weniger lasten.

Im Saal versuchte auch Malte von Monkiewitsch, Kräfte für die BI-Arbeit freizusetzen: „Wir hoffen, dass dieser Abend Aktivismus freigesetzt hat.“ Wer etwas tun wolle, solle die BI unterstützen, Schilder aufstellen und den Vertretern der Erdgasindustrie verbieten, die Grundstücke zu betreten.

Man dürfe aber nicht nur Nein sagen, sondern müsse sich auch Gedanken über Alternativen zum Erdgas machen und diese dann auch nutzen: „Wenn wir diese Alternativen nicht nachfragen, wird sich auch nichts ändern.“

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