Luxusimmobilie in Oberneuland angepeilt

Bremer Ex-Professor wollte erneut teure Villa kaufen

Ein früherer Bremer Jura-Professor und seine Frau haben erneut versucht, eine Luxusimmobilie zu erwerben, obwohl sie als zahlungsunfähig gelten. Der Kauf scheiterte kurz vor einem Betrugsprozess gegen das Paar.
20.11.2020, 17:35
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Ex-Professor wollte erneut teure Villa kaufen
Von Jürgen Theiner
Bremer Ex-Professor wollte erneut teure Villa kaufen

Das Amtsgericht hat mehrere Vermögensdelikte eines Bremer Ehepaares mit einem Strafbefehl geahndet.

Christina Kuhaupt

Obwohl ihm ein Prozess wegen Betrugs- und Untreuevorwürfen bevorstand, hat ein hoch verschuldetes Bremer Ehepaar im Spätsommer erneut versucht, eine Luxusimmobilie in seinen Besitz zu bringen. Das hat ein örtlicher Makler, der mit der Angelegenheit befasst war, dem WESER-KURIER bestätigt. Der bereits beurkundete Verkauf wurde rückabgewickelt, nachdem die Eheleute den Kaufpreis schuldig geblieben waren. Wie schon so oft bei ähnlich gelagerten Taten in der Vergangenheit.

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Das Paar hat es in der Bremer Maklerszene – und nicht nur dort – zu fragwürdiger Bekanntheit gebracht. Immer wieder erwarben die mittellosen Eheleute in den vergangenen Jahren hochwertige Immobilien, wobei es ihnen in mindestens einem Fall auch gelang, vorzeitig die Schlüssel ausgehändigt zu bekommen. Bis die Eigentümer der Borgfelder Villa, die nie einen Cent des vereinbarten Kaufpreises sahen, die Hausnomaden wieder herausgeklagt hatten, war ein Schaden in sechsstelliger Höhe entstanden. Auch in der gehobenen Hotellerie, wo sich das Ehepaar mit seinen Kindern zwischenzeitlich immer mal wieder einquartierte, sind noch hohe Rechnungen offen.

Empörter Brief

Vergangene Woche musste sich das Paar – er ein früherer Jura-Professor und Lehrstuhlinhaber an der Bremer Uni, sie eine frühere Referentin in der Kulturbehörde – vor dem Amtsgericht verantworten. Allerdings nicht wegen der Hauskäufe und der Schnorrerei in Luxus-Herbergen. In diesen Fällen hatte das Paar die Bestimmungen des Betrugsparagrafen im Strafgesetzbuch geschickt umschifft. Die Verurteilung zu Bewährungsstrafen von je einem Jahr und Geldstrafen von zusammen 3600 Euro gründete sich auf nachrangig anmutende Taten. So hatte das Paar im Borgfelder Fall Handwerkerrechnungen für die Umgestaltung der Immobilie nicht bezahlt. Während ihrer Zeit als Geschäftsführerin der Günter-Grass-Stiftung hatte die Frau des Jura-Professors zudem einen fünfstelligen Betrag aus der Kasse entnommen und veruntreut.

Wegen dieser Taten hatte die Staatsanwaltschaft gegen das Paar bereits im August 2018 sowie im Januar 2019 Anklage erhoben. Das hielt die Eheleute allerdings nicht davon ab, im August dieses Jahres trotz ihrer Zahlungsunfähigkeit erneut auf dem Immobilienmarkt aktiv zu werden. Sie meldeten sich bei einem örtlichen Makler, der ein Haus in Oberneuland für 700.000 Euro im Angebot hatte. „Die kamen insgesamt dreimal mit Kindern, Mutter und Schwiegermutter, um sich die Immobilie anzuschauen“, sagt der Kaufmann, der nicht namentlich in Erscheinung treten möchte. Am 25. August wurde vor einem Bremer Notar ein Kaufvertrag abgeschlossen, die vereinbarte Summe sollte kurzfristig auf einem Notaranderkonto hinterlegt werden. „Die Käufer baten darum, ihnen die Schlüssel möglichst schon vorab auszuhändigen“, erinnert sich der Makler.

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Das habe er jedoch nicht getan. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellte, denn das Geld floss nicht. Als sich vier Wochen nach dem Zahlungsziel immer noch nichts tat, begann der Makler mit der Rückabwicklung des Kaufvertrags und ließ die Auflassungsvormerkung wieder aus dem Grundbuch entfernen. Daraufhin erhielt er vom Ehepaar einen bösen Brief. Man sei „überrascht und enttäuscht“ vom Geschäftsgebaren des Maklers, schließlich könne es immer mal vorkommen, dass ein vereinbartes Zahlungsziel geringfügig überschritten wird. Auch nach diesem Schreiben floss allerdings kein Cent. Und der Makler blieb auf seiner Courtage-Forderung und den ausgelegten Grundbuchgebühren sitzen. „Ich war schockiert“, sagt der Immobilienexperte. Er erwäge, Strafanzeige zu stellen.

Verständnis für Unmut

Einer solchen Anzeige wäre aber wahrscheinlich ähnlich geringer Erfolg beschieden wie entsprechenden Versuchen früherer Geschädigter, die auf das seriöse Auftreten des einstigen Jura-Professors und seiner Frau hereingefallen waren. Im Gespräch mit dem WESER-KURIER sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Frank Passade, dass sich in den zurückliegenden Fällen keine Anklage auf den Betrugsparagrafen im Strafgesetzbuch gründen ließ. Das habe unter anderem damit zu tun, dass die Eigentümer der jeweiligen Immobilien während des gesamten fehlgeschlagenen Kaufprozesses stets Eigentümer geblieben seien. Grundsätzlich gelte: „Wenn jemand bewusst und geschickt Strafbarkeitslücken ausnutzt, wird es schwer, ihn zur Verantwortung zu ziehen.“ Er könne verstehen, wenn die Geschädigten dies als unbefriedigend empfinden.

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