Bedarfsgesteuerte Busse in Bremen Projekt „Bus auf Anfrage“ liegt auf Eis

Das von den Borgfeldern gespannt erwartete Pilotprojekt „Busse on demand“ lässt auf sich warten. BSAG und Senat haben den Start erneut verschoben.
10.06.2020, 18:00
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Projekt „Bus auf Anfrage“ liegt auf Eis
Von Antje Stürmann

Der Bus kommt nicht. Noch nicht, denn wieder einmal ist der Start für den „Bus auf Abruf“ verschoben worden. Diesmal ist das Coronavirus der Grund. Es mache keinen Sinn, den Einsatz von Kleinbussen testen zu wollen, solange Abstandsregeln gelten und viele Bürger aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19 einen Bogen um die öffentlichen Verkehrsmittel machten, heißt es in einer Vorlage des Senats und bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Sollte es irgendwann doch noch losgehen, dann ist der Ortsteil Borgfeld aber offenbar fest eingeplant für das Pilotprojekt „Bus on demand“. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage der FDP in der Bremischen Bürgerschaft hervor.

Bremen ist bereits überholt

Die Freidemokraten wollten wissen, wie es um das Projekt steht, das dazu beitragen soll, dass Bremens öffentlicher Personennahverkehr moderner, klimafreundlicher und flexibler wird. In ihrer Anfrage stellt die FDP fest: „Verschiedene Städte in Deutschland sind hier bereits besser aufgestellt.“ Als Beispiele nennt sie Stuttgart, Hamburg und München.

Profitieren würden von den nach Bedarf abrufbaren Bussen in Bremen vor allem Stadtgebiete, die selten oder gar nicht von Bussen und Bahnen angesteuert werden. In Borgfeld betrifft das unter anderem Bereiche in Borgfeld-West und um die Straße Upper Borg. Die Minibusse ohne feste Routen und Fahrpläne sollen per Anruf oder App gebucht werden können und ihre Fahrgäste vor allem zu den Haltestellen von Bus- und Bahnlinien bringen.

Kleinbusse mit Elektroantrieb

Borgfeld hatte im Januar 2019 auf Anregung der CDU als einer der ersten Bremer Ortsteile beantragt, in die Routenplanung zu Testzwecken aufgenommen zu werden. Das zumindest hat geklappt: „Vorgesehen war ein Start in Borgfeld, Oberneuland und Teilen von Horn-Lehe mit Anschluss an die Straßenbahnlinien 1 und 4“, heißt es beim Senat. Das Konzept sieht vor, dass in der Testphase bis zu drei Jahre lang Kleinbusse mit Elektroantrieb fahren. In jedem Bus sollen sechs Fahrgäste Platz finden, ein Teil der Fahrzeuge soll auf die Bedürfnisse von Menschen zugeschnitten sein, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Wie viele dieser Busse künftig im Bremer Osten unterwegs sein sollen, stehe noch nicht fest, so Jens Christian Meyer von der BSAG.

Über die Gesamtkosten gibt die Vorlage des Senats keine Auskunft. Die Ministerien haben jedoch zugesagt, bis zu 80 Prozent der Mehrkosten zu übernehmen, die durch die Anschaffung von E-Bussen im Vergleich zu Dieselbussen entstehen – das sind allein vom Verkehrsministerium rund 1,15 Millionen Euro. Abrufen kann die BSAG diese Mittel aber erst, wenn das Projekt umgesetzt wird. Der Förderzeitraum endet im Dezember dieses Jahres. Das Bundesverkehrsministerium habe jedoch bereits eine Verlängerung um zwei Jahre in Aussicht gestellt, heißt es.

Zu wenige Fahrgäste

Ursprünglich hatten die BSAG und der Senat den Einsatz bedarfsgesteuerter Busse schon für Mitte 2019 angekündigt. Zuletzt gingen die Verantwortlichen von einem Start des Pilotbetriebs im 4. Quartal 2020 aus. Jetzt treten die BSAG, der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) und die Bremer Senatorin für Klimaschutz, Umwelt und Mobilität erneut auf die Bremse: Die weitere Bearbeitung des Projektes sei vorerst ausgesetzt, heißt es.

Man wolle schauen, wie sich die Corona-Pandemie entwickle und dann unter anderem anhand der Bereitschaft der Bürger zur Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel entscheiden, ob und wann die Umsetzung des Projekts „Bus on demand“ Sinn ergibt. Für Jens Christian Meyer ist das der Zeitpunkt, an dem sämtliche Corona-Beschränkungen wegfallen: „wenn man sich als Fahrgast wieder normal in den Fahrzeugen bewegen kann und sie normal belegt sind“. Zurzeit bewege sich das Fahrgastaufkommen bei 60 Prozent. „Mit einem Fahrgast und dem Fahrer im Bus können wir die Busse on demand nicht ausprobieren“, so Meyer.

Masterplan "Grüne Stadt"

Borgfelds Ortsamtsleiter Karl-Heinz Bramsiepe bedauert das sehr. „Gerade in Borgfeld könnten wir die bedarfsgesteuerten Busse gut gebrauchen, zumal es hier Menschen gibt, die auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen sind und fest damit rechnen, dass die Busse eingeführt werden.“ In Borgfeld, betonte Bramsiepe vor gut anderthalb Jahren, lebten rund 1700 Menschen, die älter als 60 Jahre sind. Dass der Projektstart ausgesetzt ist, darüber war Bramsiepe nach eigenen Worten bislang nicht informiert worden.

Die Busse auf Anfrage sind vom Senat als Teil des Masterplans „Grüne Stadt“ als sehr wichtig eingestuft worden. Sie sollen Menschen dazu motivieren, vom Auto auf den öffentlichen Personennahverkehr umzusteigen. Ziel des vom Umweltressort gemeinsam mit der BSAG und dem Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (VBN) ausgearbeiteten Masterplans ist es, die verkehrsbedingten Luftbelastungen zu reduzieren. Jens Christian Meyer von der BSAG ist denn auch zuversichtlich, dass der Bus on demand auf den Weg gebracht wird. „Wir gehen davon aus, dass Corona irgendwann Geschichte ist und dann wieder Themen wie die Verkehrswende und Umweltschutz in den Vordergrund rücken werden.“

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