Naturschutzverbände nehmen erste Hürde

Rettungsplan für die Wümme

Mit Bundesmitteln die Wümme retten, das wollen Naturschutzverbände aus der Region. Unterstützung erhalten Sie dabei von der Bremer Umweltsenatorin Maike Schaefer. Und auch der Bund signalisiert Entgegenkommen.
04.07.2020, 05:00
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Rettungsplan für die Wümme
Von Petra Scheller

Sonnenstrahlen spiegeln sich auf den Wellenspitzen der Unteren Wümme wider. Libellen fliegen übers Schilf. Zwischen Borgfelder Wümme-Wiesen und Lesum-Mündung leben die Menschen seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur. Doch die Idylle trügt. Die Wümme ist ein Sanierungsfall. Das sagen Experten aus zwölf Naturschutz- und Wasserverbänden, darunter die Biologische Station Osterholz (Bios) sowie der Bremische Deichverband am rechten Weserufer. Unterstützung erhalten die Fachleute mit ihrer These von Bremens Umweltsenatorin Maike Schaefer. Der untere Teil der Wümme drohe „wegen der wegbrechenden Ufer zu einem hydrologischen und biologischen Sanierungsfall zu werden“, erklärt die Senatorin. Mit Hilfe des Bundesförderprogramms Blaues Band Deutschland (BBD) solle deshalb der untere Teil der Wümme in seinen ursprünglichen Zustand versetzt werden, berichtet Schaefer.

Die Weichen dafür werden gerade gestellt. „Das Ganze ist ein Generationenprojekt“, unterstreicht Gunnar Oertel von der Stiftung Nordwest-Natur. Der Landschaftsplaner hat mit Unterstützung eines Expertenrates eine erste Skizze beim Bund eingereicht, um Fördermittel für die Sanierung der Wümme zu generieren. Denn für die Entwicklung von Flusslandschaften entlang deutscher Wasserstraßen ruft das Bundesumweltministerium gerade ein neues Förderprogramm ins Leben. Davon könnte im kommenden Jahr auch die Wümme profitieren.

Erste Hürde ist genommen

Die erste Etappe in dem mehrstufigen Verfahren ist bereits erfolgreich verlaufen. „Die Chancen stehen derzeit gut“, teilt der Fachgebietsleiter für Binnengewässer und Auenökosysteme, Bernd Neukirchen, aus dem Bonner Bundesamt für Naturschutz auf Nachfrage mit. Die Projektbewerbung gehe jetzt in die zweite Runde.

Unter der Schirmherrschaft von Bundesumweltministerin Svenja Schulze ging das Renaturierungsprogramm für Auenlandschaften im Frühjahr an den Start. Geförderte Projekte – bislang ist ein einziges auf der schleswig-holsteinischen Insel Pagensand auf den Weg gebracht – sollen dazu beitragen, die Flussauen an Bundeswasserstraßen als Zentren biologischer Vielfalt zu entwickeln. Flusslandschaften in ganz Deutschland sollen sich bis 2050 zu einem riesigen Biotopverbund zusammenschließen. So der Plan.

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Zu den Antragstellern für Bremen gehört der Bremische Deichverband. „Wir haben ein großes Interesse, an der Wümme ökologische Verbesserungen zu schaffen“, erklärt Deichverbandschef Michael Schirmer. „Die geplanten Maßnahmen sollen vor allem dazu beitragen, die negativen Folgen der Weservertiefungen zu vermindern“, berichtet der promovierte Hydrologe. Starke Höhenunterschiede von Ebbe und Flut führten zur Erosion der Ufer. Das Bundesprogramm Blaues Band habe eben solche Verbesserungen zum Ziel. In der Angelegenheit zur Sanierung der Wümme habe „das Bundesumweltamt bereits Interesse signalisiert“, berichtet Schirmer.

„Im Detail geht es darum, dass die ursprünglich naturnahe Wümme wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt wird“, ergänzt der Biologe Hans-Gerhard Kulp von der Biologischen Station Osterholz (Bios). Seit dem 12. Jahrhundert werde die Wümme eingedeicht. „Bei Ebbe läuft der Fluss viel zu stark ab. Es fehlen Flachwasserbereiche, die kontinuierlich benetzt werden“, erklärt Kulp. Es müsse gleitende Übergänge am Flussufer geben. Die jetzige Strömung sei „viel zu dramatisch für eine nachhaltige Jungfischentwicklung“, so Kulp weiter. Flussfische wie Hechte, Zander und Quappen könnten sich unter den derzeitigen Bedingungen nicht in der Wümme vermehren.

Wasserhaushalt soll widerstandsfähiger werden

Das bestätigt auch die Bremer Senatorin Maike Schaefer. "Als ersten Schritt haben wir im Koalitionsvertrag vereinbart, für die Untere Wümme ein Renaturierungsprojekt im Bundesförderprogramm Blaues Band zu ermöglichen", erklärt die promovierte Biologin. "Zusammen mit der Stiftung Nordwest-Natur, dem Deichverband und weiteren Akteuren ergreifen wir mit der angestrebten Bundesförderung die Chance, den Wasserhaushalt in der Aue zu stabilisieren und damit widerstandsfähiger gegenüber negativen Veränderungen durch den Klimawandel zu machen“, so Schaefer weiter.

Was die Sanierung der Wümme kosten darf und wie die Pläne genau aussehen, dazu gibt es bislang noch keine offiziellen Aussagen. Dem Vernehmen nach handelt es sich aber wohl um ein Projekt in Millionenhöhe. Bis zu 75 Prozent der Kosten könnten dabei vom Bund finanziert werden. Für einen Teil des Förderprogramms werden im Haushalt des Bundesumweltministeriums allein in diesem Jahr 6,8 Millionen Euro bereitgestellt. Für die Jahre 2021 bis 2023 sollen weitere 25 Millionen Euro fließen. Wenn alles klappt, wird auch Bremen davon profitieren. Doch bis dahin sei es noch ein langer Weg, erklärt Bernd Neukirchen vom Bundesamt für Naturschutz.

„Im nächsten Schritt entscheidet eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe, ob das Projekt in die Antragstellung gehen kann“, so der Bundesbeamte gegenüber unserer Redaktion. Im Falle einer positiven Entscheidung würden die Stiftung Nordwest-Natur und ihre Unterstützer dann aufgefordert, einen detaillierten Projektantrag auszuarbeiten. Den haben die zukünftigen Antragsteller dem Vernehmen nach auch schon in der Schublade. „Die Projektträger streben für die Wümme einen Projektbeginn im Januar 2021 an“, berichtet Neukirchen aus Bonn.

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