Enttäuschung in Borgfeld

Plan für Dorfgemeinschaftshaus geplatzt

Die Pläne für ein Borgfelder Dorfgemeinschaftshaus sind geplatzt. Gespräche zwischen Borgfelder Kirchengemeinde und Bürgerverein enden ergebnislos nach einem Verhandlungsjahr. Konzept-Planer sind enttäuscht.
17.09.2020, 22:08
Lesedauer: 4 Min
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Plan für Dorfgemeinschaftshaus geplatzt
Von Petra Scheller
Plan für Dorfgemeinschaftshaus geplatzt

Wendelin Seebacher vor einem Teil des Gebäudeensembles. Über Monate war die Idee zur Schaffung eines Dorfgemeinschaftshauses vorangetrieben worden.

Christian Kosak

Borgfeld. Die Pläne für ein Borgfelder Dorfgemeinschaftshaus an der Katrepeler Landstraße sind geplatzt. Das berichtet der Vorsitzende des Fördervereins für ein Dorfgemeinschaftshaus in Borgfeld, Wendelin Seebacher. Über ein Jahr lang hatten Kirchengemeinde, Bürgerverein und dessen Förderverein über eine Kooperation nachgedacht. Nach den jüngsten Gesprächen seien die Verhandlungen „nun erst einmal ausgesetzt“, sagt Seebacher weiter. Man finde keinen Konsens. „Wir stehen gemeinsamen Projekten mit dem Bürgerverein weiter offen gegenüber“, erklärt dazu Kirchenvorstand Pastor Clemens Hütte. Doch der Umfang der Planungen des Fördervereins sei der Gemeinde schlicht zu aufwendig, heißt es. „In fünf oder zehn Jahren kann das anders sein, Stand heute befürworten wir den Erhalt des parkähnlichen Grundstücks um das Gemeindehaus – wir wollen nicht, dass alles zugebaut wird“, so Hütte. „Ich denke, das vorgeschlagene Konzept von Herrn Seebacher ist zu raumgreifend, um innerhalb so kurzer Zeit einen Handschlag zu geben“, berichtet Pastorin Almut Wichmann. Doch genau auf diese Geste hatten der Fördervereinsvorsitzende Seebacher, der Vorsitzende der Bürgerinitiative Borgfelder Forum, Hermann Vinke, und Bürgervereinschef Heiko Wagener wohl gewartet.

Vor genau einem Jahr hatte der ehemalige Bremer Stadtplaner Seebacher die Gespräche mit dem Kirchenvorstand erstmals aufgenommen. Seine Idee: Das Alte Pfarrhaus an der Katrepeler Landstraße, das Pastorenhaus und der Gemeindesaal könnten zukünftig auch als Ensemble für einen Bürgertreffpunkt genutzt werden. In einem sechsseitigen Konzept fasste Seebacher seine Pläne für eine mögliche Zusammenarbeit zusammen. Pastor Clemens Hütte begeisterte sich anfangs für den Vorschlag und sprach von einer „sehr langfristig möglichen Win-Win-Situation", die so eine Kooperation mit sich bringen könne. Allerdings seien die Räume im Alten Pfarrhaus noch vermietet. Im Erdgeschoss befinde sich ein Kindergarten, im ersten Stock die Wohnung des Küsters. Die Mietverträge seien festgelegt.

Über ein Jahr lang verhandelten die vermeintlichen Vertragspartner. Der Bürgerverein investierte. „Wir haben einen Architekten beauftragt, ein Konzept erstellt, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Doch am Ende sind wir ohne Ergebnis auseinandergegangen“, berichtet Seebacher kopfschüttelnd. Die Borgfelder Kirche habe zwar Sympathie für eine Kooperation bekundet, „letztendlich hat aber der Handschlag gefehlt“, kritisiert der Vorsitzende des Fördervereins für ein Dorfgemeinschaftshaus. Für ihn seien die Verhandlungen gescheitert.

