Kandidatenbesuch Wissen, wie Borgfeld tickt

CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder hat sich im Bremer Stadtteil Borgfeld vorgestellt. Sein Terminplan sah ein anspruchsvolles Programm vor.
21.09.2018, 19:27
Lesedauer: 3 Min
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Von Petra Scheller

Borgfeld. Die Wahlkampftour des neuen CDU-Spitzenkandidaten Carsten Meyer-Heder beginnt mit einem Schnaps auf dem Bauernhof von Klaus Dehlwes. Der Nachbar bringt die Flasche vorbei. Er weiß, dass Besuch aus Bremen vorbei kommt. Kurzes Händeschütteln, jeder schnackt mit jedem – der in Bremen-Walle lebende Spitzenkandidat Meyer-Heder kommt gleich mit den Landwirten ins Gespräch. Sechs Termine in drei Stunden stehen auf dem Nachmittagsprogramm des Softwareentwicklers und IT-Firmen-Gründers, der im kommenden Jahr Bürgermeister von Bremen werden will. „Das Programm hat unser Ortsverband gemeinsam gestrickt“, sagt die Vorsitzende der Borgfelder Christdemokraten, Gabi Piontkowski. Nach der Hofbesichtigung geht es einmal quer durch Borgfeld – mit dem Fahrrad.

Meyer-Heder streichelt Kühe, guckt sich Ställe an. „Ich bin leider kein Landwirtschaftsexperte“, sagt er und stellt Fragen. Die CDU-Ortsvorsitzende Piontkowski macht Fotos und stellt sie gleich ins Netz. Im April sprach Meyer-Heder davon, dass sein Leben zur Hälfte aus Politik bestehe, inzwischen seien es 75 Prozent.

Senior Klaus Dehlwes führt über den Hof in der Warfer Landstraße. 40 Milchkühe, zehn Hektar Ackerland und 50 Hektar Grünland bewirtschaftet er gemeinsam mit seinem Sohn Claus Dehlwes. Seit 1604 wird an dieser Stelle Landwirtschaft betrieben. Vor 18 Jahren hätten die Bauern gerne einen weiteren Stall angebaut. Doch die Baugenehmigung dafür wurde nicht erteilt. „Nun ist es zu spät. Die großen Betriebe wurden befördert, die kleinen gekippt.“

Meyer-Heder setzt sich gleich in die Nesseln, als er fragt, ob man den Betrieb nicht auf Bio umstellen könne. Bio und Naturschutz sind für die alteingesessenen Landwirte Reizthemen. Senior Dehlwes ist Jagdpächter, seiner Meinung nach hat der Naturschutz die Artenvielfalt aus den Wümmewiesen vertrieben. Piontkowski wirft einen kritischen Blick auf die Uhr in ihrem Smartphone. Es geht weiter.

Nächster Stopp ist das Wümme-Stadion des SC Borgfeld. Auf dem Weg dorthin berichtet Meyer-Heder ganz offen über seinen Einstieg in die Politik. Dass vieles ganz neu für ihn sei. Der Vater von drei Kindern ist in der Vahr und der Neustadt aufgewachsen. Sein Abitur hat er im Holter Feld in Sebaldsbrück absolviert. Vor etwa zwanzig Jahren gründete er eine Firma und programmierte anfangs eine Software für Ziegeleien.

Über den Hamfhofsweg geht es bis zum Stadion. Der erste Vorsitzende des Fußballclubs, Thomas Kaessler, führt über die Fußballplätze. Die B-Jugend sei ja gerade in die Bundesliga aufgestiegen und die Herren-Mannschaft in die Bremen-Liga, erzählt Kaessler. Der Verein kämpfe seit Jahren um den Ausbau der Straße Hinter dem Großen Dinge. An Wochenenden kämen die Mannschaftsbusse der Gäste kaum durch das Dickicht am Rande der Wümmewiesen. Die Parkplatz-Situation sei eine Katastrophe.

Meyer-Heder und Kaessler spielen sich auf Wunsch der Ortsvorsitzenden fürs Foto auf einem der Rasenplätze ein paar Bälle zu. Das Programm, das der Ortsverein auf die Beine gestellt hat, sei deshalb so intensiv, sagt Piontkowski, weil der neue Spitzenkandidat einfach wissen müsse, „wie Borgfeld tickt“. Wichtig sei, dass er sich für die Probleme der Menschen im Stadtteil interessiere. Aber tut er das auch? Es sieht zumindest so aus. Meyer-Heder – dunkle Jeans, Werder-Jacke, blaues Hemd – guckt sich alles sehr genau an, hört zu, stellt Fragen.

Die Grundschule am Borgfelder Saatland steht als nächste Station auf dem Plan, den Meyer-Heder auch in seinem Blog veröffentlicht hat. Doch Schulleiterin Kerstin Kinner habe den Termin nicht angenommen, erklärt Gabi Piontkowski. Die CDU-Ortsverbandsvorsitzende findet das „deprimierend“. Die Schule leide an akutem Platzmangel. Da sei so ein Gespräch sinnvoll. Kerstin Kinner sieht das anders. Auf Nachfrage der Redaktion erklärt die Schulleiterin, dass die Grundschule kein Ort für politischen Wahlkampf sei.

Eingesprungen ist deshalb der Baumarkt Viohl. Kurzes Gespräch, Meyer-Heder fährt weiter. Das Gestüt Wellhausen steht auch noch auf dem Programm und die Unternehmerin Ulrike Kleemeier. Die Ingenieurin aus Borgfeld-Timmersloh versucht seit einem Jahr, den Breitbandausbau am Rande des Naturschutzgebietes zwischen Borgfeld und Seebergen voranzutreiben. Anfang September teilte ihr die Bremer Wirtschaftsbehörde auf einer Beiratssitzung mit, dass es wohl noch zwei weitere Jahre dauere, bis die Zusage des Ausbaus eingehalten werden könne.

Seitdem ist Kleemeier verzweifelt. So verzweifelt, dass sie auf Anfrage des CDU-Ortsverbandes auch den Termin mit Carsten Meyer-Heder angenommen hat, sagt sie. Dass der Bremer Softwareentwickler und Gründer einer 1000-köpfigen Unternehmensgruppe ist, weiß sie zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. „Ich habe zugesagt, weil es mich ärgert, dass nichts passiert. Ich möchte den Politikern, auch denen hier vor Ort, einfach mal zeigen, wie das hier an meinem Rechner aussieht“, sagt Kleemeier. „Wenn ich Google Maps aufmache, starre ich zwei Minuten auf weiße Karos, bevor sich ganz langsam ein Bild aufbaut.“ Kleemeier sieht das Gespräch als Chance. Meyer-Heder auch.

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