Ausstellung in Borgfeld

Sensibilisierung statt Ablehnung

Das Borgfelder Forum und die Kirchengemeinde haben eine Ausstellung zum Thema Flucht entwickelt. Plakate sollen Fluchtursachen verdeutlichen und eine Sensibilisierung für das Thema erzielen.
05.04.2020, 22:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Pia Ressel
Sensibilisierung statt Ablehnung

Uwe Rosenberg betrachtet ein Bild, das am 16. September 2015 bei gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen der ungarischen Polizei und Flüchtlingen enstanden ist. Es ist zu sehen in einer Ausstellung, die im Borgfelder Gemeindehaus über die Zeit der Kontaktsperre hinaus gezeigt werden soll.

Fotos: Christian Kosak

Borgfeld. Schützend hält der Vater eine Hand vor den Hinterkopf seines Kindes, um es vor der gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen der ungarischen Polizei und Flüchtlingen zu schützen. Blut strömt über sein Gesicht, das T-Shirt des Jungen ist nach oben gerutscht. Beide sind voller Schmutz. Verzweiflung und Angst stehen dem Geflüchteten ins Gesicht geschrieben. Aufgenommen ist das Foto am 16. September 2015. 2015 ist das Jahr, in dem rund 890 000 Schutzsuchende nach Deutschland gekommen sind, wie die Tageszeitung "Die Welt“ berichtet.

Auch in den Containerbauten der Borgfelder Warft sind damals bis zu 32 junge Geflüchtete untergekommen. Im selben Jahr hat sich auch das Borgfelder Forum gegründet, eine Initiative von Bürgerinnen und Bürgern, die sich um den Zusammenhalt im Stadtteil kümmern und dafür konkrete Projekte vorschlagen. Die Bereitschaft zur Hilfe war groß, jeder aus der Bürgerversammlung wollte helfen, auch dann noch, als später nahezu 100 Geflüchtete in der Sporthalle am Saatland untergebracht worden sind, berichtet Uwe Rosenberg, Sprecher des Forums.

Fünf Jahre später ist das Thema Flucht nach wie vor aktuell. Die Gründe sind die gleichen geblieben, die Flucht vor Not und Elend. Die Ausstellung in der Kirchengemeinde Borgfeld, Katrepeler Landstraße 9, mit Plakaten von Pro Asyl, einer Menschenrechtsorganisation, die sich für den Schutz und die Rechte von asylsuchenden Menschen in Deutschland und Europa einsetzt, verdeutlicht die Fluchtursachen und liefert Hintergrundinformationen mit Zahlen und Fakten. „Wir wollen ins Gespräch kommen, unterschiedliche Meinungen hören, ein Miteinander kreieren“, erklärt Almut Wichmann, Pastorin der Kirchengemeinde Borgfeld, die Motivation hinter der Ausstellung. Rosenberg fügt hinzu, dass die Willkommenskultur von 2015 sich allmählich in eine Ablehnungskultur entwickeln würde und dass daher die Sensibilisierung für das Thema von großer Bedeutung sei.

Auf insgesamt 15 Plakaten wird das Thema Flucht behandelt. „Ich wollte meine Heimat nicht verlassen. Ich hoffte bis zuletzt, der Krieg würde bald zu Ende gehen.“ Zitate wie dieses von Rana Fida, einem Flüchtling aus Syrien, sowie ausdrucksstarke Bilder von Geflüchteten regen zum Nachdenken an. Auf den Informationsplakaten werden Themen wie die europäische Flüchtlingspolitik, Asyl, Abwehrmaßnahmen und die weltweite Flucht thematisiert. An Zahlen wie 65,3 Millionen bleibt das Auge hängen. Sie besagt, wie viele Menschen weltweit auf der Flucht sind.

Neben den Plakaten von Pro Asyl, gibt es ein Sonderexemplar von United 4 Rescue. Das Bündnis ist vor einem Monat mit einem Rettungsschiff auf das Mittelmeer gefahren, um Menschen in Seenot zu retten. Finanziert wird es ausschließlich durch Spenden. Allein im Jahr 2014 sind 20 000 Menschen im Mittelmeer ertrunken, unterstreicht Wichmann die Problematik. Das Plakat wurde von der evangelischen Kirchengemeinde mitfinanziert.

Da aufgrund der aktuellen Lage rund um das Coronavirus zurzeit keine Veranstaltungen möglich sind, wird die Ausstellung, die zunächst bis zu den Sommerferien laufen sollte, eventuell verlängert, teilt Wichmann mit. Die Ausstellung kann dann während der Öffnungszeiten des Gemeindehauses oder nach Vereinbarung unter 0176/ 75 09 38 30 besucht werden.

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