Keinen Hehl aus seiner Enttäuschung macht auch der Vorsitzende der Initiative Borgfelder Forum, Hermann Vinke. „Das Ergebnis ist enttäuschend. Der Plan ist geplatzt“, fasst Vinke das Ergebnis zusammen. Er bedauert, „dass dem Stadtteil die Realisierung eines einmaligen Konzepts entgeht.“ Für den Bürgervereinsvorsitzenden Heiko Wagener könnte es hingegen auch eine kleinere Lösung geben, räumt dieser ein.

Die Machbarkeitsstudie, die Seebacher in Abstimmung mit der Bremischen Evangelischen Kirche (BEK) im Herbst vergangenen Jahres in Auftrag gegeben hatte, fasst auf 24 Seiten Wünsche und Bedenken aller Beteiligten zusammen. „Die Finanzierungsfähigkeit wird als die größte Herausforderung gesehen", berichtete Seebacher, als er die Studienergebnisse öffentlich vorstellte. Doch Finanzierung, Auslastung und der Erhalt des Hof-Ensembles, das Seebacher "Borgfeld-Hof" nannte, seien solide berechnet, erklärte der Fördervereinsvorsitzende: "Ich sehe keine Schwierigkeit darin, die Mittel zusammenzubringen." Die Herausforderung bestehe darin, die Gebäude in den kommenden 30 Jahren zu bespielen und zu erhalten. Erste Kostenschätzungen für das Bauvorhaben beliefen sich auf rund 1,5 Millionen Euro. Die Baukosten wurden auf 2000 Euro pro Quadratmeter geschätzt.

Diese sollten nach den Plänen unter anderem vom Förderverein für ein Dorfgemeinschaftshaus übernommen werden sowie von der Bremischen Evangelischen Kirche, dem Bürgerverein und dem Bund der Vertriebenen, der ins Gebäude mit einziehen wollte. Seebacher ging davon aus, dass im Regelfall 50 Prozent der laufenden Kosten durch Förderprogramme von Bund, Land und Europäischer Union übernommen werden würden. Für die andere Hälfte sollten Spenden generiert werden.

Geplant waren aufwendige Umbauarbeiten. Im Mittelpunkt sollte das Alte Pfarrhaus stehen. Dort sollte ein großer Saal von 80 bis 90 Quadratmetern ausgebaut werden. Verbunden werden sollte das Pfarrhaus mit dem neueren Pastorenhaus im Gemeindegarten – durch einen lichten Ausstellungsraum. Im Obergeschoss des Pastorenhauses sollte zukünftig ein Haus der Archive untergebracht werden – so der Plan. Es sollte Platz für das Heimatarchiv, das Kirchenarchiv und das Archiv des Bundes der Vertriebenen bieten.

„Die Pläne der Nutzung des Alten Pfarrhauses gehen seitens der Kirchengemeinde und anderen Planern derzeit zu weit auseinander“, zieht Pastorin Wichmann dazu ein Fazit. „Es gibt im Moment sowohl innerhalb der Gemeinde als auch bei den Interessierten vom Bürgerverein, Ortsamt, Borgfelder Forum, Pläne des Architekten Herrn Seebacher und anderen Gruppen viele unterschiedliche Ideen. Ich denke es wird noch dauern, bis ein gemeinsamer Nenner für die zukünftige Nutzung gefunden wird.“ Die Borgfelder Kirchengemeinde räumt aber ein, dass sie sich vorstellen könne, das alte Pfarrhaus an den Bürgerverein zu vermieten.

Weiterhin optimistisch sieht hingegen die Bremische Evangelische Kirche (BEK) das geplante Vorhaben. Sie wurde von Anfang an am Projekt beteiligt und stimmt der Seebacher-Idee nach wie vor zu. Das berichtet der Leiter der Bauabteilung der BEK, Axel Krause, auf Nachfrage. „Es handelt sich um ein zentrales Grundstück. In den Gebäuden könnte öffentliches Leben stattfinden“, sagt Krause. Es sei fraglich, ob die Kirche die Instandhaltung auch in den kommenden Jahrzehnten bezahlen könne. Bislang ist die Borgfelder Kirchengemeinde die Eigentümerin der Gebäude an der Katrepeler Landstraße, die BEK ist für deren Instandhaltung zuständig.

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