Vortrag zum Thema "Jagd" in Borgfeld Pooljagd ist ein altes Recht

Borgfeld. Während die Menschen vor 10000 Jahren noch zur Jagd gingen, um sich zu ernähren, steht heute eher der Erhalt des Wildes in den Jagdbezirken im Vordergrund. Warum es dazu kam und wie sich die Jagd über Jahrtausende hinweg verändert hat, erzählte Professor Hermann Cordes jetzt in seinem Vortrag "Jagd früher und heute in Borgfeld und umzu" im Ortsamt Borgfeld. Der Vortrag gehörte zur Seminarreihe "Geschichte Borgfelds".
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Von Julia Basic

Borgfeld. Während die Menschen vor 10000 Jahren noch zur Jagd gingen, um sich zu ernähren, steht heute eher der Erhalt des Wildes in den Jagdbezirken im Vordergrund. Warum es dazu kam und wie sich die Jagd über Jahrtausende hinweg verändert hat, erzählte Professor Hermann Cordes jetzt in seinem Vortrag "Jagd früher und heute in Borgfeld und umzu" im Ortsamt Borgfeld. Der Vortrag gehörte zur Seminarreihe "Geschichte Borgfelds".

Cordes spannte einen Bogen von der letzten Eiszeit vor 10000 Jahren über die französische Revolution bis heute. In der letzten Eiszeit sei das Jagen für die Menschen eine überlebenswichtige, aber auch noch recht schwierige Aktion gewesen, da mit Handwaffen gejagt worden sei. Der Jäger habe sich möglichst nah an das Beutetier heranschleichen müssen, um sicher zu treffen, erklärte Cordes.

Später sei die Jagd ein gesellschaftliches Ereignis und ein Privileg des Adels gewesen. Laut Cordes hätten die abhängigen Bauern den Adeligen das Wild zutreiben müssen. Damals habe es noch eine Menge Wild gegeben, das oft auch Schäden auf den Äckern angerichtet habe, sagte Cordes. Erst durch die französische Revolution im 18. Jahrhundert seien die Jagdprivilegien abgeschafft worden und auch einfache Bauern hätten zur Jagd gehen dürfen. Dies habe zu einem dramatischen Rückgang des Wildbestands geführt, erklärte Cordes. Somit mussten neue Regelungen getroffen werden und das Jagdrecht sei an den Besitz von Grund und Boden gebunden worden. Nur noch Eigentümer von mindestens 75 Hektar Land hätten auf dem eigenen Land jagen und einzelne Bezirke davon verpachten dürfen, sagte Cordes.

Die heutige Situation sehe anders aus, wusste der Professor: "In Borgfeld bestehen heute drei Jagdbezirke, die an Jagdgenossenschaften aus mehreren Jägern verpachtet sind." Die Jagd sei durch das Bundes- und Landesjagdgesetz geregelt und nur Besitzer von Jagdscheinen dürften zur Jagd gehen. Allerdings gingen heute, nach Cordes Angaben, mit der Jagd auch Pflichten einher, nämlich das Wild durch das Hegen und die Schonung in bestimmten Zeiten zu erhalten. Laut Cordes besteht das Borgfelder Jagdwild vor allem aus Rehen, Füchsen, Hasen und Kaninchen.

Auch Jagdexperte Klaus Dehlwes bereicherte den Vortrag mit seinem Wissen: "Früher war das Reh ein scheues Waldtier. Heute bewegt es sich auch auf Feldern und Wiesen. Füchse haben ihre Lebensweise ebenfalls verändert. Wegen des hohen Grundwasserspiegels graben sie ihre Bauten nicht mehr in die Erde, sondern suchen sich überirdisch Schutz."

Ein altes Jagdrecht der Bauern an der Wümme sei die Pooljagd, so Dehlwes. "Dafür haben die Jäger in überschwemmten Gebieten Holzhütten gebaut, in denen sie sich auf die Lauer legten", sagte der Experte. Zahme Enten hätten die Wildenten an die Hütten gelockt, wo die Jäger mit ihren Schrotflinten leichtes Spiel gehabt hätten. Laut Dehlwes seien die Erhöhungen, auf denen die Hütten gestanden hätten, heute noch zu erkennen. Nach Abschluss des Vortrags gaben die Jagdexperten Anekdoten zum Besten.

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